Für Apple läuft es derzeit suboptimal. Die iPhone-Verkäufe liegen unter Plan, der Dauer-Clinch mit Modem-Zulieferer Qualcomm geht in die nächste Runde. Aktuelle Details aus laufenden Gerichtsverhandlungen zeigen, wie Qualcomm mit fragwürdigen Methoden seine dominante Marktposition ausnutzt.
Erstmal ohne: Nach anhaltenden Streitigkeiten setzt Apple in seinen aktuellen iPhones und iPads keine Basisband-Modems seines ehemaligen Hoflieferanten Qualcomm mehr ein.
(Bild: Apple)
Qualcomm steht seit Jahren in der Kritik, seine Kunden mit fragwürdigen Lizenzpraktiken für seine Chips zu knebeln. Nicht zuletzt deswegen steht das Unternehmen seit 2017 in einem Rechtsstreit mit der US-Handelskommission FTC (Federal Trade Commission). Im Fokus steht aktuell einmal mehr der Dauerstreit mit Apple. Die ehemaligen Geschäftspartner sind sich mittlerweile spinnefeind und attackieren sich gegenseitig mit harten Bandagen. Vor einem Gericht im kalifornischen San Jose mussten nun sowohl hochrangige Qualcomm- als auch Apple-Manager ihre Sicht der Dinge darstellen.
Nun sind Details durchgesickert: Demnach hat der Modem-Hersteller einen Milliardenbetrag an Apple überweisen, um exklusiv Funkchips für den Millionen-Seller iPhone liefern zu dürfen. In einer Gerichtsverhandlung sagte Qualcomm-Chef Steve Mollenkopf nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters aus, dass Apple 2011 eine 1 Mrd. Dollar schwere „Anreizzahlung“ verlangt habe – ohne Garantien zu geben, wie viele Modems es letztlich kaufen würde. Zwar seien solche Zahlungen durchaus üblich in der Branche, jedoch nicht in dieser Höhe.
Hat Qualcomm exklusive Lieferrechte mit Milliardenzahlung wettbewerbswidrig erkauft?
Wie Reuters berichtet, sollte die Zahlung laut Mollenkopf die „technischen Kosten für den Austausch des damals im iPhone verbauten Infineon-Chips gegen Qualcomms Produkt senken“. So habe Qualcomm versucht, Exklusivlieferant für die in iPhones eingesetzten Modems zu werden. Konkurrenten wie Intel oder Infineon habe man dabei keineswegs vom iPhone ausschließen wollen, erklärte Mollenkopf. Wie das zusammenpasst, bleibt indes sein Geheimnis. Auch die FTC hat offenbar Zweifel an dieser Darstellung: Der Deal mit Apple sei vielmehr ein Beispiel dafür, wie Qualcomm mit wettbewerbsfeindlichem Verhalten seine dominante Marktposition durch den Ausschluss von Konkurrenten festigen wollte.
Die damalige Vereinbarung zwischen Apple und Qualcomm sah vor, dass der iPhone-Hersteller im Gegenzug für die Exklusivität einen Rabatt auf die Modems erhält. Sollte Apple doch einen anderen Lieferanten wählen, wäre dieser Rabatt hinfällig geworden, berichtet Reuters. Durch die von Qualcomm angebotenen Rabatte seien die Chips anderer Hersteller sehr unattraktiv geworden, sagte der für die Lieferketten verantwortliche Apple-Manager Tony Blevins vor Gericht aus. Dies habe unter anderem dazu geführt, dass der iPhone-Konzern die Integration eines Intel-Modems in das iPad Mini 2 abgebrochen hat, das schließlich 2013 auf den Markt kam. Grundsätzlich versuche Apple mindestens zwei und bis zu sechs Lieferanten für jede der über 1000 Komponenten eines iPhones zu verpflichten.
Aktuelle iPhones bis auf weiteres ohne Qualcomm-Chips
Besondere Brisanz erhalten die anhaltenden Streitigkeiten zwischen den beiden Branchenriesen vor dem Hintergrund, dass Qualcomm im Dezember 2018 einen Verkaufsstopp wichtiger iPhone-Modelle in China und Europa durchgedrückt hat. Der Grund: Angebliche Patentverletzungen. Für Apple ist das die nächste Hiobsbotschaft im bislang ziemlich verkorksten Jahresauftakt.
Qualcomms Lizensierungspraktiken stoßen auf Unmut
Wie die EE Times berichtet, hat Qualcomm zudem 5% Gebühren je Smartphone, umgerechnet zwischen 12 und 20 Dollar, sowie zusätzlich eine „CDMA-Gebühr“ von jährlich 250 Mio. Dollar berechnet. Das habe Jeff Williams, Apples Chief Operating Officer, vor Gericht ausgesagt.
Ursprünglich habe man 2007 vereinbart, pro Einheit 7,50 Dollar Lizenzgebühr an Qualcomm abzuführen. 2011 sei diese Vereinbarung erweitert worden: Neben den Lizenzgebühren auf gleichem Niveau habe Apple Qualcomm eine „kurzfristige Exklusivität“ als Lieferant von Basisband-Modems zugesprochen bekommen.
Es ist anzunehmen, dass Jeff Williams weiß, wovon er spricht – schließlich leitete er das erste iPhone-Team. „7,50 Dollar Lizenzgebühr klingt nicht nach viel – doch pro Jahr summieren sie sich zu einigen Milliarden Dollar“, sagte Williams demnach aus. Qualcomm habe damit mehr Gebühren verlangt als der Rest der Lieferanten zusammen. Qualcomm zu verklagen, sei zunächst keine Option gewesen – schließlich hätte Apple womöglich keinen Zugang mehr zu den wichtigen Modems erhalten. Dabei kassiere Qualcomm durch den Verkauf der Chips und die Lizensierung seiner Technik doppelt, was Apple als unfair betrachtet.
Stand: 08.12.2025
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Qualcomm verdient auch an Komponenten, die nichts mit seinem Geschäft zu tun haben
Zum Beispiel würde Qualcomm durch die 5%-Regel auch an Investitionen in mehr NAND-Speicher, ein besseres Gehäuse oder anderen Innovationen von Apple mitverdienen – „obwohl sie nichts damit zu tun haben“, erklärte Williams. Die ursprünglich vereinbarten 7,50 Dollar je iPhone haben sich seinen Angaben zufolge auch nicht auf iPads oder CDMA-Telefone bezogen. Erst später habe Qualcomm eine „CDMA-Steuer“ von rund 250 Mio. Dollar pro Jahr verlangt.
Laut EE Times hat Apple ursprünglich vorgeschlagen, 1,50 Dollar pro eingesetztem Basisbandchip zu zahlen. Die endgültige Vereinbarung habe dann vorgesehen, dass Apples Vertragshersteller Qualcomm eine Lizenzgebühr von 5% im Rahmen ihrer bestehenden Patentvereinbarungen zahlen. Diese Gebühr hätte Apple dann erstattet. Apple habe selbst keinen Patentvertrag direkt mit Qualcomm abgeschlossen.