Abgasgrenzwerte: Testverfahren WLTP geht an den Start

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Auch wurden die Schaltpunkte beim Beschleunigen neu justiert. Zudem sinkt der Zeitanteil, in dem das Fahrzeug still steht. Dadurch ergeben sich eine deutlich höhere Dynamik im Zyklus sowie eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit von 46,6 km/h. Im alten Zyklus betrug sie nur 33.6 km/h. Physikalisch bedeutet das nichts anderes, als dass die für die Massenbeschleunigung aufgewendete Energie steigt und damit auch der Kraftstoffverbrauch.

Eine weitere wesentliche Neuerung besteht zudem darin, dass laut WLTP die Messungen an einem vollausgestatteten Fahrzeug durchgeführt werden müssen. Bislang galt das jeweils nur für die Serienausstattung eines Fahrzeuges. Doch jedes Extra, das man sich beim Autokauf gönnt, kann das Gewicht des Fahrzeugs erhöhen und damit die aufzuwendende Energie, um das Auto in Bewegung zu setzen und zu halten.

Aufgrund der Vielzahl an Sonderausstattungspaketen mit unterschiedlichen Energieverbräuchen lassen Automobilhersteller künftig neben der Messung eines vollausgestatteten Fahrzeugs auch weitere Messungen mit anderen Ausstattungsstufen durchführen. Auch Karosserievarianten, welche die Aerodynamik beeinflussen, oder verschiedene Reifen mit individuellem Rollwiderstand werden berücksichtigt. So ergibt sich eine Bandbreite der Kraftstoffverbräuche, die spezifischer und damit realitätsnäher ist.

Wichtiges Detail: Tatsächlich messen die Prüfstandsingenieure nicht den volumetrischen Kraftstoffverbrauch in Litern, sondern das Gewicht der im Abgas enthaltenen kohlenstoffhaltigen Bestandteile, u.a. Kohlendioxid (CO2). Da für den Prüfstandstest genormte Kraftstoffe zum Einsatz kommen, kann auf Basis des CO2-Gewichtes und der auf dem Prüfstand zurückgelegten Strecke der Verbrauchswert direkt in Litern pro 100 Kilometer berechnet werden. Diese Form der Messung, die zu einer exakteren Bestimmung des Treibhausgases führt, wurde bereits in den 1990er Jahren verbindlich vorgeschrieben.

Wie realitätsnah ist der WLTP?

Auch ein repräsentativer Prüfstandstest wie der WLTP kann nicht alle Faktoren berücksichtigen, die den Kraftstoffverbrauch in der Realität beeinflussen. Zu den wichtigsten verbrauchserhöhenden Faktoren, die in einem standardisierten Labortest nur eingeschränkt berücksichtigt werden können, gehören neben dem individuellen Fahrstil auch die geographischen Bedingungen der Strecke, die individuelle Beladung, die klimatischen Gegebenheiten sowie der Energieeinsatz für Nebenverbraucher wie Sitzheizung oder Klimaanlage.

Auch trotz dieser Einschränkungen verringert die Einführung des WLTP die Lücke zwischen dem bislang gesetzlich ermittelten Normverbrauch und dem individuellen Kraftstoffverbrauch vieler Autofahrer. Experten gehen davon aus, dass die im WLTP gemessenen Normangaben um durchschnittlich 20 Prozent höher liegen als im bisherigen NEFZ. Die im WLTP ermittelten Verbrauchswerte sind also realistischer, weil zeitgemäßer, wenngleich weiterhin nicht „real“ im Sinne von auf jeden Fahrer individuell übertragbar.

Wie werden Plug-in-Hybride und E-Autos gemessen?

Auch elektrifizierte Fahrzeuge müssen in Europa künftig nach den neuen Regeln des WLTP getestet werden, um eine Typzulassung zu erhalten. So wie sich die Verbrauchsangaben für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch die Einführung des WLTP verändern, gilt dies analog für die Reichweitenangaben von reinen Elektroautos und Plug-in-Hybridfahrzeugen. Die Reichweitenangaben werden mit dem WLTP repräsentativer. An der für Kunden tatsächlich nutzbaren elektrischen Reichweite ändert sich nichts.

Für rein batterie-elektrische Fahrzeuge bedeutet dies vor allem, dass die höhere Durchschnittsgeschwindigkeit des neuen Testzyklus zu einem höheren Energieverbrauch führt – der freilich nicht in Litern, sondern in Kilowattstunden (kWh) pro 100 Kilometer angegeben wird. Durchgeführt wird die Messung wie in der bisherigen Verbrauchsmessvorschrift vorgeschrieben: Zu Beginn des Prüfstandstests muss die Batterie vollständig geladen sein.

Direkt nach Testende schließen die Prüfingenieure das Fahrzeug wieder an ein Ladegerät an, wobei das Kabel mit einem Stromzähler ausgestattet ist. Dieser erfasst die gesamte Strommenge, was den Vorteil hat, dass auch die beim Laden entstehenden Energieverluste der Batterie erfasst werden. Der resultierende Wert wird dann durch die im Prüfstandstest ermittelte Reichweite geteilt.

Eine größere Änderung bedeutet die WLTP-Einführung für Plug-in-Hybridfahrzeuge, die sowohl einen Elektroantrieb als auch einen Verbrennungsmotor haben und extern elektrisch nachgeladen werden können. Diese Fahrzeuge fahren den Test mehrmals. Gestartet wird mit voller Batterie. Der Zyklus wird so oft wiederholt bis die Batterie leer ist. Die Anteile mit Verbrennungsmotor werden pro Zyklus höher.

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