Intelligente Assistenzsysteme für Sicherheit, Komfort & Gesundheit 1. Deutscher Kongress Ambient Assisted Living (ALL) in Berlin eröffnet

Redakteur: Claudia Mallok

BMBF und VDE führen vom 30. Januar bis 2. Februar gemeinsam den 1. Deutschen Kongress zum neuen Forschungs- und Anwendungsgebiet „Ambient Assisted Living – AAL“ in Berlin durch. Der mit 350 Teilnehmern ausgebuchte Kongress beleuchtet in mehr als 120 Beiträgen das Technologiefeld intelligenter Assistenzsysteme für Gesundheit und Senioren, Sicherheit, Privatsphäre, Wohnen sowie soziales Umfeld, Ausbildung und Lernen.

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Der VDE sieht sehr gute Chancen für Deutschland, auf dem Zukunftsmarkt des Ambient Assisted Living (AAL) international eine Führungsposition einzunehmen. Beispiele für die technischen Assistenzsysteme sind „mitdenkende“ Elektroprodukte, Telemedizin oder Steuerungs- und Warnsysteme. „Für diesen Optimismus spreche die besondere interdisziplinäre Innovations- und Technologiekompetenz, die Wirtschaft und Hochschulen hierzulande auszeichnen“, so VDE-Vorstandsvorsitzender Dr.-Ing. Hans Heinz Zimmer zur Eröffnung des von BMBF und VDE organisierten 1. Deutschen Kongresses für Ambient Assisted Living heute in Berlin.

Neuem Technologiefeld steht rasanter Aufschwung bevor

Nach Einschätzung von BMBF und VDE steht das neue Technologiefeld vor einem rasanten Aufschwung. Neben der Systemkompetenz bucht der VDE die Innovationsstärke in denjenigen Zukunftstechnologien als Standortvorteil, die die Grundlage für Ambient Assisted Living bilden. IT, Mikrosystemtechnik und Robotik haben für Ambient Assisted Living in allen Bereichen herausragende Bedeutung. Intelligente lebensbegleitende Assistenzsysteme führen verschiedene Technologien in spartenübergreifenden Lösungen zusammen; die Informationstechnologie spielt gleichsam als „neuronales Netz“ eine entscheidende Rolle.

Wachstums- und Innovationstreiber sind laut VDE derzeit vor allem die demographische Entwicklung und der Gesundheitssektor. Hier ist der Bedarf am dringendsten und die Wirkung am größten. Intelligente Monitoringanwendungen unterstützen das selbständige Wohnen im Alter, die Betreuung Pflegebedürftiger, das Management von chronischen Erkrankungen, die Überwachung von Risikofaktoren, die Gesundheitsprävention, aber auch Mobilität und Sicherheit.

Mittelfristig stehen intelligente Assistenzsysteme für Sicherheit, Komfort und Gesundheit in allen Lebensphasen

Beispielsweise könnte durch die AAL-Anwendung Telemonitoring ein erheblicher Teil der Herz-Kreislauf-Patienten, die heute noch an ihrer Krankheit sterben, gerettet werden. Gleichzeitig ließe sich der zweistellige Milliardenaufwand für diese Volkskrankheit Nummer 1 deutlich reduzieren. Erste gesundheitsökonomische Studien weisen für einzelne Krankheitsfelder wie beispielsweise chronische Herzinsuffizienz Kostenreduzierungen um mehr als 50% aus. Mittelfristig werden intelligente Assistenzsysteme für Sicherheit, Komfort und Gesundheit in allen Lebensphasen stehen und, etwa bei Hausarbeit und Services, nicht zuletzt beruflich stark beanspruchte jüngere und mittlere Jahrgänge ansprechen.

Technische Basis des „Ambient Assisted Living“ ist die Durchdringung der Gegenstände des täglichen Lebens mit Informations- und Kommunikationstechnik. Um die notwendige Umgebungs- und Verarbeitungsintelligenz für den Nutzer bereitzustellen werden hochgradig integrierte und zugleich verteilte Anwendung mit einer hohen Kommunikationsfähigkeit benötigt. Die Erfassung der notwendigen Daten (Vitaldaten, Umgebungsdaten) erfolgt über körpernahe oder räumlich verteilte Sensorssysteme. Die Bandbreite der eingesetzten Technologien reicht von der intelligenten Datenverarbeitung bis zur automatischen Entscheidungsunterstützung. Quelle: Prof. Dr.-Ing. Stefan Jähnichen, Technische Universität Berlin (Archiv: Vogel Business Media)

Unter dem Begriff „Ambient Assisted Living“ werden Entwicklungen und Assistenzsysteme zusammengefasst, welche eine von Technik unterstützte intelligente Umgebung darstellen, um Menschen vor allem in Situationen von Ermüdung, Überforderung und Komplexität zu entlasten.

Ziel der Assistenzsysteme ist es, den Nutzer in seinen alltäglichen Handlungen bestmöglich und nahezu unmerklich zu unterstützen und ihm Kontroll- und Steuerleistungen abzunehmen. Durch die technische Assistenz wird der gerade der reife Menschdazu befähigt, altersbedingte Einschränkungen weitgehend zu kompensieren.

Die oftmals personalisierten Assistenzsysteme beinhalten Erinnerungsfunktionen, z.B. zur Einnahme von Medikamenten, sie fordern zur Handlung auf, wie z.B. während der Durchführung eines Bewegungsprogrammes, sie trainieren kognitive Fähigkeiten für den Er-halt der geistigen Kapazität oder sie unterstützen die Fortbewegung zu hause und im öffentlichen Raum.

Die Beiträge aus der Informatik reichen hier von der Erfassung von Vitaldaten chronisch Kranker über Informationssysteme zur Bildung sozialer Netzwerke bis hin zu Navigations- und Assistenzsysteme für die problemlose Fortbewegung älterer Menschen im öffentlichen Raum.

Um die notwendigen Daten zu erfassen, die für die Entscheidungsfindung und das Vorschlagswesen eines Assistenzsystems notwendig sind, interagieren die einzelnen AAL-Anwendungen oftmals mit einer instrumentierten, d.h. einer mit Sensorik ausgestatteten, intelligenten Umgebung.

Die Bedeutung von intelligenten Assistenzsystemen verdeutlicht das unten stehende VDE-Hintergrundpapier im PDF-Format.

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