Photovoltaik in Deutschland 81.500 MW Nennleistung auf deutschen Dächern - und das Stromnetz ächzt

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Der Ausbau der Kapazitäten zur Generierung von Strom durch erneuerbare Energien schreitet voran. Insbesondere die Stromerzeugung durch die Sonne erlebt einen Aufschwung; dank Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach und dem Balkonkraftwerk am Geländer von Unternehmen wie Privathäusern. Das sind tolle Nachrichten … es gibt allerdings mit Blick aufs Stromnetz noch viel zu tun.

Fast zwölf Prozent der gesamten Stromeinspeisung im Jahr 2023 stammt aus Photovoltaik.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Fast zwölf Prozent der gesamten Stromeinspeisung im Jahr 2023 stammt aus Photovoltaik.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Wollen Sie mal eine gute Nachricht aus der Ecke der Photovoltaik-Branche hören, die nichts mit dem Konkurrenzdruck aus Asien zu tun hat? Ja? Das Statistische Bundesamt Destatis vermeldet, dass im April 2024 auf den Dächern und Grundstücken in Deutschland 3,4 Millionen Photovoltaikanlagen mit einer Nennleistung von satten 81.500 Megawatt installiert waren. Damit könnte man ungefähr eine Million Teslas aufladen. Kurz zur Einordnung: Ein durchschnittlicher deutscher Haushalt verbraucht etwa 3.500 kWh im Jahr.

Der Anteil des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne soll laut den Plänen der Bundesregierung bis 2035 auf 100 Prozent steigen, und Berichten zufolge wurden im ersten Halbjahr 2024 knapp 60 Prozent erreicht. Das klingt doch gut!

Die schattigen Seiten der Sonnenenergie

Freuen wir uns darüber, dass durch den Betrieb von PV-Anlagen im Jahr 2023 53,6 Millionen Megawattstunden Strom ins Netz eingespeist wurden. Damit entfielen 11,9 Prozent des eingespeisten Stroms auf Photovoltaik. Die Statistik von Destatis aber beleuchtet auch die Schattenseiten des Sonnenstroms, denn die Produktion von Solarmodulen hierzulande ist rückläufig - das ist angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage und des Kostendrucks durch im Ausland produzierte Waren wenig verwunderlich.

Gleichwohl könnte der private Ausbau von PV-Anlagen einen Dämpfer erhalten, wenn Unterstützungen und Subventionen durch die Regierung zurückgefahren werden. Ein Anreiz für die Anschaffung von Photovoltaik ist unter anderem die Einspeisevergütung - und die ist seit dem 1. August 2024 gesunken. Bislang wurden für PV-Anlagen auf Wohnhausdächern mit bis zu 10 KW Leistung etwa 8,11 Cent pro Kilowattstunde Strom gezahlt, nun sind es nur noch 8,03 Cent. „Die Einnahmen dieser privaten Haushalte aus dem Stromverkauf lagen 2022 bei durchschnittlich 183 Euro im Monat und sind somit im Vergleich zu 2015 mit monatlich 266 Euro um knapp ein Drittel (31,2 %) gesunken. Eine mögliche Ursache für diesen Rückgang dürfte die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sinkende Einspeisevergütung für neuinstallierte Photovoltaikanlagen sein“, halten auch die Leute von Destatis fest. Und dann gibt es noch ein Problem, nämlich mit dem Stromnetz selbst.

Paradigmenwechsel im Stromnetz

Bereits seit einigen Jahren wird darüber diskutiert, dass das Stromnetz, bislang durch die fossile Energiegewinnung geprägt, zu unflexibel für die Schwankungen ist, die durch die nicht durchgehend stabile Einspeisung der erneuerbaren Energien entstehen können. Ein stabiles Stromnetz ist entscheidend, um eine kontinuierliche und qualitativ hochwertige Stromversorgung zu gewährleisten, sowie um Stromausfälle und Schäden an Geräten zu vermeiden. Maßnahmen wie Netzregelung, Lastmanagement und Investitionen in moderne Infrastruktur sind notwendig, um diese Stabilität sicherzustellen.

Seit 2023 diskutiert die Plattform Klimaneutrales Stromsystem (PKNS) auch über die Anforderungen ans Strommarktdesign. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat jetzt das Optionenpapier für das Strommarktdesign der Zukunft zur Arbeit des PKNS zur Verfügung gestellt.

Definiert werden darin die folgenden vier Handlungsfelder:

  • 1. Koordination: Der Strommarkt hat erstens unverändert die Aufgabe, den optimalen, also kostengünstigsten Einsatz der benötigten Kapazitäten und der Nachfrageseite zu organisieren.
  • 2. Investitionsrahmen: Das Marktdesign hat zweitens die Funktion, für ausreichend Investitionssicherheit zu sorgen, um so die erforderlichen 
  • 3. Investitionen in neue Technologien und Kapazitäten zu ermöglichen.
  • 4. Räumlicher Ausgleich: Lokale Signale als Teil des Marktdesigns haben drittens die Rolle, Angebot und Nachfrage räumlich mit den Transportkapazitäten des Stromnetzes zu koordinieren.
  • 5. Zeitlicher Ausgleich: Der Strommarkt hat viertens die Aufgabe, Angebot und Nachfrage durch mehr Flexibilität zeitlich optimal für ein möglichst kostengünstiges Gesamtsystem aufeinander abzustimmen und Flexibilitäten systemdienlich einzusetzen.

Sollten Sie nicht die mehr als 100 Seiten des Papiers „Strommarktdesign der Zukunft – Optionen für ein sicheres, bezahlbares und nachhaltiges Stromsystem“ lesen wollen, dann lassen Sie sich Ihnen von uns vergewissern, dass es unter anderem um die Frage geht, wie die erforderlichen Energiespeicher-Investitionen in den Strommarkt gestemmt werden sollen und wie Anreize für die Verbraucher geschaffen werden, bei der Netzstabilität zu helfen - etwa dann ein E-Auto zu laden, wenn der Strom gerade billig ist. Die im Papier vorgestellten Handlungsfelder „eint, dass sie die Anforderungen an ein sicheres, bezahlbares und nachhaltiges Strommarktdesign der Zukunft […] erfüllen“ heißt es. Bis zum 28. August 2024, recht kurz gefasst, ist es der Öffentlichkeit möglich, Feedback zu den vorgeschlagenen Handlungsfeldern zu geben. (sb)

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