4.400 Batteriemodule Alte Porsche Taycan-Batterien liefern Energie fürs Werk

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 3 min Lesedauer

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Batterien aus Vorserien- und Werksfahrzeugen werden im Porsche-Werk Leipzig neues Leben eingehaucht. 4.400 Batteriemodule sorgen in einem Verbund zum stationären Stromspeicher nun dafür, dass genügend Energie in der Produktion bereit steht.

Batteriespeicher aufgebaut aus gebrauchten Batterien von Taycan-Entwicklungs- und Werkfahrzeugen.(Bild:  Porsche AG)
Batteriespeicher aufgebaut aus gebrauchten Batterien von Taycan-Entwicklungs- und Werkfahrzeugen.
(Bild: Porsche AG)

Je nach Ausstattung kommt der Porsche Taycan bis zu 484 km weit. In der Batterie steckt also genug elektrische Energie. 93,4 kWh um genau zu sein. Es gibt bereits einige Konzepte, welche die Batterien von Elektroautos weiter nutzen. So sind beispielsweise bei Konzerten von Coldplay alte Batterien aus dem BMW i3 im Einsatz. Doch was für Veranstaltungen geht, funktioniert auch in Fabriken.

Da sich die Hochvolt-Batterien noch nicht vollständig recyclen lassen, ist eine weitere Nutzung der beste Weg, um ressourcenschonend an Puffer für erneuerbare Energien zu kommen. Genau deshalb gibt es jetzt auf dem Gelände des Werks Leipzig vier Container, welche mit 4.400 Batteriemodulen gefüllt sind. Das ergibt eine Kapazität von 10 Megawattstunden. Die Gesamtleistung beträgt 5 Megawatt. Die Batterien müssen für den Einbau nicht extra modifiziert werden.

„Das Projekt zeigt sinnbildlich, wie wir Ressourcen nachhaltig einsetzen und diesen Einsatz mit unternehmerischer Effizienz verbinden können“, sagt Albrecht Reimold, Vorstand Produktion und Logistik der Porsche AG.

Natürlich ist dies kein Einzelfall. Das Unternehmen Fenecon hat sich bereits darauf spezialisiert, Batterien aus Elektrofahrzeugen für die Industrie aufzubereiten. In der CarBatteryReFactory, welche am 27. März 2024 eröffnet wurde, entstehen solche Anlagen bereits heute.

Die wichtigsten Speichertechnologien im Überblick:

  • Lithium-Ionen-Batterien speichern Energie durch chemische Reaktionen innerhalb der Zellen. Beim Laden bewegen sich Lithium-Ionen von der positiven zur negativen Elektrode durch einen Elektrolyten. Beim Entladen kehren die Ionen zurück, was elektrischen Strom erzeugt.
  • Pumpspeicherkraftwerke nutzen überschüssigen Strom, um Wasser in ein höher gelegenes Becken zu pumpen. Bei Bedarf wird das Wasser abgelassen und treibt Turbinen an, die Strom erzeugen.
  • Redox-Flow-Batterien verwenden zwei Flüssigkeiten, die in getrennten Tanks gespeichert sind und in einer Zelle durch eine Membran fließen, um Elektronen auszutauschen und so Strom zu speichern oder abzugeben.

Die Anlage mit den vier Containern von oben.(Bild:  Porsche AG)
Die Anlage mit den vier Containern von oben.
(Bild: Porsche AG)

Der Stromspeicher im Werk Leipzig bekommt bis zum Jahresende noch weitere Aufgaben. Er wird eine wichtige Funktion auf dem Energiemarkt übernehmen. Bis zum Jahresende soll der stationäre Batteriespeicher dort vollständig in den Regelenergiemarkt integriert werden. Das bedeutet, dass er neben dem Peakshaving auch als Netzstabilisator für die vorgelagerten Verteilnetze dient. Da Porsche bereits auf den Produktionshallen eine Photovoltaikanlage mit 9,4 Megawatt betreibt, ist die Stabilisierung daher der wichtigste Faktor.

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Da der Anteil an erneuerbaren Energien im deutschen Stromnetz immer weiter steigt, sind Batteriespeicher enorm wichtig. Dabei ist ebenfalls der Standort entscheidend. Die Nähe zu den erneuerbaren Energiequellen wie Wind- und Solaranlagen muss dabei genauso gewährleistet sein, wie die Anbindung an das Stromnetz. Natürlich spielen auch Sicherheitsaspekte wie Brandschutz, Überhitzungsschutz und allgemeine Betriebssicherheit eine Rolle. Diese Aspekte müssen von Anfang an berücksichtigt und in die Planung integriert werden.

Da Lithium-Ionen-Batterien doch deutlich teurer als andere Speichertechnologien sind, ist die Nutzung von ausgedienten Batterien aus Elektrofahrzeugen ein sehr guter Ansatz. Es entfällt nicht nur das Recycling der alten Zellen, sondern auch die Produktion von neuen. Somit werden nicht nur Rohstoffe geschont, sondern auch CO2 eingespart. (mr)

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