Emergency Landing Assistant Assistenzsystem sucht optimalen Notlandeplatz bei Triebwerksausfall
Totaler Triebwerksausfall im Flugzeug: Innerhalb kürzester Zeit müssen die Piloten über einen möglichen Notlandeplatz entscheiden und dabei Parameter wie Flughöhe, Sinkgeschwindigkeit und Entfernung zum nächsten Flughafen berücksichtigen. Die Fernuniversität Hagen hat nun den Emergency-Landing-Assistant (ELA) entwickelt.
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Eine am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der Fernuniversität in Hagen entwickelte Lösung kann das Fliegen sicherer machen: Ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen.
Rückblick: Der 15. Januar 2009 war der Tag, an dem Chesley B. Sullenberger weltberühmt wurde: Dem Flugkapitän gelang nach einem Gleitflug mit seinem Airbus A320 eine Notwasserung auf dem Hudson River, nachdem über New York durch Vogelschlag beide Triebwerke ausgefallen waren. Alle 155 Menschen an Bord wurden gerettet.
Eine wichtige Hilfe bei diesem Horrorflug hätte ein Flugassistenzsystem sein können, das Piloten bei einem totalen Triebwerksausfall dabei unterstützt, sicher notzulanden. Der am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der Fernuniversität in Hagen entwickelte Emergency Landing Assistant bietet eine Entscheidungs- und eine Navigationshilfe, um das Flugzeug im Gleitflug genau an den Anfang eines Bereiches zu steuern, wo eine sichere Notlandung möglich ist.
Jedes Flugzeug kann ohne Triebwerke im Gleitflug weiterfliegen. Das Problem ist zunächst, zu entscheiden, wo im Notfall der beste Landeplatz ist. Hierbei unterstützt eine von Prof. Wolfram Schiffmann selbst entwickelte Datenbank den Piloten. Sie sucht dabei ständig Alternativen.
Zudem berechnet ELA – der im Rahmen einer Bachelor-Arbeit des Fernuni-Studenten Jürgen Vörding als App für ein Android-Tablet entwickelt wurde – den optimalen Energieeinsatz: Beim Gleitflug geht es nicht nur um die Entfernung, sondern auch um Flughöhe, Sinkgeschwindigkeit und Landewinkel. Wegen der vielen zu berücksichtigenden Parameter seien die Berechnungen höchst komplex, so Schiffmann.
Wie wichtig die Unterstützung bei der Entscheidung für einen Notlandeplatz ist, zeigten die Untersuchungen nach dem 15. Januar 2009: „Sullenberger entschloss sich binnen Sekunden für die Notwasserung. Er konnte den Hudson sehen, als die Triebwerke ausfielen. In seiner Situation eine absolut richtige Entscheidung!", bilanziert Schiffmann.
Später habe sich jedoch ergeben, dass auch die Rückkehr zum Flughafen LaGuardia in New York möglich gewesen wäre. Doch dafür fehlten Sullenberger die Informationen. Die Simulationen hätten gezeigt, dass er dorthin gekommen wäre:.ELA hätte ihm LaGuardia als sichersten Notlandeplatz vorgeschlagen und ihn dorthin navigiert.
Das Navigationssystem kann sogar mit dem Autopiloten verbunden werden, dadurch hätte der Pilot nach der Entscheidung für das neue Ziel zum Beispiel mehr Zeit für die Kommunikation mit der Flugsicherung. Die Landung führt der Pilot aber wieder selbst durch.
Grundsätzlich eignet sich das System über den Einsatz in Verkehrsmaschinen hinaus auch für kleinere Typen bis hin zu Ultraleichtflugzeugen. Vorgestellt wird das Assistenzsystem von Prof. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt (AERO) vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.
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