Autonome Taxis in San Francisco Aufstand gegen das Robotaxi

Von Susanne Braun 2 min Lesedauer

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Autonomes Fahren im normalen Straßenverkehr ist umstritten. Insbesondere moralische und ethische Entscheidungen, die der Fahrzeugcomputer in unvorhersehbaren Situationen treffen muss, werden kritisch hinterfragt. San Francisco dient derzeit als Testgebiet für die autonomen Taxis von Waymo und Cruise. Das trifft nicht auf Zustimmung aus der Bevölkerung, wie ein aktueller Vorfall zeigt.

Waymos autonom betreibbarer Jaguar I-PACE mit Fahrer in San Francisco.(Bild:  mp.curtet.1)
Waymos autonom betreibbarer Jaguar I-PACE mit Fahrer in San Francisco.
(Bild: mp.curtet.1)

Die Vision des autonomen Fahrens ist keine Entwicklung der jüngsten Zeit. Bereits in den 1920er-Jahren gab es futuristische Vorstellungen von selbstfahrenden Fahrzeugen. Konkrete Forschungen und Entwicklungen im Bereich des autonomen Fahrens begannen jedoch erst in den späten 20. und frühen 21. Jahrhunderten. In den vergangenen Jahrzehnten haben Fortschritte in der künstlichen Intelligenz, Sensorik, Fahrzeugtechnik und Computerleistung dazu beigetragen, dass autonome Fahrzeuge heute Realität werden könnten.

Wie diese Realität aussehen könnte, wird seit Sommer 2023 im Stadtgebiet von San Francisco ausprobiert, denn seither dürfen die autonomen Taxis der GM-Tochter Cruise und der Google-Tochter Waymo im Stadtverkehr fahren. Wobei: Die Fahrzeuge von Cruise durften rollen.

Im Oktober 2023 wurde die vergebene Lizenz durch die Kfz-Zulassungsstelle Kalifornien entzogen, weil es zu einem Unfall mit Personenschaden gekommen war. Das Cruise-Taxi hatte zwar kein Verschulden an dem Unfall. Eine Frau war von einem anderen Auto mit Fahrer vor das Taxi gestoßen worden. Das autonome Cruise-Auto, das nicht schnell genug bremsen konnte, klemmte die Frau ein und schleifte sie mehrere Meter mit.

Die Freigabe des Testgebiets durch eine kalifornische Aufsichtsbehörde stieß bei der Stadtverwaltung von San Francisco und auch in der Bevölkerung auf Widerstand, teilweise sehr destruktiven Widerstand, wie ein Vorfall vom vergangenen Wochenende zeigt.

Waymo-Robotaxi in Brand gesteckt

Den Berichten zufolge (via Spiegel)stand ein autonomes Taxi von Waymo am Abend des 10. Februar 2024 zu den Festivitäten zum chinesischen Neujahr in Chinatown in San Francisco auf der von Menschen blockierten Straße. Zunächst sollen die Scheiben des Wagens von zehn bis 15 Menschen eingeschlagen worden sein, die es umringt hatten. Anschließend wurde es mithilfe eines Feuerwerkskörpers in Brand gesteckt. In dem Fahrzeug befand sich zu diesem Zeitpunkt niemand; die Polizei untersucht den Vorfall von Brandstiftung.

Die autonomen Fahrzeuge sind in der Stadt nicht gerne gesehen, etwa weil ihnen nachgesagt wird, dass sie den Verkehr blockieren und weil sie primär in jüngerer Zeit in Unfälle verwickelt waren. Dennoch ist der Vorfall kritisch zu sehen. „Es war ein gefährlicher und zerstörerischer Akt von Vandalismus“, sagte Bürgermeister London Breed (via CBS News). „Chinatown ist eines der dichtesten Viertel in San Francisco, und ein Feuer könnte explodieren und sich unter eng beieinander stehenden Gebäuden ausbreiten, um Leben, Wohnungen und Unternehmen zu gefährden. Es war eine inakzeptable Handlung, die in unserer Stadt keinen Platz hat, und wir werden daran arbeiten, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“

Autonomes Fahren ist aus vielen Gründen umstritten. Einerseits besteht Unsicherheit bezüglich der Sicherheit autonomer Fahrzeuge, da befürchtet wird, dass sie unvorhergesehene Situationen nicht angemessen bewältigen. Dies wirft Haftungsfragen auf und führt zu ethischen Diskussionen über das Verhalten der Fahrzeuge in Notfällen. Ebenso stehen Befürchtungen wie Arbeitsplatzverluste und zum Datenschutz im Raum. Trotz der potenziellen Vorteile bleiben diese Bedenken und rechtlichen Herausforderungen ein zentrales Thema bei der Diskussion über die Einführung autonomer Fahrzeuge. Was sich jedoch festhalten lässt, ist, dass die Lösung der Probleme nicht im Vandalismus liegt. (sb)

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