BKA-Studie: Cybercrime 2010 10 Tipps des BKA zum Schutz vor Internetkriminalität

Redakteur: Margit Kuther

Der Schaden, verursacht durch Internetkriminalität, stieg 2010 um 66%. Die Zugangsdaten von fast 7 Mio. Nutzern wurden ausspioniert und Pishing-Fälle bei Online-Banking nahmen um über 80% zu. Wie sich Privatpersonen und Unternehmen schützen können, verraten BKA und BITKOM.

Anbieter zum Thema

Internetkriminalität: Der verursachte Schaden stieg 2010 um 66% (Bild: Bitkom)
Internetkriminalität: Der verursachte Schaden stieg 2010 um 66% (Bild: Bitkom)

Mit der Nutzung des Internets wächst die Internet-Kriminalität, so das Ergebnis des aktuellen Bundeslagebilds "Cybercrime 2010“ des Bundeskriminalamtes (BKA) sowie die aktuelle Umfrage des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM). „Insbesondere die Ausspähung von Online-Zugangsdaten ist im Vergleich zu 2010 stark angestiegen“, sagte Prof. Dieter Kempf, BITKOM-Präsident und Vorstandsvorsitzender des Vereins „Deutschland sicher im Netz“ (DsiN).

Cyberkriminelle wollen die Identität ihrer Opfer

„2010 wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik rund 250.000 Fälle registriert, in denen das Internet zur Tatbegehung genutzt wurde", so BKA-Präsident Jörg Ziercke. "Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme von 20%.

Im Zielspektrum der Cybergruppierungen steht die vollständige Identität der Internet-Nutzer, die die Täter bedarfsangepasst und flexibel für ihre kriminellen ‚Geschäftsmodelle’ missbrauchen.“

Cybercrime umfasst Straftaten, die mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik oder gegen diese begangen werden. Bei fast der Hälfte (rund 27.000) dieser Fälle handelte es sich um Computerbetrügereien, wie das Phishing von Onlinebanking-Daten oder den missbräuchlichen Einsatz von Kreditkartendaten, so die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS).

Negative Erfahrungen machten 70 Prozent der Internetnutzer

Laut der aktuellen BITKOM-Umfrage haben 70% aller deutschen Internet-Nutzer ab 14 Jahren schon einmal negative Erfahrungen im Web gemacht. Viren und andere Schadprogramme stehen dabei für 47% der User, also gut 25 Mio. Personen, an erster Stelle. Im Vorjahr waren es noch 43%.

Jeder Siebte fühlte sich von einem Geschäftspartner betrogen, beispielweise bei Online-Auktionen. Von rund 3,7 Mio, auf knapp 7 Mio. stieg die Zahl der User, deren Zugangsdaten zu Plattformen, Email-Diensten, Auktionshäusern oder Online-Banking ausspioniert wurden.

20 Prozent surfen ohne Virenschutz und Firewall

Trotz der negativen Erfahrungen vernachlässigen noch immer viele Internet-Nutzer ihre Sicherheit: Gemäß der BITKOM-Studie Datenschutz im Internet verwenden erst drei Viertel aller Internet-Nutzer ein Virenschutzprogramm und 70% eine Firewall, die den Datenverkehr eines Rechners mit der Außenwelt auf Sicherheitsprobleme hin kontrolliert. Jeder Fünfte surft ohne Virenschutz oder Firewall.

Cybercrime-Fälle stiegen 2010 um 19 Prozent

Insgesamt stieg die Zahl der Computerbetrügereien um fast 20%. Der registrierte Schaden aller Cybercrime-Delikte ist um zwei Drittel auf insgesamt rund 61,5 Mio. Euro (2009: fast 37 Mio,) gestiegen. Besonders stark zugenommen hat das so genannte Phishing im Zusammenhang mit Online-Banking. Für 2010 wurden dem BKA rund 5300 Fälle gemeldet, 82% mehr als im Jahr zuvor. Die durchschnittliche Schadenssumme betrug rund 4000 Euro pro Fall.

„Verschiedene Trojaner sind speziell auf den deutschen Bankenmarkt ausgerichtet und verfügen über das technische Potenzial, das iTAN-Verfahren erfolgreich anzugreifen“, warnte BKA-Präsident Ziercke. „Wer Online-Banking macht, sollte unbedingt auf die neuen Verfahren wie chip-TAN umsteigen“, sagte Kempf.

Auch Smartphones werden gezielt attackiert

Ziercke: „Die Täter folgen dem Nutzungsverhalten der Anwender. Mobile Endgeräte werden infiziert, um parallel zum PC auch an die Daten möglicher SMS-basierter Authentifizierungsverfahren zu gelangen, etwa für Online-Banking oder E-Commerce per Kreditkarte.“

Zugenommen haben laut Lagebericht verschiedene Ausprägungen der digitalen Erpressung. Hier fordern Täter eine Art Lösegeld, beispielsweise für das Nicht-Weitergeben gestohlener Daten oder das Unterlassen digitaler Angriffe auf die Unternehmens-Homepage.

Betrüger verkaufen kriminelle Infrastrukturen

Ziercke warnt vor der Anpassungsfähigkeit der Cyber-Kriminellen: „Die Internet-Betrüger arbeiten zumeist auf internationaler Ebene arbeitsteilig zusammen. Sie begehen nicht nur selbst die Straftaten, sondern bieten auch Schadprogramme oder komplette kriminelle Infrastrukturen in den Foren der Underground Economy global zum Kauf oder zur Miete an.“ Dabei seien die angebotenen Werkzeuge aufgrund ihrer relativ einfachen Handhabung auch für Täter ohne fundierte IT-Spezialkenntnisse nutzbar.

Unternehmen werden verstärkt Ziel der Online-Betrüger

Über die Hälfte aller Unternehmen, die 2010 Opfer von Wirtschaftskriminalität wurden, hatten Schäden durch Cybercrime. 2006 lag der Wert noch bei 23%. Betroffen sind kleine wie große Unternehmen. Zwar sind große Konzerne in aller Regel technisch gut ausgestattet im Kampf gegen Online-Kriminelle. Die Angriffe sind jedoch zielgerichteter und geschickter geworden.

Kleinere und mittlere Unternehmen haben oft Nachholbedarf bei der Organisation ihrerIT-Sicherheit. So das Ergebnis der Umfrage „Deutschland sicher im Netz“ unter fast 1400 meist kleineren Unternehmen: Nur jedes Vierte schult und informiert regelmäßig seine Mitarbeiter, nur jedes Dritte hat ein IT-Sicherheitskonzept, das von der Geschäftsleitung getragen wird. 37% sichern ihre geschäftlichen Daten nicht täglich, 7% nie.

Cyber-Kriminelle setzen vermehrt auf Social Engineering

Cyber-Kriminelle versuchen, sich Zugang zu sensiblen Informationen zu verschaffen, indem sie Mitarbeiter unter Druck setzen oder ihre Hilfsbereitschaft ausnutzen“, sagte Kempf.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:28125250)