Arbeit gewürdigt Stephanie Wehner ebnet den Weg zum Quanteninternet

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

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Sie begann als eine ethische Hackerin und wurde jetzt mit dem Körber-Preis geehrt. Mit dem Preisgeld plant Wehner, den Einsatz von Quantencomputer in die Industrie zu überführen.

Stephanie Wehner und das sichere Quanteninternet: Die Wissenschaftlerin erhielt jetzt den Körber-Preis.(Bild:  Marcus Gloger/Körber-Stiftung)
Stephanie Wehner und das sichere Quanteninternet: Die Wissenschaftlerin erhielt jetzt den Körber-Preis.
(Bild: Marcus Gloger/Körber-Stiftung)

Die renommierte deutsche Informatikerin und Quantenphysikerin Stephanie Wehner wurde mit dem prestigeträchtigen Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft ausgezeichnet, eine mit einer Million Euro dotierte Würdigung. Den Preis erhielt sie am 19. September im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses. Damit geehrt wird ihre Arbeit zum Quanteninternet, einem fortschrittlichen, schnellen und extrem sicheren Computernetzwerk. Ziel ist es, eine abhörsichere Datenübertragung sowie die Vernetzung von Anwendern zur gemeinsamen Lösung komplexester Probleme zu ermöglichen, die bisherige Internetgrenzen sprengen.

Wehner ist Direktorin der Europäischen Quanteninternet-Allianz und Professorin am QuTech-Institut der Technischen Universität Delft. Als Wissenschaftlerin hat sie eine bemerkenswerte Karriere hinter sich. Sie begann als ethische Hackerin, um Computersysteme auf Sicherheitslücken zu testen, und ist heute führend beim Aufbau eines Europäischen Quanteninternets. Ihr Fokus: Die Quantenkommunikation als ultimative Kommunikationsform nutzbar zu machen.

Betriebssystem für Quantencomputer-Netzwerke

Ein wesentlicher Durchbruch ist Wehners Entwicklung des QNodeOS, das weltweit erste Betriebssystem für Quantencomputer-Netzwerke. Bisher erforderten Quanten-Anwendungen eine aufwendige, hardware-spezifische Programmierung durch Spezialisten. QNodeOS standardisiert diesen Prozess und ermöglicht die Vernetzung von Quantencomputern, unabhängig vom spezifischen Hardwareansatz.

Die Herausforderung besteht darin, verschiedene Technologien in einem wachsenden Ökosystem zu integrieren. Quantencomputer, die unterschiedliche physikalische Ansätze nutzen, beispielsweise Atomstrukturen in Diamanten oder Elektronenspins. Sie können dank QNodeOS erstmals unabhängig vom Hardware-Spezifikum angesprochen werden. Dies öffnet neue Horizonte in der Softwareentwicklung und beschleunigt die Integration innovativer Technologien.

Zur Person

Stephanie Wehner wurde 1977 in Würzburg geboren. Neben ihrem Informatik-Studium in Amsterdam arbeitete sie als „ethische Hackerin“ für die IT-Sicherheitsfirma ITSX, nachdem sie bereits vor dem Studium für den niederländischen Internetanbieter XS4ALL tätig gewesen war. Seit 2016 ist sie Antoni-van-Leeuwenhoek-Professorin am QuTech-Institut der Technischen Universität Delft in den Niederlanden. Seit 2017 leitet sie die von ihr mitbegründete Europäische Quanteninternet-Allianz (QIA). Sie ist gewähltes Mitglied der Königlich Niederländischen Akademie der Wissenschaften, Mitgründerin der weltweit größten Konferenz für Quantenkryptografie (QCRYPT) sowie des Spin-offs Delft Networks.

Eine abhörsichere Datenübertragung

Die Essenz der Quantenkommunikation liegt in ihrer grundlegenden Sicherheit: Sie nutzt Qubits, die durch die Superposition und Verschränkung verbunden sind. So ist eine abhörsichere Datenübertragung über große Distanzen möglich, wobei jeder Abhörversuch aufgedeckt wird.

Mit den Mitteln des Körber-Preises plant Wehner, Anwendungen zu erforschen, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren industriellen Nutzen finden. Etwa bei der Lastverteilung, wo Quantencomputer durch schnelle Entscheidungsfindung beispielsweise die Steuerung von Stromnetzen bei Nachfragespitzen optimieren könnten.

Bis 2030 strebt Wehner an, Metropolen in Europa über Hunderte von Kilometern mit einem Quantenkommunikationsnetz zu verbinden. Eine Entwicklung, die nicht nur Europas wissenschaftliche Führungsrolle stärkt, sondern auch zahlreiche Chancen für Start-ups und neue Geschäftsmodelle schaffen könnte. Stephanie Wehner betont die Bedeutung Europas in der Quantenvernetzung und ruft zu einer stärkeren Zusammenarbeit auf, um aus wissenschaftlichen Erkenntnissen ein funktionsfähiges, wirtschafts- und gesellschaftsförderndes Quanteninternet zu entwickeln. (heh)

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