Die Halbleiterindustrie steht vor einem Paradigmenwechsel: Miniaturisierung, neue Materialien wie GaN und SiC sowie der wachsende Bedarf an Automatisierung treiben die Innovationen in der Fertigung voran. Wolfgang Bonatz, Geschäftsführer von Accretech Europe, spricht im Interview über die Herausforderungen dieser dynamischen Branche.
(Bild: Accretech (Europe) GmbH)
ELEKTRONIKPRAXIS: Welche spezifischen Herausforderungen und Chancen sehen Sie im Markt der Halbleiterfertigung, und wie möchten Sie sich dort positionieren?
Wolfgang Bonatz: Der Halbleitermarkt ist von schnellen Innovationszyklen und höchsten Qualitätsanforderungen geprägt. Die größte Herausforderung besteht darin, technologische Fortschritte – insbesondere die Miniaturisierung und der Einsatz neuer Materialien – in hochpräzise und effiziente Produktionsprozesse zu integrieren. Es ist spannend, gemeinsam mit unserem Team Lösungen zu entwickeln, die diese Komplexität meistern. Durch unsere Expertise sowohl in der Messtechnik und als auch in der Halbleiterfertigung nehmen wir eine führende Rolle im Markt ein. Unsere klare Positionierung basiert auf der kontinuierlichen Weiterentwicklung innovativer Fertigungssysteme und einer engen Zusammenarbeit mit unseren Kunden, um maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. Besonders stolz bin ich auf unseren exzellenten After-Sales-Service, der von unseren Kunden sehr geschätzt wird und ein Alleinstellungsmerkmal für Accretech darstellt.
Wie beeinflusst der schnelle Fortschritt in der Halbleitertechnologie – insbesondere bei neuen Materialien wie GaN oder SiC – Ihre Produktentwicklung und Strategie?
Neue Materialien wie GaN und SiC bieten enorme Vorteile in Bezug auf Energieeffizienz und Leistung, stellen jedoch gleichzeitig hohe Anforderungen an die Fertigungstechnologie. Unsere Maschinen zur mechanischen Oberflächenbearbeitung, wie CMP-Systeme und High-Rigid-Grinder, sind speziell auf diese extrem harten Materialien optimiert. Unsere Strategie beinhaltet die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Produktlinie, um sicherzustellen, dass unsere Technologien immer den Herausforderungen der Materialbearbeitung gerecht werden. Ein konkretes Beispiel ist ein Kunde aus der Leistungshalbleiter-Branche, der dank unserer Lösungen die Bearbeitungszeit seiner GaN-Wafer um 15 Prozent reduzieren konnte – bei gleichzeitigem Rückgang der Fehlerquote. Solche Erfolge motivieren mich und mein Team jeden Tag aufs Neue.
Welche neuen Technologien setzen Sie ein, um Ihre Maschinen und Messsysteme noch genauer und schneller zu machen?
Wir kombinieren fortschrittliche Sensorik, optische Messmethoden und hochpräzise mechanische Systeme, um unsere Maschinen und Messsysteme noch genauer und schneller zu machen. Besonders spannend finde ich den Einsatz von Echtzeitdatenanalysen, die es unseren Maschinen ermöglichen, sofort auf Veränderungen zu reagieren und somit präzisere und schnellere Ergebnisse zu liefern. Unsere Vision ist es, technologische Trends aktiv zu gestalten und kontinuierlich neue, wegweisende Technologien zu entwickeln, die den Markt positiv beeinflussen.
Nutzen Sie KI- oder Machine-Learning-Ansätze in Ihren Messsystemen und Maschinen? Wenn ja, wie verändern diese Technologien die Analyse- und Optimierungsmöglichkeiten für Ihre Kunden?
Wir setzen KI vor allem in der internen Datenanalyse und Prozessoptimierung ein. Diese Technologien ermöglichen es uns, Muster in der Produktion zu erkennen und kontinuierliche Verbesserungen umzusetzen. Dadurch können wir effizienter auf Veränderungen reagieren und die Qualität unserer Prozesse steigern. In unseren Maschinen hat KI bisher noch keine maßgebliche Rolle gespielt, jedoch evaluieren wir kontinuierlich, wie diese Technologie in Zukunft sinnvoll integriert werden kann, um die Analyse- und Optimierungsmöglichkeiten für unsere Kunden weiter zu verbessern.
Wie integrieren Sie das Feedback Ihrer Kunden in Ihre Technologieentwicklungen und wie schnell können Sie auf Marktanforderungen reagieren?
Kundennähe ist eine der zentralen Stärken von Accretech. Durch den kontinuierlichen Dialog mit unseren Partnern stellen wir sicher, dass unsere Technologien optimal auf ihre Anforderungen abgestimmt sind. Unsere agile Arbeitsweise ermöglicht es uns, schnell und flexibel auf neue Marktanforderungen zu reagieren – mit einer Verfügbarkeit von über 90 Prozent in einer 24/7-Produktion. So haben wir beispielsweise innerhalb von nur drei Monaten eine maßgeschneiderte Lösung entwickelt und implementiert, nachdem ein Kunde mit einer dringenden Anfrage aus der Leistungshalbleiter-Fertigung auf uns zukam.
Sehen Sie in der Entwicklung von „grünen“ Halbleitern oder nachhaltigen Produktionsverfahren eine relevante Marktchance?
Absolut. Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle in der Halbleiterfertigung. Unsere Technologien unterstützen Kunden dabei, Ressourceneffizienz zu steigern und Abfälle zu minimieren. Dabei sehe ich nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern auch eine moralische Verantwortung. Derzeit arbeiten wir etwa an der Optimierung unserer CMP-Systeme, um Wasserverbrauch und Energiebedarf weiter zu senken.
Welche Trends oder Technologien sehen Sie als entscheidend für die Zukunft der Halbleiterfertigung und wie positioniert sich Accretech, um darauf vorbereitet zu sein?
Neben der Miniaturisierung und dem Einsatz neuer Materialien gewinnt die Automatisierung in der Halbleiterfertigung zunehmend an Bedeutung. Wir verstehen uns als Innovationspartner unserer Kunden, indem wir nicht nur bestehende Herausforderungen meistern, sondern aktiv an der Entwicklung neuer Technologien mitwirken. Unsere langfristige Strategie umfasst den Ausbau unserer Kompetenzen in der Automatisierung, um die Wertschöpfungsketten unserer Partner effizienter und nachhaltiger zu gestalten.
Stand: 08.12.2025
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Wie begegnet Accretech den Herausforderungen, die durch die zunehmende Miniaturisierung von Halbleiterkomponenten entstehen?
Die Miniaturisierung stellt hohe Anforderungen an Präzision und Prozessstabilität. Unsere Maschinen sind speziell darauf ausgelegt, auch bei kleinsten Strukturen exakte Ergebnisse zu liefern. Es ist ein persönliches Anliegen für mich, diese Innovationen so zu gestalten, dass sie nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich einen klaren Mehrwert bieten.
Welche aktuellen technologischen Entwicklungen und Innovationen bei Accretech sehen Sie als wegweisend für die Zukunft der Elektronikbranche?
Zu den wegweisenden Entwicklungen bei Accretech gehören die Integration von KI in unsere Messsysteme, neue Verfahren für High-Tech-Materialien sowie innovative Automatisierungslösungen, die Produktionsprozesse effizienter gestalten. Besonders wichtig ist uns, dass diese Innovationen in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden entstehen, um ihre spezifischen Bedürfnisse optimal zu adressieren.
Wie integriert Accretech Nachhaltigkeit in seine Produktentwicklung und Produktionsprozesse?
Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil unserer Strategie. Wir entwickeln energieeffiziente Maschinen und implementieren ressourcenschonende Prozesse, um unseren ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Ein herausragendes Beispiel dafür ist unsere Initiative, den Energieverbrauch unserer CMP-Systeme um 20 Prozent zu senken – eine kleine Revolution in der Branche.
Wie hat die globale Lieferkettenkrise Ihre Produktionsstrategien beeinflusst und welche Maßnahmen haben Sie ergriffen?
Um die Auswirkungen der globalen Lieferkettenkrise zu minimieren, haben wir unsere Lieferketten diversifiziert und enge regionale Partnerschaften aufgebaut. Diese Maßnahmen haben es uns ermöglicht, unsere Lieferfähigkeit auch in herausfordernden Zeiten aufrechtzuerhalten. Unsere Flexibilität und proaktive Herangehensweise sind entscheidend, um den sich ständig verändernden Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden.
Inwiefern beeinflussen geopolitische Spannungen und Handelskonflikte Ihre Geschäftsstrategien und Marktpositionierung?
Geopolitische Spannungen und Handelskonflikte erfordern von uns eine hohe Flexibilität und eine vorausschauende Geschäftsstrategie. Wir setzen auf eine enge Zusammenarbeit mit regionalen Partnern und entwickeln maßgeschneiderte Strategien, um Risiken in der Lieferkette zu minimieren und unsere Marktposition zu stärken. Gleichzeitig bleiben wir ein verlässlicher Partner für unsere Kunden, unabhängig von externen Herausforderungen.
Welche Rolle spielen Automatisierung und Digitalisierung in Ihren Produktionsstätten und wie profitieren Ihre Kunden davon?
Automatisierung und Digitalisierung sind Schlüsselfaktoren für Effizienz und Qualität in unserer Produktion. Unsere Kunden profitieren von datenbasierten Analysen, die Prozesse optimieren und Kosten senken. Darüber hinaus bieten unsere Technologien eine größere Flexibilität in der Produktion, die es uns erlaubt, schneller auf neue Anforderungen zu reagieren.
Können Sie uns mehr über Ihre strategischen Partnerschaften und technologischen Kooperationen erzählen, insbesondere im Bereich Forschung und Entwicklung?
Unsere Partnerschaften mit führenden Forschungsinstituten und Technologieunternehmen sind entscheidend für unsere Innovationskraft. Durch diese Kooperationen können wir neue Technologien frühzeitig erkennen und in unsere Produktentwicklung integrieren. Ein besonders herausragendes Beispiel ist unsere enge Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Prozessen für neue Halbleitermaterialien, die in der Leistungselektronik zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Wie fördern Sie als CEO eine Kultur der Innovation und des kontinuierlichen Lernens innerhalb des Unternehmens?
Innovation entsteht durch Vertrauen, Freiraum und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Ich ermutige mein Team, neue Ansätze zu erproben und sehe dabei mögliche Fehler als wertvolle Lernchancen. Ein strukturiertes Fehlermanagement und eine Kultur der offenen Kommunikation ermöglichen es uns, aus Erfahrungen zu lernen und kontinuierlich besser zu werden. Neue Ideen werden aktiv unterstützt und weiterentwickelt. Kontinuierliches Lernen und der Austausch von Wissen sind die treibenden Kräfte hinter der technologischen Weiterentwicklung unseres Unternehmens. Durch interne und externe Schulungen fördern wir sowohl die fachliche als auch die persönliche Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter.
Welche langfristigen Ziele und Visionen haben Sie für Accretech und wie planen Sie, diese zu erreichen?
Mein Ziel ist es, Accretech als führenden Anbieter für nachhaltige und innovative Halbleiterfertigungssysteme zu etablieren – durch kontinuierliche Weiterentwicklung und eine starke Kundenfokussierung.
Was hat Sie dazu bewegt, Ihre Karriere in der Elektronikindustrie zu verfolgen und welche Erfahrungen haben Sie auf Ihrem Weg am meisten geprägt?
Die Elektronikindustrie fasziniert mich durch ihre Dynamik und den direkten Einfluss auf die Zukunft.