Projektmanagement

Bleiben Sie auf Augenhöhe! – Wenn Positionskämpfe ein Projekt killen

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Hartnäckigkeit muss nicht immer von Vorteil sein

Kern des Problems sind sehr häufig zwei Verhaltensweisen:

  • 1. der Drang, die eigene Position durchzusetzen und
  • 2. die mangelnde Bereitschaft, die Motive anderer Menschen herauszufinden und zu respektieren.

In unserem Beispiel handelt Ludwig aus der Position „Ich bin der Boss und muss es deshalb besser wissen“ und David aus der Position „Ich bin der Experte und muss es deshalb besser wissen“. Doch die wahren Machtverhältnisse in Hightech-Unternehmen sind nicht so einfach verteilt wie in verstaubten feudalen Systemen, in denen oben die gebildete Führungselite anschaffte und unten das dumm gehaltene Fußvolk schuftete.

In modernen Unternehmen tun die Führungskräfte gut daran zu verstehen, dass es eine Macht der Experten gibt, ohne die sie selbst auf Dauer machtlos sind. Die Lösung liegt darin, die Position und die Bedürfnisse des anderen zu respektieren und die Einigung unter dem Dach eines gemeinsamen Interesses zu suchen. Wer sich so auf Augenhöhe begegnet, hat die besseren Erfolgschancen.

Der Projekterfolg soll das Ziel sein

Die Suche nach den Gemeinsamkeiten: Wenn beide Parteien an einem Seil ziehen, kommt es einfacher zu einer Lösung
Die Suche nach den Gemeinsamkeiten: Wenn beide Parteien an einem Seil ziehen, kommt es einfacher zu einer Lösung
Wie wären wohl die Szenen verlaufen, wenn Ludwig und David das gemeinsame Interesse – den Projekterfolg – in den Fokus ihrer Diskussion gestellt und gleichzeitig ihre jeweiligen Positionen und Bedürfnisse respektiert hätten?

David formuliert seine Vorschläge als Anmerkung oder Ergänzung ohne den Anspruch auf die bessere Lösung, um seinen Chef nicht zu brüskieren. Ludwigs Bedürfnis nach Anerkennung seiner Autorität ist damit Rechnung getragen. Ludwig hört David ruhig zu, bedankt sich für den Vorschlag und würdigt damit Davids Position als Experte.

Ideen kombinieren – So klappt es mit dem Chef

Dann hätte das Team gemeinsam das Für und Wider der Lösungsentwürfe besprochen und die Ideen kombiniert. Das Ergebnis ist dann unabhängig davon, welchem Lösungsansatz es näher kommt, eine gemeinsame Lösung. Ludwig wird schließlich verkünden: „Gut Leute, so machen wirs. Danke für die fruchtbare Diskussion.“

Er bleibt Entscheider und Macher. Der Charme dieses alternativen Szenarios liegt auf der Hand. Keiner verliert sein Gesicht, und die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass sich nicht nur eine bessere Lösung findet, sondern auch jeder den gefundenen Konsens aktiv mitträgt.

Quellenverzeichnis:

Fisher, Roger/William Ury/Bruce Patton: Das Harvardkonzept, Campus Verlag, Frankfurt, 2006

Matthias Schranner, Verhandeln im Grenzbereich, Econ Verlag 2010

Peter Siwon, Die menschliche Seite des Projekterfolgs, dpunkt.verlag, 2010

Prior, Manfred: MinMax-Interventionen, Carl-Auer Verlag, Heidelberg, 2009

Vera F. Birkenbihl, Psycho-Logisch richtig verhandeln, mvgverlag 2011

Foto: Elisabeth Wiesner, Fotoart Regensburg

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