Donald Trump hat Sanktionen, China hat RISC-V. Leicht verkürzt, aber treffend lässt sich so der Trend zur schnellen Ausbreitung dieser Chip-Architektur in der Volksrepublik erklären. Wie sich zeigt, ist sie für Chips in chinesischen E-Autos ebenso brauchbar wie für KI-Chips in Datenzentren.
Das Maxwell State-of-the-Art R&D Center for Manufacturing von Hesai in Shanghai.
(Bild: Hesai)
RISC-V, gesprochen „Risk Five“, ist eine frei verfügbare, offene Befehlssatz-Architektur für Halbleiter. Ähnlich wie bei Open-Source-Software kann sie jeder aus dem Internet herunterladen und kostenlos für die eigene Entwicklung nutzen. Das macht RISC-V für chinesische Entwickler zu einer Technologie, mit der sie sich gegen die Chip- und Software-Boykotte der US-Regierung wehren können. RISC-V wird zu einer Defensiv-Waffe im Chipkrieg, mit dem US-Präsident Donald Trump Chinas KI-Ambitionen und den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes sabotieren will.
RISC-V breitet sich in China daher gerade noch schneller aus, als dies von Analysten bislang vorhergesagt worden ist. Immer mehr Anwendungen kommen auf den Markt. Ein aktuelles Beispiel ist der neue RISC-V-Lidar-Chip des chinesischen Automobil-Zulieferers Hesai.
Auf seinem diesjährigen „Hesai Technology Open Day“ in Shanghai hat Hesai vor wenigen Tagen den „FMC500“ vorgestellt, einen speziell für Lidar entwickelten SoC, der auf RISC-V läuft. Er integriert MCU, FPGA und ADC in einem einzigen Halbleiter, erklärte Kai Sun, Mitgründer von Hesai, bei der Premiere.
Dieser neue Lidar-Mater-Control-Chip hat eine Reihe interessanter Spezifikationen, die sowohl die funktionale Sicherheit, als auch seine Cybersecurity betreffen. Vor allem aber liegt er voll im Trend, weil er ohne Befehlssätze aus dem Ausland auskommt, die irgendwann von Senatoren oder Kongressabgeordneten in Washington als wirtschaftliche Waffe eingesetzt werden könnten.
Für geschlossene Architekturen wie Intels „x86“ oder das britische „ARM“ von Arm Holdings im britischen Cambridge, müssen nicht nur Lizenzgebühren entrichtet werden. Diese „proprietären“ Befehlssatz-Architekturen sind aus chinesischer Sicht auch zunehmend mit einem politischen Risiko behaftet. Die chinesische Regierung ermutigt heimische Unternehmen im Zuge ihrer Autarkie-Bestrebungen, auf RISC-V zu setzen.
Frei und offen
Neben den politischen scheint es aber auch handfeste wirtschaftliche Gründe zu geben, die für RISC-V sprechen. Insbesondere für KI-Chips ermöglicht es offenbar besonders energieeffiziente Anwendungen, was aufgrund des gigantischen und immer weiter wachsenden Strombedarfs von Datenzentren ein großer Vorteil ist.
„RISC-V mit seiner offenen und hochgradig programmierbaren Architektur revolutioniert KI-Beschleuniger und ermöglicht ihnen, rechenintensive Inferenz-Workloads effizienter zu bewältigen als Fixed-Function-Lösungen“, schreibt Fankwell Lin, der CEO von Andes Technology in Taiwan, in einem Gastbeitrag für die EE Times.
Vorteile als KI-Technologie
Jedenfalls lässt sich in China gerade beobachten, dass RISC-V nicht mehr nur für Edge-Lösungen populär ist, sondern zunehmend auch in Datenzentren auftaucht. So hat das etwa chinesische Unternehmen StarFive Technology gerade Erfolg mit seinem Chip „Lion Rock“, einem auf RISC-V laufenden Prozessor für Datenzentren.
Nicht nur die technologische Unabhängigkeit von US-amerikanischer und britischer Technologie, auch die Energieeffizienz von RISC-V-Chips mache sie ideal für das KI-Zeitalter, heißt es in Analysen in chinesischsprachigen Fachmedien.
Immer mehr Start-ups in der Volksrepublik verschreiben sich der Entwicklung von RISC-V-Chips. Da sie gut für das Training von LLMs sind, könnten sie in der Zukunft immer häufiger zu ‚wichtigen Arbeitstieren‘ in Datenzentren werden, sagte ein Manager der Firma Beijing Eswin Computing Technology kürzlich auf dem „2025 Global Semiconductor Market Summit“ in Shanghai.
Wegen ihrer guten Energieeffizienz seien RISC-V-Chips „die beste Wahl für die Ära der künstlichen Intelligenz“, warb der Manager für die Produkte seiner auf diese Art von Chips spezialisierten Firma. Es sind aber nicht nur selbst mit RISC-V-Chips handelnde Firmen, die von dessen Zukunft überzeugt sind. Der globale Marktanteil von RISC-V unter den ISA (Instruction Set Architecture) ist mehreren Analysen zufolge bereits auf 25 Prozent gestiegen. Rund die Hälfte aller neuen Chips mit RISC-V-Architektur weltweit kommen aus China.
Plötzlich richtig populär?
Auf dem „RISC-V Summit“ in Santa Clara in Kalifornien Ende Oktober 2025 war die schnelle Ausbreitung der Technologie eines der meistdiskutierten Themen, wie EETimes berichtet.
Stand: 08.12.2025
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Auch dort wurde wahrgenommen, dass der offene Standard Vorteile für KI-Chips hat. „Die heterogene Natur von KI-Chips begünstigt RISC-V“, sagte Richard Wawrzyniak, ein Analyst der SHD Group, dem Bericht zufolge in Santa Clara. „System-on-Chips können sowohl RISC-V als auch andere ISA unterstützen, sodass KI-Anwendungen für jede Funktion den besten Kern auswählen können“, sagte Wawrzyniak. Ähnliche Argumente sind auch in China zu lesen.
Das Fazit: Während die KI-Adoption und der Boom in der E-Mobilität zu den größten Wachstumstreibern der chinesischen Halbleiterindustrie werden, sehen ihre Chip-Entwickler in RISC-V eine ihrer besten Chancen, die Chip-Sanktionen Washingtons zu entschärfen. (sb)