Antwort auf schwächelnde Autokonjunktur Bosch investiert 7,4 Milliarden Euro in den größten Zukauf seiner Geschichte

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Die Klimatechnik soll bei Bosch die schwächelnden Automotive- und Consumer-Märkte abfedern. Der Konzern rüstet sich damit für den globalen Wettbewerb und verdoppelt quasi über Nacht seine Heizungs- und Klimasparte.

Bosch will beim Heizen, Lüften und Kühlen deutlich schneller wachsen als der Markt(Bild:  Robert Bosch GmbH)
Bosch will beim Heizen, Lüften und Kühlen deutlich schneller wachsen als der Markt
(Bild: Robert Bosch GmbH)

Ein Jahr nach Unterzeichnung der Verträge hat Bosch den größten Zukauf seiner knapp 140-jährigen Unternehmensgeschichte nun vollzogen. Zum 31. Juli übernahm der Technologiekonzern das Heizungs-, Lüftungs- und Klimageschäft für Wohn- und kleinere Gewerbegebäude von Johnson Controls. Ebenfalls abgeschlossen wurde der Erwerb eines Joint Ventures für Klimaanlagenlösungen, das Johnson Controls gemeinsam mit dem japanischen Industriekonzern Hitachi betreibt. Der Preis für das Gesamtpaket liegt bei rund 7,4 Milliarden Euro.

Damals galt der Deal als strategisch riskant, aber notwendig, um nicht den Anschluss im globalen Wettbewerb zu verlieren. Denn bislang war Bosch im Heizungsmarkt vor allem in Europa aktiv. Mit dem Kauf öffnet sich die Tür nach Nordamerika und Asien und bringt gleich mehrere bekannte Marken ins Haus: darunter York und Hitachi.

Wachstum in Fernost und den USA

Die übernommenen Firmen werden in den Geschäftsbereich Home Comfort integriert, der von Wetzlar aus geführt wird. Dort sitzen bereits etablierte Bosch-Marken wie Buderus. Die Bosch-Tochter wächst damit auf über 25.000 Beschäftigte, mehr als acht Milliarden Euro Jahresumsatz, 33 Werke und 26 Entwicklungszentren weltweit. In den USA wird York zum zentralen Wachstumstreiber. In Asien verspricht man sich viel von den Vertriebskanälen und der Marktkenntnis von Hitachi.

Bosch-Chef Stefan Hartung spricht von einem historischen Schritt: „Bosch nutzt seine Chancen konsequent und steigt im Heizungs-, Lüftungs- und Klimalösungsgeschäft jetzt in die Champions League auf.“ Die Akquisition diene nicht nur der Expansion, sondern auch der strategischen Stabilisierung. In wirtschaftlich unruhigen Zeiten wolle man sich unabhängiger von einzelnen Branchenzyklen machen.

Integration bis 2027 geplant

Die Integration der Geschäftseinheiten soll bis 2027 abgeschlossen sein. Koordiniert wird sie vor allem von Europa aus, doch operative Impulse erwartet Bosch auch aus den neuen Märkten. Bosch verspricht sich dabei nicht nur Skaleneffekte in der Produktion, sondern auch Synergien bei Forschung, Entwicklung und Logistik. Schon heute testet der Konzern digitale Zwillinge, um Service und Wartung effizienter zu gestalten.

Zugleich will Bosch seine Position im schnell wachsenden Markt für Wärmepumpen weiter ausbauen. Der neue Verbund stärkt die globale Lieferkette und ermöglicht künftig mehr lokale Produktion, um auf geopolitische Risiken und Handelsbarrieren reagieren zu können.

Bosch geht davon aus, dass der Markt für Heizungs- und Klimalösungen weiter kräftig wächst. Nach eigenen Angaben lag das weltweite Volumen im vergangenen Jahr bei über 150 Milliarden Euro. Externe Marktanalysen, etwa von Research and Markets oder Statista, bestätigen eine ähnliche Größenordnung für den globalen HVAC-Markt, der je nach Segmentdefinition zwischen 140 und 160 Milliarden Euro geschätzt wird und wächst jährlich um mehr als fünf Prozent. Bosch strebt in diesem Segment ein überdurchschnittliches Wachstum an. Die Konzernführung sieht Wärmepumpen als Schlüsseltechnologie der Energiewende.

Breite Aufstellung ist derzeit eher ein Bremsklotz

Bosch ist zwar weiterhin der weltweit größte Autozulieferer, steht aber unter Druck. Die Nachfrage in der Fahrzeugproduktion sinkt, die Konsumlaune ist gedämpft, die Bauwirtschaft schwächelt. Die sonst als Stärke geltende breite Aufstellung des Konzerns wird damit zunehmend zur Herausforderung. Mit der Übernahme hofft Bosch, Schwächen im Automobil- und Baugeschäft abzufedern. (mc)

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