Aufgemerkt 11. Juni 1973: Das erste Solarenergiehaus

Redakteur: Peter Koller

In der Rubrik Aufgemerkt stellt die Redaktion ELEKTRONIKPRAXIS regelmäßig Meilensteine aus der Geschichte der Elektronik und Elektrotechnik vor. Diesmal: Das erste komplett mit Solarenergie versorgte Wohnhaus.

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Vor 40 Jahren: Solar One, das erste echte Solarhaus, wird der Öffentlichkeit präsentiert
Vor 40 Jahren: Solar One, das erste echte Solarhaus, wird der Öffentlichkeit präsentiert
(University of Delaware)

Häuser mit der Energie der Sonne zu versorgen: Diese Idee war zumindest in den südlichen Bundesstaaten der USA schon früh recht naheliegend und so gab es schon in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts etwa in Florida eine ganze Reihe von Wohnhäusern, die mit Hilfe von Sonnenkollektoren auf dem Dach ihre Warmwasserversorgung realisierten. Nach einem kurzen Boom in den 1940er-Jahren geriet die Methode aber schnell wieder in Vergessenheit.

Professor Karl W. Böer
Professor Karl W. Böer
(TU Berlin/karlwBoer.com)
Das sollte sich am 11. Juni 1973 ändern, als an der University of Delaware in Newark Solar One eröffnet wurde, das erste auf eine komplette Energieversorgung durch die Sonne ausgerichtete Einfamilienhaus. Treibende Kraft dahinter war Professor Karl Wolfgang Böer. Der 1926 in Berlin geborene Professor war nach seinem Studium und langjähriger Tätigkeit an der dortigen Humbold-Universität unter dem Eindruck des Mauerbaus 1962 in die USA ausgewandert. Für die Entwicklung von Solar One arbeitete er nicht nur mit einem Team von Ingenieurren und Architekten zusammen, sondern holte auch die Wissenschaftlerin Maria Telkes aus dem Ruhestand.

Maria Telkes
Maria Telkes
(Library of Congress)
Die in Ungarn geborene Telkes (1900-1995) wird in den USA mittlerweile als die "Sonnenkönigin" bezeichnet. Sie schuf mit ihrer Forschung am Massachusetts Institute of Technology in den 1930er-Jahren viele der wissenschaftlichen Grundlagen für die Nutzung der Solarenergie – bis ihr das MIT Ende der 1940er-Jahre das Labor schloss. Begründung: Aufgrund der schier unbegrenzten Verfügbarkeit von Kohle und Öl sei eine solarbasierte Energieerzeugung ohne Relevanz. Ein klarer Fall für die Rubrik "Große Irrtümer der Geschichte"...

Doch von Böer aus dem Ruhestand geholt, stürzte sie sich mit Feuereifer in das Projekt Solar One. Ziel der beiden war es, ein Haus zu bauen, das von vornherein und in jedem Detail auf die Energieversorgung durch die Sonne konzipiert war. So wurden die kombinierten Solarzellen/Sonnenkollektoren direkt in die Dachkonstruktion integriert.

Durch ein Energiespeichersystem auf Basis von geschmolzenem Salz konnte die Sonnenwärme gespeichert und gezielt wieder ins Haus eingespeist werden. Tagsüber wurde das Haus durch die während der Nacht gespeicherte Kälte auch gekühlt. Selbst auf kleine Details wurde geachtet. So wurde etwa die warme Abluft des Kühlschranks direkt nach Außen geleitet, um das Haus nicht zusätzlich aufzuheizen. Die Solarzellen waren ausreichend, um in der Summe den gesamten benötigten elektrischen Strom des Hauses zu generieren.

Das Haus erwies sich als großer Erfolg: Eine Vielzahl von Medien berichtete über Solar One und gab dem Thema in den USA einen wichtigen Impuls. Mehr als 100.000 Menschen besuchten das Haus im ersten Jahr. Einige mieteten sich sogar für ein paar Tage darin ein. Heute steht Solar One unter Denkmalschutz.

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