Bertelsmann-Studie

Beim Glasfaser-Ausbau agiert Deutschland kopflos

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Deutscher Sonderweg mit Vectoring behindert Glasfaser-Ausbau

Ursache für das Hinterherhinken Deutschlands sind insbesondere unambitionierte nationale Ziele. Die Europäische Union will bis 2020 jeden zweiten Verbraucher mit 100 Mbit/s schnellen Leitungen versorgen. Deutschland hat als Ziel lediglich 50 Mbit/s ausgegeben. Da 50 Mbit/s im Idealfall auch mit VDSL-Vectoring erreicht werden können, müssen die Netzbetreiber nicht prioritär in Glasfasernetze investieren.

Sie können bestehende Kupferleitungen weiter nutzen und müssen nur die Zuführungsstrecken aufrüsten. Ob es sich bei Vectoring um eine gerechtfertigte oder unnötige Brückentechnologie handelt, ist dabei umstritten. „Im Ergebnis führt die Genehmigung der Vectoring-Strategie aber zu einem deutschen Sonderweg und verhindert einen konsequenten Glasfaser-Ausbau“, bemängelt Kirsten Witte, Kommunalexpertin der Bertelsmann-Stiftung.

Ausländische Beispiele zeigen, wie es besser geht: In Estland und Schweden kümmern sich kommunale Versorger um den Glasfaseranschluss ihrer Bürger. Dabei wurde der Gedanke einer Daseinsvorsorge, ähnlich wie bei Energie und Wasser, auf den Breitbandanschluss übertragen. Die Schweiz hat Runde Tische eingerichtet, an denen unter staatlicher Moderation der Ausbau der Glasfasernetze koordiniert wird.

Forderung: Staat muss alle TK-Dienstleister und Netzbetreiber an einen Tisch bringen

Vielfach werden Glasfasernetze nach dem Open-Access-Network-Ansatz aufgebaut, das heißt das Netz wird in kommunaler Regie aufgebaut und dann von verschiedenen Anbietern gegen Entgelt genutzt. Weil keine kurzfristigen Profite erwirtschaftet werden müssen, entsteht Wettbewerb auf der Dienste-Ebene, während auf der Infrastrukturebene langfristig geplant werden kann.

Die Forscher des Karlsruher Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) sehen Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen: Neben ambitionierteren nationalen Zielen sollten die aktuellen Ausbauaktivitäten besser koordiniert werden.

Der Staat müsse alle Telekommunikationsdienstleister und Netzbetreiber an einen Tisch bringen. Ziel müsse es sein, Doppelverlegungen zu vermeiden und alle Regionen mit Glasfaser zu erschließen, auch die ländlichen Gebiete.

Eine große Chance sehen die Autoren der Studie auch in einer engeren Einbindung von Ländern und Kommunen und im Ausbau der Netze durch städtische Versorgungsbetriebe. "Allein schon die lokale Wirtschaftsförderung müsste daran ein herausragendes Interesse haben: Denn schnelles Internet ist für Firmen und Bürger ein entscheidender Standortfaktor", sagt Bernd Beckert, Koordinator der Studie beim Fraunhofer ISI.

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