5. Januar 1985 40 Jahre Commodore 128 – ein Gerät, drei Systeme

Von Sebastian Gerstl und Franz Graser 5 min Lesedauer

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Als sich 1985 die Ära der 16-Bit-Rechner anbahnte, versuchte Mikrocomputer-Platzhirsch Commodore noch einmal, mit einem 8-Bit-System die Brücke zwischen Heimcomputer und Bürorechner zu schlagen. Der C128 versprach, mit drei Systemen in einem die Bedürfnisse von Zockern, Programmierern und Büroangestellten zu erfüllen. Die meisten erinnern sich bei dem Rechner aber nur an Eines: Den Befehl GO64.

Mit der ins Gerät integrierten Tastatur besaß der C128 die typische Anmutung eines Heimcomputers der 1980er Jahre. Allerdings deuteten der abgesetzte Ziffernblock und die in Vierergruppen angeordneten Funktionstasten darauf hin, dass sich das Gerät an Anwender mit höheren Ansprüchen richtete. Ein sehr ähnlicher Gehäusetypus sollte zwei Jahre später für den 16-Bit-Rechner Amiga 500 verwendet werden.(Bild:   / CC0)
Mit der ins Gerät integrierten Tastatur besaß der C128 die typische Anmutung eines Heimcomputers der 1980er Jahre. Allerdings deuteten der abgesetzte Ziffernblock und die in Vierergruppen angeordneten Funktionstasten darauf hin, dass sich das Gerät an Anwender mit höheren Ansprüchen richtete. Ein sehr ähnlicher Gehäusetypus sollte zwei Jahre später für den 16-Bit-Rechner Amiga 500 verwendet werden.
(Bild: / CC0)

1985 ging die Ära der 8-Bit-Heimcomputer langsam ihrem Ende entgegen. Atari setzte mit seiner ST-Baureihe auf den 16/32-Bit-Mikroprozessor 68000 von Motorola. Commodore arbeitete fieberhaft an dem Amiga-Computer, über dessen sagenhafte Fähigkeiten in Fachkreisen eifrig spekuliert wurde.

Doch auf der Winter-CES in Las Vegas präsentierte Commodore am 5. Januar 1985 noch einmal einen 8-Bit-Rechner. Dieser sollte nicht nur die Serie des weltweit erfolgreichsten Heimcomputers, des C64, fortsetzen: Das System war auch als Versuch von Commodore gedacht, wieder Einzug in den lukrativen Markt für Büroanwendungen zu finden, in dem seit einigen Jahren der IBM-PC und kompatible Systeme zunehmend Verbreitung fanden. Vor diesem Hintergrund vereinigte der 8-Bit-Rechner Commodore 128 effektiv drei Systeme in einem Gerät.

BASIC 2.0, BASIC 7.0 und CP/M

Zum Einen verfügte er über einen fast 100-prozentigen Kompatibilitätsmodus zum Vorgänger: Nach dem Einschalten des Geräts startete der C128 zunächst einmal in die neueste Version von Commodore BASIC, BASIC v7.0. Dieses war im Funktionsumfang deutlich leistungsfähiger, was auch dem im Rechner verbauten 128 KByte an Arbeitsspeicher zu verdanken war. Doch ältere, für den C64 geschriebene Programme waren mit dieser kombinierten Programmiersprache und Betriebssystemsversion nicht ausführbar. Um dennoch eine Abwärtskompatibilität zu gewährleisten und somit auf nahezu die gesamte bestehende Palette an für den C64 geschriebener Software zurückgreifen zu können, war im C128 ein zusätzlicher 8-Bit-ROM-Chip des Typs 23128 verbaut, in dem das Commodore BASIC V2.0, 40-Zeichen-Editor und der Betriebssystemkern des beliebten C64 untergebracht war. Mit dem Befehl GO64 konnten Anwender umgehend aus der C128-Umgebung in einen C64-Modus wechseln. Dieser war zwar nicht exakt zu 100% kompatibel mit einem echten "Brotkasten", doch für die allermeisten Anwender machten die wenigen bestehenden Ausnahmen keinen Unterschied.

Zum Zweiten war aber auch der native C128-Modus mit seinem im Vergleich zum C64 umfangreicheren und komfortableren BASIC-Befehlssatz der Version 7.0 sehr interessant. Commodore BASIC V7.0 verfügt über einen umfangreichen, 162 Instruktionen umfassenden Befehlssatz. Gegenüber dem C64 verfügte der Rachner damit über weitere Befehle zur strukturierten Programmierung, Fehlerbehandlung, Klang- und Grafikerzeugung, Steuerung von Diskettenlaufwerken sowie zur Verwaltung von Speichererweiterungen. Das belegte zwar fast doppelt so viel Arbeitsspeicher als das im C64 anzutreffende BASIC 2.0. Allerdings war es nur im nativen C128-Modus möglich, auf 128 Kilobyte erweiterten Hauptspeicher zuzugreifen und vollumfänglich zu nutzen..

Allerdings war hierfür ein programmiertechnischer Trick notwendig. Da der Hauptprozessor des C128 nur 64 Kilobyte adressieren konnte, musste auf die sogenannte Bankswitching-Technik zurückgegriffen werden. Das bedeutete, dass der Rechner bestimmte Speicherbereiche je nach Bedarf aus- und einblenden konnte. So wurde zum Beispiel der Code von BASIC-Programmen getrennt von den Variablen gespeichert. Während zudem der C64 im Textmodus nur 40 Zeichen pro Zeile ausgeben konnte, waren es im C128er-Modus 80 Zeichen pro Zeile

Das dritte Merkmal war dafür gedacht, das System auch für professionelle Büroanwendungen als günstiges System attraktiv zu machen: der Rechner war in der Lage, das in dieser Zeit im Business-Bereich weit verbreitete Betriebssystem CP/M zu benutzen. Hierfür war im C128 neben dem MOS-Prozessor 8502 ein Z80-Chip von Zilog verbaut worden, für den bereits eine eigens optimierte CP/M-Version existierte, ohne dass dieses für den MOS8502 eigens hätte portiert werden müssen. Unter CP/M standen den Anwendern die damals gängigen Büroprogramme wie die Textverarbeitung WordStar, die Tabellenkalkulation VisiCalc oder das Datenbanksystem dBase zur Verfügung.

Da der C128 somit eine etwas ernsthaftere Zielgruppe ansprechen wollte als der vor allem als Spielerechner populäre C64, wies das Gerät eine hochwertigere Anmutung auf als der Vorgänger. Die Tastatur war zwar immer noch in den Rechner integriert, aber sie erhielt nach PC-Vorbild immerhin einen abgesetzten Ziffernblock und separate Cursortasten. Darüber hinaus konnte der C128 im Textmodus 80 Zeichen pro Zeile darstellen, was ebenfalls ein Vorteil für Büroprogramme wie Wordstar oder VisiCalc war.

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Ein letztes erfolgreiches Aufbäumen der 8-Bit-Ära

Der C128 war durchaus ein spannendes Gerät, erschien allerdings zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Eigentlich hatte Commodore bereits seit 1983, ein Jahr nach Erscheinen des C64, an einem kompatiblen Nachfolger gearbeitet, der dem zwar erfolgreichen aber eher für "billige Heimcomputer" bekannten Unternehmen wieder ein professionelles Image für Business-Anwendungen geben sollte. Doch interne Machtstreitigkeiten, die zum Verlust zahlreicher, für die Entwicklung des C64 essentieller Ingenieure führte und schließlich in der Entlassung des Commodore-CEO Jack Tramiel durch den Präsidenten und Finanzier Irwin Gould gipfelte, sorgten für eine chaotische Entwicklungsphase und eine dramatische Verschleppung des 128er-Projekts. Frühe Pläne wurden komplett verworfen, und erst im September 1984 mit der eigentlichen Entwicklung des C128 gestartet.

Bis zur Präsentation auf der Winter-CES 1985 blieben damit nur vier Monate, um ein vorzeigbares, marktreifes Gerät hervorzubringen. Leiter des Entwicklungsteams war der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 25 Jahre alte Bill Herd. Obwohl er mit der kurzen Entwicklungsphase eine stolze Leistung vorweisen konnte, fand Herd wie andere Entwickler vor ihm, dass seine Arbeit bei Commodore kaum gewürdigt wurde. Im September 1986 verließ Herd daher das Unternehmen.

Tatsächlich zeichnete sich das ende der 8-Bit-Ära, die die ersten Jahre der Heimcomputerlandschaft geprägt hatte, bereits ab: Auf derselben CES 1985 stellte Konkurrent Atari, nun unter der Leitung des geschassten ehemaligen Commodore-CEOs Jack Tramiel, bereits seinen auf dem Motorola 68000 basierenden 16-Bit-Rechnet Atari ST vor. Und auch im Hause Commodore befand sich bereits der erste eigene 16-Bit-Computer in den Startlöchern: 1984 hatte sich das Unternehmen für 24 Millionen US-$ das Startup Amiga einverleibt, dessen erster Rechner, der ebenfalls auf dem Motorola 68000 aufbauende Amiga 1000, im Juli 1985 erscheinen sollte. Im Licht der Historie betrachtet, führte der C128, nicht nur wegen seiner Leistungsmerkmale, zwischen Ataris ST und Commodore nur ein Schattendasein.

Dennoch war der Rechner, vor allem in Europa, durchaus ein Erfolg: Da der 128er zunächst deutlich preiswerter als die aufwändigere 16-Bit-Konkurrenz war und dank CP/M- und C64-Modus von Beginn an auf eine sehr umfangreiche Bibliothek an kommerziell verfügbarer Software zurückgreifen konnte, verkaufte sich das Gerät in den ersten beiden Jahren auf dem Markt noch beachtlich. Bis zum Produktionsende im Jahr 1989 konnte Commodore nach eigenen Angaben weltweit knapp 6 Millionen Exemplare absetzen, davon 284.300 in Deutschland. Damit war der 8-Bit-Rechner durchaus kein Flop. Doch ein Kultrechner wie sein Vorgänger C64 oder der spätere Amiga 500 sollte der Vertreter der späten 8-Bit-Ära nicht mehr werden.

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