136-Core-Prozessor für Rechenzentrums-KI Arm präsentiert ersten selbst produzierten KI-Prozessor

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Mit dem AGI CPU verlässt Arm das reine IP-Lizenzmodell und steigt in den Verkauf eigener Chips für Rechenzentren ein. Der 136-Core-Prozessor zielt auf KI-Infrastrukturen für agentische Systeme.

Mit der AGI-CPU wagt Arm nach eigenen Angaben einen "historischen Schritt": Das Unternehmen präsentiert sich mit dem auf KI in Rechenzentren abzielenden Prozesser erstmals als Anbieter eigener Chips, nicht nur als reiner IP-Lizenzgeber.(Bild:  Arm)
Mit der AGI-CPU wagt Arm nach eigenen Angaben einen "historischen Schritt": Das Unternehmen präsentiert sich mit dem auf KI in Rechenzentren abzielenden Prozesser erstmals als Anbieter eigener Chips, nicht nur als reiner IP-Lizenzgeber.
(Bild: Arm)

Arm hat mit dem AGI CPU erstmals einen eigenen Prozessor für Rechenzentren vorgestellt und damit einen strategischen Kurswechsel eingeleitet. Bislang war das Unternehmen vor allem als Anbieter von Chipdesigns und Architektur-IP aktiv, die Partner wie Qualcomm, Nvidia oder andere Hersteller lizenzieren.

Der angekündigte Prozessor ist auf den Einsatz in KI-Infrastrukturen ausgelegt, insbesondere für sogenannte agentische Systeme. Gemeint sind Anwendungen, die Aufgaben weitgehend eigenständig ausführen, Code schreiben oder Abläufe koordinieren und dafür mehr allgemeine Rechenleistung neben Beschleunigern benötigen.

Nach Angaben von Arm übernimmt der CPU in solchen Umgebungen vor allem Orchestrierungsaufgaben. Er soll Datenbewegungen steuern, Beschleuniger anbinden und den allgemeinen Compute-Bedarf abdecken, während das eigentliche Training oder die Inferenz weiterhin überwiegend auf GPUs oder spezialisierten AI-Bausteinen läuft.

Mit diesem Schritt erweitert Arm sein bisheriges Geschäftsmodell um eine dritte Säule. Neben der klassischen IP-Lizenzierung und den Compute-Subsystem-Angeboten verkauft das Unternehmen nun auch fertiges Silizium, das Kunden direkt in ihre Infrastruktur integrieren können.

Vom reinen IP-Anbieter zum Chiplieferanten

Technisch basiert der AGI CPU auf bis zu 136 Neoverse-V3-Kernen. Der Prozessor wird bei TSMC im 3-Nanometer-Verfahren gefertigt, besteht aus zwei Dies und ist für eine Leistungsaufnahme von 300 Watt ausgelegt. Die Taktfrequenz liegt bei bis zu 3,7 GHz, der Basistakt bei 3,2 GHz.

Zur Speicheranbindung setzt Arm auf zwölf DDR5-Kanäle mit Datenraten von bis zu 8800 MT/s. Hinzu kommen 96 PCIe-6.0-Lanes sowie Unterstützung für CXL 3.0. Auffällig ist, dass Arm auf zusätzliche Beschleunigerfunktionen im Chip verzichtet und stattdessen ein auf die Ziel-Workloads zugeschnittenes CPU-Design in den Vordergrund stellt.

Auch bei den Systemkonfigurationen zielt Arm auf hohe Packungsdichte. Genannt werden unter anderem luftgekühlte 36-kW-Racks mit 30 Blades und insgesamt 8.160 Kernen sowie flüssigkeitsgekühlte 200-kW-Konfigurationen mit mehr als 45.000 Kernen. Damit positioniert sich das Unternehmen für großskalige AI- und Rechenzentrumsumgebungen.

Lead-Partner des Projekts ist der Facebook-Konzern Meta, das den Prozessor laut Arm noch in diesem Jahr in größerem Umfang einsetzen will. Beide Unternehmen haben nach Unternehmensangaben gemeinsam am Design gearbeitet. Meta plant den Einsatz in Kombination mit eigenen Beschleunigern.

Hohe Wachstumsziele angestrebt

Zu den frühen Kunden und Partnern zählen nach Angaben von Arm außerdem OpenAI, Cloudflare, SAP, SK Telecom, Cerebras, F5, Lenovo, Quanta und weitere Unternehmen. Arm sieht den Einsatzbereich nicht nur bei agentischen AI-Workloads, sondern auch als Steuer- und Head-Node für Beschleuniger sowie in klassischen Infrastrukturaufgaben etwa für Netzwerk- oder Storage-Workloads.

Für Arm ist der Markteintritt mit eigenem Silizium auch finanziell ambitioniert. CEO Rene Haas bezifferte das mittelfristige Umsatzpotenzial des neuen Prozessors auf rund 15 Milliarden US-Dollar pro Jahr innerhalb von etwa fünf Jahren. Parallel soll auch das angestammte IP-Geschäft weiter wachsen.

Damit versucht Arm, vom Ausbau der AI-Infrastruktur auf mehreren Ebenen zu profitieren. Das Unternehmen will nicht nur an der Lizenzierung künftiger Designs verdienen, sondern auch direkt am Verkauf von Prozessoren und kompletten Systemplattformen partizipieren.

Ob dieser Schritt langfristig Spannungen mit bestehenden Partnern erzeugt, bleibt offen. Denn Arm tritt mit dem AGI CPU nun stärker in Märkte ein, in denen bereits Kunden und Lizenznehmer des Unternehmens mit eigenen Serverprozessoren aktiv sind.

Kurzfristig ist der AGI CPU vor allem als Signal zu verstehen: Arm will sich im Rechenzentrum nicht mehr nur als Technologiegeber positionieren, sondern als eigenständiger Anbieter von Produkten für AI-Infrastrukturen. Für die Chipindustrie ist das ein relevanter Strategiewechsel mit möglicher Wirkung auf Rollenverteilung, Partnerschaften und Wettbewerb im Datacenter-Markt.(sg)

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