Verschärfter Sparkurs Bosch plant Abbau von 5.550 weiteren Stellen

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Kürzlich wurden Meldungen von Kurzarbeit bekannt, doch die Planungen von Bosch gehen offenbar noch deutlich weiter: In den kommenden Jahren sollen rund 5.550 Stellen weltweit eingespart werden. Über zwei Drittel davon sollen in Deutschland zum Opfer fallen – etwa 3.800.

Bei Bosch kürzt man derzeit nicht nur Arbeitszeiten und entsprechend die Löhne, kam jetzt heraus. Nun stehen auch noch wesentlich mehr Arbeitsplätze auf der Kippe als zunächst angekündigt. Vor allem deutsche Standorte sind hierbei betroffen.(Bild:  clipdealer)
Bei Bosch kürzt man derzeit nicht nur Arbeitszeiten und entsprechend die Löhne, kam jetzt heraus. Nun stehen auch noch wesentlich mehr Arbeitsplätze auf der Kippe als zunächst angekündigt. Vor allem deutsche Standorte sind hierbei betroffen.
(Bild: clipdealer)

Bei den von Bosch genannten Zahlen handle es sich um Planungen. Genaueres sei erst ein Teil der Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern, die nun beginnen sollen. Man bemühe sich, den Abbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Es gilt demnach weiter die Mitte 2023 geschlossene Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen in der Zuliefersparte in Deutschland bis Ende 2027 ausschließt. In Teilen gilt das sogar bis Ende 2029. In dem Bereich arbeiteten Ende 2023 gut 72.000 der rund 134.000 Bosch-Mitarbeiter in Deutschland.

Von den aktuellen Plänen am stärksten betroffen ist der Geschäftsbereich Cross-Domain Computing Solutions, der zum Beispiel für Assistenzsysteme und automatisiertes Fahren zuständig ist. Bis Ende 2027 sollen dort weltweit 3.500 Stellen wegfallen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Dem Betriebsrat zufolge geht es um die Standorte Leonberg, Abstatt, Renningen und Schwieberdingen in Baden-Württemberg sowie Hildesheim in Niedersachsen. Darüber hinaus sollen im Werk Hildesheim, in dem Bosch Produkte für die Elektromobilität fertigt, bis 2032 insgesamt rund 750 Stellen wegfallen. Den Großteil davon (600 Stellen) will man bereits bis Ende 2026 wegfallen lassen.

Außerdem gebe es Sparpläne für die Sparte, die Lenksysteme für Autos und Lastwagen herstelle. Am diesem Standort (Schwäbisch Gmünd) sollen von 2027 bis 2030 maximal 1.300 Jobs abgebaut werden, was über ein Drittel der Beschäftigten dort betreffe. Die Ankündigung des Unternehmens, Personal in diesem Ausmaß zu reduzieren, ist für die Mitarbeiter ein Schlag ins Gesicht, teilte der Betriebsratschef der Zuliefersparte, Frank Sell, mit.

Bereits im Mai sei in vier verschiedenen Geschäftsbereichen ein Personalabbau von insgesamt rund 2.200 Stellen vereinbart worden. Der zusätzliche Personalabbau innerhalb kurzer Zeit lasse das Vertrauen in die Geschäftsführung schwinden und führe zu großer Verunsicherung.

Viele Bosch-Prognosen sind nicht eingetroffen

Der Zulieferer begründet die Sparpläne mit der Krise in der Autoindustrie. Die globale Fahrzeugproduktion wird in diesem Jahr bei rund 93 Millionen Einheiten stagnieren, wenn nicht sogar im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgehen, teilte Bosch mit. Im kommenden Jahr erwarte man allenfalls eine geringfügige Erholung. In der Branche gebe es erhebliche Überkapazitäten.

Auch der Wettbewerbs- und Preisdruck hat sich laut Bosch verschärft. Die Hersteller riefen zum Beispiel deutlich weniger Teile für Elektroautos ab, was in Hildesheim zu Personalüberhängen führe. Außerdem entwickle sich der Markt für Zukunftstechnologie anders als von Bosch erwartet. Die Fahrerassistenzsysteme und Produkte zum automatisierten Fahren würden ebenso nicht so stark nachgefragt wie prognostiziert. Aktuell werden viele derartige Projekte seitens der Hersteller zurückgestellt oder aufgegeben, hieß es. Und in Sachen Lenksysteme macht Bosch offensichtlich der verschärfte Wettbewerb zu schaffen.

Als Reaktion plant man nun, Funktionen zu bündeln und Kosten zu senken. Dazu sollen auch bestehende Werke im Ausland mit anderen Kostenstrukturen besser ausgelastet werden, um die Lenksysteme zu wettbewerbsfähigen Preisen international anbieten zu können.

Bosch-Chef Stefan Hartung verteidigte die Abbaupläne: „Wir stehen unter erheblichem Kostendruck und müssen unsere Strukturen nochmals überdenken, um unsere Kapazitäten auszulasten.“ 2024 ist Hartung zufolge schlechter gelaufen als erwartet. Er hatte jüngst angekündigt, dass Bosch seine wirtschaftlichen Ziele in diesem Jahr nicht erreichen wird. Bosch kürzte in den vergangenen Monaten auch bei zahlreichen Mitarbeitern die Arbeitszeit und das Gehalt entsprechend.

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