KI-Platzhirsch ausbooten Bytedance will angeblich bei Samsung selbst entwickelte KI-Chips produzieren

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Wieder droht Nvidia, einen Großkunden zu verlieren, weil der seine KI-Chips lieber selbst baut. Der chinesische Technologiekonzern Bytedance, das Mutterhaus von TikTok, entwickelt Medienberichten zufolge eigene GPUs. Schon im März 2026 soll die Produktion beginnen.

Bytedance hat unter anderem mit der App TikTok das Short-Video-Format populär gemacht. In vielen Produkten des Konzerns kommt KI zum Einsatz.(Bild:  Bytedance)
Bytedance hat unter anderem mit der App TikTok das Short-Video-Format populär gemacht. In vielen Produkten des Konzerns kommt KI zum Einsatz.
(Bild: Bytedance)

Bytedance, eigentlich Großkunde von Nvidia, möchte Berichten zufolge eigene KI-Chips bei Samsung produzieren lassen. Das öffentlich nicht bestätigte Projekt trägt innerhalb des Unternehmens den Codenamen „SeedChip“, berichtete Reuters. Die Nachrichtenagentur hatte zuerst in einem exklusiven Bericht von den jüngsten Chipplänen von Bytedance berichtet.

Der Schritt wäre nicht ungewöhnlich. Baidu und Alibaba, die zwei chinesischen Konkurrenten von Bytedance, entwickeln bereits seit Längerem eigene GPUs und Speicherchips. In den USA verfolgen Hyperscaler wie Google, Amazon und Microsoft dieselbe Strategie. Es geht den Unternehmen darum, die erheblichen Kosten für Halbleiter zu reduzieren. In China kommt außerdem die Angst vor den unberechenbaren Boykotten der US-Regierung hinzu, die Chips von Nvidia mal für China genehmigt, mal verbietet.

Teurer Standard

Noch immer gelten die KI-Chips von Nvidia und die dazugehörige CUDA-Software als der Goldstandard. Allerdings sind sie auch ähnlich teuer wie das Edelmetall. In der Branche in China gebe es seit Längerem das Gefühl, dass „man zu lange unter Nvidia gelitten habe“, schreibt das chinesische Technologieportal Kuai Keji.

Wie Reuters und mehrere chinesische Fachmedien berichten, geht Bytedance nun offenbar auch den Weg der vertikalen Integration und wandelt sich vom reinen Chip-Konsumenten zum Designer und Hersteller von Halbleitern. Das interne Team dafür soll bei Bytedance inzwischen auf 1.000 Mitarbeiter angewachsen sein, hieß es.

Die neue, von Reuters berichtete, Kooperation mit Samsung Electronics hätte für Bytedance den Vorteil, dass damit nicht nur KI-Chips, sondern die ebenfalls in großen Mengen benötigten Speicherchips beschafft werden könnten. Samsung biete eine „Komplettlösung für KI-Chips und High Bandwith Memory (HBM)“, werden Marktbeobachter zitiert.

Schon seit 2024 gibt es Berichte, dass Bytedance eigene Chips herstellen will. Damals war von einer Kooperation mit Broadcom die Rede. Die Chips sollten damals von TSMC produziert werden. Bytedance soll jetzt für das laufende Jahr mindestens 100.000 KI-Inferenzeinheiten in Auftrag gegeben haben. Für später soll angeblich eine Ausweitung der Chip-Produktion auf 350.000 Einheiten pro Jahr geplant sein.

Künstliche Intelligenz in sämtlichen Produkten

Das Unternehmen setzt stark auf KI-Anwendungen. TikTok heißt auf Chinesisch „Douyin“, und dessen Doubao-Chatbot ist eine der erfolgreichsten KI-Apps in der Volksrepublik. Auch ein KI-Modell zum Erstellen von Videos namens C-Dense 2.0 ist sehr beliebt. Für E-Commerce und Dienstleistungen für Unternehmen in der Cloud setzt Bytedance ebenfalls sehr stark auf die künstliche Intelligenz.

Entsprechend hoch sind die Ausgaben für die Beschaffung von Infrastruktur. Bis Ende vergangenen Jahres soll Bytedance den Berichten zufolge nahezu 120.000 KI-Beschleunigerkarten von Nvidia der Typen A100, A800 und H800 beschafft haben. Auch fast eine Million Chips der Sorten H20, L20 und L40 hat Bytedance in den USA gekauft.

Den inoffiziellen Meldungen zufolge soll Bytedance im laufenden Jahr Ausgaben von bis zu 160 Milliarden Yuan für KI planen, also umgerechnet knapp 20 Milliarden Euro. Davon soll angeblich ungefähr die Hälfte für die Finanzierung der eigenen Inhouse-Chip-Entwicklung eingesetzt werden.

Ergänzung statt Ersatz

Sollte sich Bytedance an den Strategien der anderen Technologiekonzerne orientieren, so dürfte es zumindest vorerst keinen kompletten Ersatz seiner Nvidia-Chips anstreben. Insider erwarten, dass es auch weiterhin Nvidia-Chips in der Entwicklung einsetzen wird. Für seine teuren Inferenz-Rechenleistungen könnte Bytedance aber zunehmend auf in China produzierte KI-Chips von Huawei oder Cambricon und später auch auf eigene, gemeinsam mit Samsung produzierte Halbleiter zugreifen. (sb)

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