Superschnelles Computernetzwerk China testet CENI, seine neue Datenautobahn

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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China hat ein superschnelles Computernetzwerk fertig gebaut, das 13 seiner Provinzen miteinander verbindet. „CENI“ verbindet Glasfaserkabel über 13.000 Kilometer mit einer deterministischen Netzwerk-Architektur. So können hohe Datenmengen in Rekordzeit übermittelt werden.

China hat eine neue Datenautobahn gebaut, um Leistung aus Rechenzentren im Westen des Landes dem Osten zur Verfügung zu stellen.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
China hat eine neue Datenautobahn gebaut, um Leistung aus Rechenzentren im Westen des Landes dem Osten zur Verfügung zu stellen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua vergleicht den Glasfaser-Highway CENI mit einem „Schnellzugnetz für Computer“. Derzeit sind Forschungsinstitute in neun chinesischen Städten damit unterwegs. In einem nächsten Schritt sollen 100 Universitäten des Landes und ausgewählte Unternehmen an die neue Datenautobahn angeschlossen werden. Auch sollen weitere Kabel verlegt werden.

„Das Hightech-Netzwerk wird die Entwicklung der künstlichen Intelligenz beschleunigen und vollkommen verändern, wie Daten-Dienstleistungen überall im Land funktionieren“, schreibt das Fachportal Intelligent Engineering.

CENI steht für „China Environment for Network Innovations“ und ist von einer Reihe von Instituten unter Leitung des „Zijin Mountain Laboratory“ in Nanjing entwickelt worden. Dort, in der Hauptstadt der Provinz Jiangsu westlich von Shanghai, ist vor wenigen Tagen auf einer wissenschaftlichen Konferenz auch die Fertigstellung des neuen Computernetzwerkes bekannt gegeben worden.

Umfassende Vernetzung

Ein strategisches Ziel der chinesischen Regierung ist die Verknüpfung von großen Datenzentren im Westen des Landes – etwa in der Inneren Mongolei und Gansu – wo viel Wind- und Sonnenenergie zur Verfügung steht, mit industriellen Ballungszentren im Osten und Süden des Landes.

Mithilfe von CENI soll Rechenleistung, die viel Strom verschlingt, ohne große Reibungsverluste aus den Wüstenregionen des Landes dorthin gebracht werden, wo für sie für die Automatisierung der Fertigungsindustrie, das autonome Fahren und andere datenhungrige Anwendungen des KI-Zeitalters gebraucht werden. So etwa im Delta des Jangtse-Flusses bei Shanghai oder in der „Greater Bay Area“ um Shenzhen und Hongkong.

Damit nimmt ein 2022 ins Leben gerufene West-Ost-Datenprojekt namens „Dong Shu Xi Suan“ erstmals konkret Gestalt an. Es gehe Peking dabei um die Bereitstellung von „bezahlbarer und allseits verfügbarer Rechenpower für die digitale Transformation“, zitiert die China Daily einen chinesischen Experten für Computernetzwerke.

Schon der Name „China Environment for Network Innovations“ oder CENI erinnert stark an das von den USA ins Leben gerufene GENI oder „Global Environment for Network Innovations“. Auch in Europa, Japan und Südkorea wird mit ähnlichen Computernetzwerken experimentiert.

Nase vorn in der Volksrepublik

Wie so oft bei neuen Technologien führt China aber nun wieder bei der Umsetzung. Gleichzeitig verwendet CENI eigene, in China neu entwickelte Technologien. Grundsätzlich hat man in Peking erkannt, dass ökonomisch und nachhaltig erzeugte, dann landesweit verfügbar gemachte Rechenleistung entscheidend ist für die weitere wirtschaftliche Entwicklung, aber auch für die Landesverteidigung.

Nach ersten Tests konnten die beteiligten Wissenschaftler Erfolge verkünden. „CENI arbeitet völlig ohne Paketverluste, mit Verzögerungsschwankungen von weniger als 20 Mikrosekunden selbst unter voller Netzwerk-Auslastung, über 13 Provinzen und 13.000 Kilometer hinweg und kann 10.000 deterministische Dienstleistungen bereitstellen“, sagte Liu Yunjie, der Chefwissenschaftler im Zijin Mountain Laboratory gegenüber der South China Morning Post (SCMP).

Zur Demonstration wurden Befehle an ein autonom navigierendes Fahrzeug in einer 500 Kilometer entfernten Fabrik gesendet. Dabei kam es bei einer großen Ortungsgenauigkeit zu Verzögerungen von weniger als 20 Mikrosekunden. Stolz ist man im Kreis der Entwickler von CENI auch auf die relativ geringen Kosten der neuen Technologie. Angeblich werden damit Datenübertragungen bis zu 60 Prozent günstiger als bei bisher bekannten Lösungen, wie der Chefwissenschaftler in der SCMP zu Protokoll gab. Das industrielle Internet, das Training von KI-Modellen und andere Anwendungen werden damit für viel mehr Nutzer in China erschwinglich als bislang, so Liu. (sb)

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