Ein Projekt kann nur dann Erfolg haben, wenn sich alle Parteien verstehen. Positionskämpfe führen meist nur zum Scheitern eines Projektes. Geben Sie jeder Meinung eine Chance!
Beim Verhandeln auf Augenhöhe sind beide Partner gleichberechtigt – es gibt weder Sieger noch Verlierer
Mit seinen Vorgesetzten auf Augenhöhe zu sprechen ist nicht immer einfach. Szene 1: „Aus, basta, so wirds gemacht!“ Der Macher redet nicht lange herum, sondern macht Menschen flott und sorgt dafür, dass „was geht“. Wirklich?
Szene 2: Der Projektmanager und der Experte aus dem Projektteam haben sich in einer „fachlichen“ Diskussion heillos festgebissen, und der Ton wird immer aggressiver. Sie kennen solche Szenen wahrscheinlich auch. Ist diese Art des Umgangs dem Projekterfolg förderlich? Es gibt bessere Alternativen. Sie haben damit bereits einen wichtigen Schritt hin zu alternativen Verhaltensmustern gemacht:
Wenn der Chef sagt, wo es langzugehen hat
Beim Verhandeln auf Augenhöhe sind beide Partner gleichberechtigt – es gibt weder Sieger noch Verlierer Schauen wir uns die Szenen etwas genauer an. Was könnte die Vorgeschichte von Szene 1 sein? Denkbar ist folgendes: Der Chef und Macher, nennen wir ihn Ludwig (sein Lieblingsspruch: „Le projet c‘est moi!“), 44 Jahre, hat ein Meeting einberufen. Vordergründig will er mit seinem Team die Vorgehensweise diskutieren, gegebenenfalls anpassen und beschließen. Tatsächlich weiß er schon genau, wie es laufen soll. Er will nur, dass die Anwesenden ehrfürchtig seiner Genialität huldigen und sein Opus brav abnicken.
Doch da wagt es tatsächlich ein Schlaumeier, offen Kritik zu üben, Einwände geltend zu machen und auch noch einen Gegenvorschlag aus dem Hut zu zaubern. Der Querulant ist ein selbstbewusster 29-jähriger Entwickler, nennen wir ihn David (sein Lieblingsspruch: „Wenn ich im Labor bin, mache ich eh was ich will!“).
Verschwendete Zeit – Macht- und Positionskämpfe
Die von David benutzte Einleitung „Das geht so nicht!“ lässt den Adrenalinspiegel Ludwigs schlagartig in die Höhe schnellen. An dieser Stelle könnte Szene 1 in 2 übergehen: Sowohl Ludwig als auch David heben verbale Schützengräben aus, verminen das Gelände mit kleinen Sticheleien und scharen ihre Verbündeten um sich.
Aus diesen Kampfpositionen werden dann munter die „Argumente“ abgeschossen. Vom kleineren Scharmützel („nach meiner über 20-jährigen Erfahrung“ contra „neue Technologien erfordern neue Methoden“) bis zu ausgewachsenen Schlachten („Sie verschwenden wertvolle Zeit durch ihre Sturheit!“ contra „Wozu haben Sie mich denn als Softwarearchitekten eingestellt, wenn Sie alles besser wissen?“) ist alles geboten.
Ludwig fürchtet um seine Autorität, denn er spürt, dass er auf der fachlichen Ebene nicht mithalten kann. Er holt deshalb zum entscheidenden Schlag aus: „Ich trage hier die Gesamtverantwortung, deshalb wird es so gemacht, wie ich es will. Wem das nicht passt, kann ja gehen.“.
Wenn die Vernunft verliert
Sicherlich läuft es nicht immer so krass, doch nicht selten siegt die mächtigere Position und nicht die Vernunft. Dabei handelt es sich jedoch in den meisten Fällen um einen Phyrrussieg, denn Besiegte geht dann in den Untergrund und verfolgen ihre Überzeugung („So geht das nicht!“) mit subtiler Guerillataktik.
Das müssen keine bewussten Sabotageakte sein. Unsere Psyche verfügt über viele unbewusste Strategien, um sich für die Attacken gegen unser Ego zu revanchieren: Konzentration auf Misserfolg, Demotivation, innere Kündigung, Dienst nach Vorschrift oder Krankheit.
Oder David schmeißt hin und kündigt. Der Macher verliert genau den, den er eigentlich für den Projekterfolg am notwendigsten braucht. Es lohnt sichf, über alternative Verhaltensmuster auf beiden Seiten nachzudenken.
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