Die Internationale Funkausstellung ist nicht mehr das, was sie in den vergangenen 100 Jahren war. Das beginnt beim Namen, denn IFA steht nun für Innovationen Für Alle, und das endet noch lange nicht beim Konzept der 100Moments-Kampagne, die neue Begeisterung für die Fach- und Besucherausstellung entfachen soll. Wir haben uns mit IFA-CEO Leif Lindner darüber unterhalten, wie sich KI und Begeisterung für Elektronik erlebbar machen lässt.
Die IFA feiert zwar nicht die 100. Messe, doch das 100-jährige Jubiläum. Zu diesem Anlass wurde nicht nur die Bedeutung des Kürzels IFA geändert, sondern auch gleich das komplette Farbkonzept und Auftreten der Messe.
(Bild: IFA)
100 Jahre sind vergangen, seitdem die Große Deutsche Funkausstellung in Berlin gegründet und veranstaltet wurde. 100 Jahre sind vergangen, seitdem die Messe erstmals das Bewusstsein für drahtlose Kommunikationstechnologien und deren zukünftiges Potenzial schärfen konnte. Seither ist viel Wasser die Spree heruntergeflossen.
Und es hat sich viel in der Elektrotechnik getan. 1926 fand via Hörfunk die erste Live-Berichterstattung statt; 1928 eine der ersten Fernsehübertragungen. Das erste Tonbandgerät Magnetophon K1 wurde 1935 von AEG präsentiert und 1939 konnte der erste Einheits-Fernseh-Empfänger E1 bewundert werden.
In der Nachkriegszeit zog die Messe nach Düsseldorf um und titulierte unter dem Namen Deutsche Funkausstellung Düsseldorf. Auf der 17. Funkausstellung 1950 gab’s die ersten UKW-Empfangsgeräte zu sehen. In den 50er-Jahren wurde schließlich ein zweijähriger Turnus eingerichtet, der auch nach der Rückkehr nach Berlin im Jahr 1971 und unter dem Namen Internationale Funkausstellung beibehalten wurde. In dem Jahr ließen sich die ersten VCR-Videorekorder und Fernbedienungen bestaunen. Zehn Jahre später wurde die Compact Disc (CD) vorgestellt, DVD-Spieler kamen im Jahr 1997 zur Ausstellung und zwei Jahre später durften die Besucher erste Plasma-Flachbildschirme unter die Lupe nehmen. Ab 2005 schließlich beschloss man, die IFA wieder jährlich zu veranstalten.
IFA = Innovationen Für Alle
Und deswegen findet auch in diesem Jahr, vom 6. bis zum 10. September 2024, eine IFA statt, die allerdings nicht mehr den Namen Internationale Funkausstellung trägt. Stattdessen steht IFA nun für Innovationen Für Alle, denn die Zeiten, in denen sich die Ausstellung in den Messehallen lediglich um Funktechnologien drehte, sind längst vorbei.
Ebenfalls vorbei schienen bislang die goldenen Zeiten der Messe. Anfang der 90er-Jahre strömten mehr als eine halbe Million Besucher zu diesem etablierten und traditionsreichen Event; 2023 waren es nunmehr weniger als 200.000. Kein Wunder. Im digitalen Zeitalter hat sich die Art der Kommunikation verändert und viele Hersteller und Entwickler in nahezu allen Unterhaltungs- und Technikbranchen experimentierten mit rein digitalen Events. Dazu stellt eine weltweite Pandemie das soziale und fröhliche Miteinander im Messetrubel auf eine harte Probe.
Messeveranstalter rund um den Globus mussten in den vergangenen Jahren verstärkt das Konzept ihrer Veranstaltungen hinsichtlich der Zukunftssicherheit hinterfragen. Auf der Strecke blieben dabei einige. Im viel belächelten und dennoch extrem lukrativen Gaming-Bereich schloss die größte und renommierteste Fachmesse der Branche 2023 ihre Tore, die Electronic Entertainment Expo, kurz E3. Jüngst wurde die Elektronikfertigungsmesse SMTconnect abgeblasen. Kenner unkten, dass das schade, aber abzusehen gewesen sei.
Elektronik und Technologie erlebbar machen
Leif Lindner und Dr. Sara Warneke, Managing Director von gfu, bei der Eröffnung der Ausstellung zu 100 Jahre IFA.
(Bild: Dominik Tryba)
Es wird nicht leichter, sich in einem zunehmend digitalen Miteinander zu behaupten und die Massen in die Messen zu locken. Wie gehen die IFA-Veranstalter von IFA Management GmbH und von gfu Consumer & Home Electronics GmbH mit dieser Herausforderung um? Wie wollen sie zunehmend abstrakte Zukunftstechnologien wie KI, AR und VR erlebbar machen? Wie wollen sie digitale Generationen in die Messehallen locken und ihre Technologiebegeisterung wecken, damit sich vielleicht die eine oder andere Antwort auf Fachkräfte- und Nachwuchsmangel finden lassen? Und hat das Konzept einer Fach- und Besuchermesse eigentlich eine Zukunft?
Über diese Fragen haben wir mit Leif Lindner gesprochen, seit Oktober 2023 CEO der IFA Management GmbH und verantwortlich für die Planung und Durchführung der IFA Berlin 2024. Dass Lindner ein starkes Interesse an der Fortführung der IFA und der Weiterentwicklung des Messekonzepts hat, ist nicht zuletzt wohl auch dem Umstand geschuldet, dass er selbst als Berliner Jung die Messeneuheiten einst bestaunt hat. Und dass er viele Jahre bei Sony und anschließend bei Samsung Electronics Deutschland gearbeitet hat, also auch die andere Seite des Teppichs kennt. Spannender noch: Lindner hat im Aufsichtsrat der gfu aktiv bewirkt, dass sich das Konzept der IFA ändern müsse, wolle man zukunftsfähig bleiben. Heute hat er alle Fäden in der Hand.
Bildergalerie
#100Moments
Lindner und Co-Geschäftsführer Jörg Arntz nutzen den 100. Geburtstag der IFA nicht nur für das neue Branding, sondern auch für die 100Moments-Kampagne, um das potenzielle Publikum zur Messe hinzuführen. Dabei handelt es sich um 100 Momente, die sich teils vor Ort, teils digital erleben lassen. Die 100 Momente könnten sich unterschiedlicher nicht gestalten. Am 7. September etwa wird getanzt, denn im IFA Sommergarten treten Faithless, Incognito, Stereo MC und Kosheen auf; am 5. September hingegen lädt Bryan Adams zum rockigen Stelldichein. Wer eine etwas härtere Gangart bevorzugt, sollte sich die Metal Hammer Awards am 31. August in der Uber Eats Music Hall in Berlin im Kalender notieren.
In eine gänzlich andere Richtung gehen die zahlreichen Kooperationen der IFA mit Tech-Herstellern. Das Münchner KI-Start-Up Neura Robotics will im Rahmen der 100Moments-Kampagne einen kognitiven Roboter vorstellen, während das von SpaceX unterstützte Unternehmen Alef Aeronautics das weltweit erste fliegende Auto abheben lassen will. Spannend für Groß und Klein dürfte auch die IFA-Ausstellung im Bikini Berlin in der Budapester Straße sein, denn acht Berliner Künstler haben sich von historischen Exponaten aus 100 Jahren IFA zu einer Vermischung von Kreativität und Technik inspirieren lassen.
Stand: 08.12.2025
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Apropos, spannend! Die IFA kooperiert außerdem mit interessanten und namhaften Medien, um im Rahmen der Messe Summits zu veranstalten. Am 9. September ab 13:30 Uhr findet ein Summit zur künstlichen Intelligenz vom Handelsblatt statt und am 10. September ab 13:30 geht’s im Tagesspiegel-Summit um Nachhaltigkeit. Die 100Moments umfassen zudem die Enthüllung von Produktneuheiten, modische und künstlerische Kooperationen und noch viel mehr. Die Event-Seite zu den 100Moments wird regelmäßig aktualisiert und erweitert, also lohnt es sich, häufiger mal vorbeizuschauen.
100 Jahre IFA – im Gespräch mit Leif Lindner
Leif Lindner, CEO der IFA Management GmbH, ist dieser Tage, zum Start des IFA-Kickoffs, ein gefragter Mann. Das neue Motto der Messe ist Innovationen Für Alle.
(Bild: Dominik Tryba)
Rückblickend auf die IFA-Erfolgsgeschichte, denn nicht jede Messe kann von sich behaupten, sich kontinuierlich zu einem derartig viel beachteten Event entwickelt zu haben, welche Entwicklungen der vergangenen Jahre sehen Sie, Herr Lindner, als bedeutend und wegweisend für die Unterhaltungs- und Gebrauchselektronik?
Leif Lindner: Zunächst danke und Sie haben recht. Die IFA ist eine Erfolgsgeschichte, eng verknüpft mit den Innovationen und Launches in der Vergangenheit. Dazu gehören das Farbfernsehen, das 1967 von Willy Brandt gestartet wurde, dazu gehört der ikonische Walkman, der auf der IFA gezeigt wurde. Vor über zehn Jahren wurde der erste OLED-Bildschirm auf der Messe präsentiert.
Ein Highlight für mich werden wir möglicherweise erst in den kommenden Jahren richtig begreifen, nämlich dass künstliche Intelligenz in so vielen Produkten integriert ist. Manchmal offensichtlich, manchmal nicht. Viele Computer-Hersteller werden vor der IFA ihre AI-Computer vorstellen und im Rahmen der Messe etwas dazu sagen. Und dann muss man sich mal anschauen, wie sich die Leistungsfähigkeit der Prozessoren in den vergangenen zwei Jahren entwickelt hat. Experten sagten vor zwei Jahren eine Verdopplung in den nächsten 18 Monaten voraus – und es hat tatsächlich nur elf gedauert. Das zeigt, wie schwer das Thema KI greifbar ist, aber auch welches Potenzial dahintersteht.
Als wichtig empfinde ich auch Mikroprozessoren, die viele Entwicklungen überhaupt erst möglich gemacht haben. Und vergessen dürfen wir nicht das Internet. Das sind für mich die wichtigsten Höhepunkte.
Aber es gibt neben der technologischen Entwicklung andere neue Herausforderungen und Trends von außen, der Gesellschaft, beschleunigt durch Corona. Denn „wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ und so standen und stehen dieses Jahr viele Veränderungen an.
Erzählen Sie unseren Lesern doch gerne etwas über den Entscheidungsprozess, welche Momente Sie für die 100Moments-Kampagne ausgewählt haben. Haben Sie unterschiedliche Gewichtungen bei den Aktionsbereichen gelegt, um pro Aktion oder Aktionsblock unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen?
Gerade heute launchen wir die nächsten Momente auf unserer eigenen 100Moments-Kampagnen-Seite. Das Programm ist vielfältig, divers und spannend für Technikfans, solche, die es werden wollen, aber sie machen die IFA zu einem echten Place-to-be. C/O Berlin, die Metal Hammer Awards, SuperherosBall (im Rahmen des CSD), Keynotes, Influencer, AI. Wir haben uns überlegt: Wenn Technik in allem ist, dann kann und muss die IFA sogar im Lebensalltag der Menschen eine Rolle spielen, auch jenseits von weißer und brauner Ware.
Sie wollen mit 100Moments die auf die Jubiläumsmesse hinführen, neue Erinnerungen und Erfahrungen schaffen sowie das Interesse der GenZ an Technik wecken. Wie gelingt Ihnen das in einem Zeitalter, in dem Medien, Neuigkeiten und Begeisterung vornehmlich online in sozialen Medien wie TikTok geteilt und konsumiert werden?
Andersherum: Ein Fotoalbum aus den 90er-Jahren ist heute ein Relikt, genau wie der Gameboy, der Walkman. Trends und Megatrends sowie Hypes entwickeln sich dynamisch und aktuell, auch beschleunigt durch bahnbrechende Optionen der KI, schneller als je zuvor. Wir müssen also am Puls der Zeit bleiben: Influencer Registrierungen, Content Creation, Fotografie, ein höherer Fokus auf passgenaue Kommunikation, Social Media Kampagnen aber auch unser Rebranding und Redesign, bewusst mit Highsnobiety umgesetzt, stehen für einen modernen Zeitgeist, der sich weiterentwickeln will. Andere Formate wie eine OMR, Gamescom etc. zeigen darüber hinaus: Es ist eine Frage der Themenauswahl, Kuratierung und faszinierenden Angeboten; wenn das gelingt und dann noch der Sommergarten brennt, dann haben wir eine echte Chance für eine mediale Reichweite auf klassischen und neuen Kanälen.
Denken Sie, dass die IFA ein wichtiges Werkzeug werden und sein kann, um Jugendliche für MINT-Studiengänge und Berufe in der Elektronikindustrie zu begeistern?
Absolut. Wir sind eine B2B- und B2C-Messe, dadurch erreicht die Industrie zum Beispiel bei uns potenzielle Studierende, im War for Talents. Lösungen sind natürlich nicht von heute auf morgen machbar und natürlich wünscht sich (auch unser Team) junge Themen richtig zu spielen, sodass auch die junge Generation schnell wieder die IFA mehr denn je zu sich entdeckt.
Welche Hebel sehen Sie, um die „Jugend“ von den eher „trockenen“ Themen zu überzeugen? Denn die neueste Technik haben will jeder, doch kaum jemand interessiert sich dafür, was darin steckt.
Ich bin davon überzeugt, dass es oft nicht an den Themen selbst, sondern an der Aufbereitung liegt. In der Vergangenheit waren Messen Ausstellungen, das Erlebnis im Kontext der Zeit faszinierte, aber heute wirkt das Konzept angestaubt und museal. Auch aus diesem Grund heißen wir nicht mehr Funkausstellung, sondern IFA steht für Innovation Für Alle/Innovation For All. Die Welt ist vielfältiger, die Themenwelten, die es zu entdecken gibt, werden es ebenso. Wir kommen aus dem Bereich Audio und Video, das reicht nicht mehr, um Menschen, gerade die GenZ zu begeistern. Hier braucht es einen Blick in die Zukunft, Influencer Einbindungen, Technik zum Staunen und Anfassen. Der Mix macht es aus. KI ist ein gutes Beispiel, wie Technologien und Innovationen in unseren Alltag eindringen und an Bedeutung gewinnen werden. Daher liegt auf diesem Thema eines der Hauptaugenmerke dieses IFA-Jahr.
Menschen kommunizieren und erleben heute ganz anders als noch vor 20 Jahren. Denken Sie, dass Sie mit Ihrem Content Creation Hub die richtigen Leute aus dem Stand erreichen oder engagieren Sie etwa Influencer, um die Messe in ihre Communitys zu tragen?
Der Content Creation Hub erreicht die richtigen Leute, vor allem aber auch dann: wenn wir als IFA darüber sprechen. Wir haben in der Vergangenheit schon spannende Influencer auf der Messe gehabt, aber wer eine Story nur in der Schublade hat und sie nicht erzählt, wird damit auch niemand erreichen. Dann bleibt es eben ein Skript. Wir werden die junge Generation also mit Influencern, Testimonials, besonderen Momenten auf das Messegelände ziehen und dann ist es an uns, sie zu lenken und Angebote sichtbar zu machen. Von denen wiederum sind wir dieses Jahr überzeugt: sie werden gefallen.
Die Elektronikbranche entwickelt sich rasant zu „modernen“ Themen wie künstliche Intelligenz. Ähnlich wie bei Technologien wie Virtual und Augmented Reality ist es nicht ganz einfach, diese Errungenschaften zu visualisieren; es handelt sich schließlich nicht um ein Ausstellungsstück, das sich einfach berühren ließe. Künstliche Intelligenz wird auf Fachmessen meist mit wenig spannenden Bildschirmwänden dargestellt; eindrucksvolle und einfach darstellbare Entwicklungen wie Festos autarke Bienendrohnen sind da eher die Ausnahme. Wie möchten Sie KI/VR/AR dem Konsumenten künftig näherbringen?
Eine spannende Frage. KI ist bereits, wie schon erwähnt, in unserem Alltag angekommen: SmartHome, Fahrassistenz, ChatGPT. Es geht darum, Menschen zu erklären und zu überzeugen: KI ist eine Innovation der Chancen und nicht der Risiken. Momentan ist hier das Verhältnis in Deutschland noch ein wenig ambivalent.
Da setzen wir an: mit dem Handelsblatt AI Summit zum Beispiel und vielen anderen spannenden erlebbaren Highlights, vor allem auch im Bereich von IFA Next. Robotic, Mechatronik, Medical Technologies sind weitere Bereiche, haben zudem schon die Zukunft zum Anfassen etabliert. Sowas hilft uns.
Wenn es den Herstellern nicht gelingt, den Besuchern Digitalthemen wie KI näherzubringen und sie erlebbar zu machen, denken Sie, dass Messeveranstaltungen künftig eher einen digitalen, virtuellen Weg gehen werden, statt große Messehallen mit großen (und teuren) Ständen zu füllen?
Messen, wenn die Formate modern sind, werden bleiben und sind aktuell auf dem Niveau von vor Corona. Aber sie müssen sich immer wieder neu erfinden. Dazu gehört eben Themen, wie KI, aber auch Nachhaltigkeit oder Content Creation, Gamification etc. in Auftritte zu integrieren. Wenn das gelingt, dann werden Messen sogar noch wachsen können und attraktiver werden. Beispiel OMR, die jedes Jahr größer wird.
Glauben Sie, dass große Allgemeinmessen wie die IFA neben hoch spezialisierten Fachmessen ihr Dasein rechtfertigen können? Denn der Messekalender ist voll und Zeit ist eine wertvolle Ressource, die Hersteller, Entwickler und Besucher mittlerweile gezielter einsetzen.
Gerade dieser Mix ist doch ein Alleinstellungsmerkmal der IFA. Hier gibt es die einzigartige Chance, B2B und B2C zu vernetzen, Themen zu verbinden, Trends und Innovationen aus den Nischen heraus in den Mittelpunkt der Besucher zu rücken. Vom Allgemeinen zum Speziellen, von der Massentauglichkeit zur Nische funktioniert oft besser, als direkt durch Fachchinesisch die Zielgruppe einzuschränken. Hersteller und Unternehmen sollten diese Chance verstehen – denn sie ist größer als je zuvor.
Wo sehen Sie die IFA in den nächsten 10 und in den nächsten 100 Jahren?
In Berlin! Erreichbar mit Flugtaxen, breit aufgestellt und erlebbar in der ganzen Stadt und durch neue Technologien und Reisemöglichkeiten vernetzt mit der ganzen, hoffentlich friedlichen Welt. Die Welt, wie damals bei der WM und aktuell bei der EM zu Gast bei uns als Freunden.