Oszilloskop Auf Anstiegszeiten achten

Redakteur: Sabine Grothe

Es gibt zwei Parameter, um jene Bandbreite von Oszilloskopen zu bestimmen, die für Messungen an seriellen Datensignalen nötig ist: die Bitrate der seriellen Signale oder deren Anstiegszeit. Im...

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Es gibt zwei Parameter, um jene Bandbreite von Oszilloskopen zu bestimmen, die für Messungen an seriellen Datensignalen nötig ist: die Bitrate der seriellen Signale oder deren Anstiegszeit. Im Klartext bedeutet dies, der Messtechniker muss genau prüfen, wie die Bandbreite Form und Qualität eines Augendiagramms beeinflussen wird. Seine Messaufgabe kann er mit einem Echtzeitoszilloskop erledigen, aber auch mit einem Sampling-Gerät, denn erstmals gibt es Sampling-Oszilloskope, die selbst Jitter-Analysen unterstützen.

Will ein Messtechniker mit einem Oszilloskop serielle Daten-signale messen, steht er vor der Frage, wie hoch die Bandbreite seines Messinstruments für Messungen dieser Art sein muss. Die Antwort darauf ist nicht einfach. Aus Bequemlichkeit wird er häufig nach einem Gerät mit möglichst hoher Bandbreite greifen.Die höchste Bandbreite besitzen traditionell Sampling-Oszilloskope. Diese Geräte sind unübertroffen in der exakten Darstellung von Augendiagrammen. Ihr Nachteil: Sie verfügten bisher über wenig Messmöglichkeiten oder unterstützten keine Jitter-Analyse.Sampling-Oszilloskope bis 100 GHzFalls der Messtechniker diese Einschränkungen nicht in Kauf nehmen möchte, entscheidet er sich für ein Echtzeitoszilloskop mit der höchsten Bandbreite am Markt. Schnell wird er dabei feststellen, dass Bandbreitenunterschiede dieser Klasse in der Praxis keine ernste Rolle spielen. Gerätehersteller wie Agilent, LeCroy und Tektronix liefern Modelle mit 11, 12 und 13 GHz Bandbreite. Einige Instru-mente bringen es derzeit sogar auf 15 GHz. Möglich machen dies entsprechende Softwareoptionen, die die Bandbreite mittels Digital Signal Processing (DSP) erhöhen. Nachteil hier: Diese Geräte sind keineswegs preiswert. So kostet 1 GHz Bandbreite in einem Highend-Oszilloskop umgerechnet etwa 9000 € - unabhängig davon, ob es sich um die echte Bandbreite handelt oder um eine, die durch DSP erzielt wurde.Im Allgemeinen kann man anhand von zwei Parametern die erforderliche Bandbreite bestimmen. Ein Parameter ist die Anstiegszeit, der andere die Bitrate der seriellen Datensignale. Mit Blick auf die Anstiegszeit kann der Messtechniker den Messfehler der Anstiegszeit als Funktion für die Signalanstiegszeit bei verschiedenen Bandbreiten berechnen. Er wird dabei jedoch feststellen, dass zur genauen Messung der Anstiegszeit viel höhere Bandbreiten notwendig sind, als jene, die bei den aktuellen Echtzeitoszillos-kopen derzeit tatsächlich erhältlich sind. Einen Ausweg liefert hier ein Sampling-Oszilloskop - z.B. die Reihe Wave-Expert von LeCroy mit einer Bandbreite bis 100 GHz. Erst kürzlich hat der Hersteller diese Serie vorgestellt (siehe ELEKTRONIKPRAXIS, Sonderheft „Messtechnik & Testen“ 7/2005 und den Kasten auf der nächsten Seite). Die Oszilloskope erlauben erstmals umfangreiche Analysen, Jitter-Messungen und einen Speicher bis 512 Mio. Punkte.Hinsichtlich der Bitrate nimmt man an, dass die Oszilloskopbandbreite mindestens doppelt so hoch sein soll wie die Bitrate des seriellen Datensignals. In Datenblättern ist sie mitunter mit dem Faktor 1,8 angegeben - vor dem Hintergrund, dass Echtzeitoszilloskope mit hoher Bandbreite einen stark abfallenden Frequenzgang zeigen, sobald sie die Grenzbandbreite erreicht haben.Bitrate nutzt zufälliges BitmusterDieser Parameter stützt sich auf die Annahme eines zufälligen Bitmusters, das durch einen Kanal mit begrenzter Bandbreite läuft. Eine begrenzte Kanalbandbreite verringert die Anstiegszeit und damit auch die Leistung in den höheren Harmonischen im Signal. Besitzt das serielle Datensignal relativ gesehen zur Grundfrequenz bei halber Bitrate wenig Leistung in den höheren Harmonischen, reicht es, die ersten beiden Harmonischen im Leistungsspektrum zu erfassen, um das Signal adäquat zu erfassen und entsprechende Augendiagramme mit geringen Verzerrungen darzustellen.Die ersten beiden Harmonischen werden erfasstDie Voraussetzung „Bandbreite doppelt so hoch wie Bitrate“ in Bezug auf Oszillos-kopbandbreite und Bitrate hält einer genaueren Prüfung stand, denn serielle Datensignale verfügen über Anstiegszeiten von 25% des Unit-Intervalls. Dies entspricht einer Bandbreite von etwa der doppelten Bitrate. Zu berücksichtigen ist, dass Signale häufig über einfache Materialien in Schaltungen laufen, die aufgrund des Skin-Effektes und dielektrischer Verluste die Bandbreite einschränken.Gültigkeit erhält dieser Parameter im Hinblick auf eine reduzierte Anstiegszeit und die Deformierung des Auges. Um diese Effekte zu quantifizieren, ist es sinnvoll, die spektrale Leistungsdichte des seriellen Datenstandards zu untersuchen. Bezogen auf die aktuellen Standards Serial ATA (SATA), Serial Attached SCSI (SAS) und PCI Express, zeigt sich, dass ein Oszilloskop mit mindes-tens 10 GHz Bandbreite immer die ersten beiden Harmonischen des Leistungsdichtespektrums erfasst. Die 3. Harmonische beträgt bestmöglich -20 dB bzw. stellt sie eine Harmonische von etwa 10% dar. Darüber hinaus kann der Messtechniker die Auswirkungen der Oszilloskopbandbreite in Bezug auf Serial Data Bit Rate und Anstiegszeit simulieren. Entsprechende Simulationswerkzeuge auf Softwarebasis bietet z.B. ebenfalls LeCroy.

Peter J. Pupalaikis

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