Umfrage unter OEMs Wie zufrieden sind OEMs mit ihrem EMSler – und wie schnell wollen sie wechseln?

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

Über mehrere Monate des Jahres 2025 wollte EMS Scout mittels einer Umfrage herausfinden, wie zufrieden die OEMs mit ihrem EMS-Dienstleister sind und was sie verbessern können. Die Ergebnisse geben einen interessanten Einblick und zeigen: Zufriedenheit ist kein Ruhekissen für EMS.

Die Verantwortlichen von EMS Scout wollen die OEM-Umfrage in den kommenden Jahren für Langzeitergebnisse fortführen.(Bild:  frei lizenziert / Pexels)
Die Verantwortlichen von EMS Scout wollen die OEM-Umfrage in den kommenden Jahren für Langzeitergebnisse fortführen.
(Bild: frei lizenziert / Pexels)

OEMs sind überwiegend mit ihrem EMS-Dienstleister zufrieden, doch die Kommunikation mit dem Partner und seine Flexibilität bleiben Schwachstellen – das ist eine der gewichtigeren Aussagen einer Umfrage von EMS Scout unter OEMs. Grundsätzlich wird die Zusammenarbeit mit EMS-Dienstleistern insgesamt positiv bewertet. Gleichzeitig aber machen die Ergebnisse deutlich, dass insbesondere bei Kommunikation, Transparenz und Flexibilität weiterhin Verbesserungspotenzial besteht.

Grundlage der Auswertung ist eine Umfrage von EMS Scout, an der zwischen Juni und Oktober 2025 insgesamt 142 Unternehmen teilgenommen haben. Befragt wurden OEMs unterschiedlicher Branchen, Unternehmensgrößen und Einkaufsvolumina. Ihnen wird auffallen, dass weniger als 150 Unternehmen nur einen kleinen Prozentsatz der OEM-Community ausmachen, zu der allein in Deutschland geschätzt mehrere Tausend gehören. Deswegen wollen die Initiatoren der Umfrage, Michael Künsebeck und Matthias Holsten von EMS Scout, diese Umfrage jährlich wiederholen. So lassen sich Trends verfolgen, wertvolle Schlüsse ziehen und möglicherweise auch weitere Teilnehmer gewinnen. Sollten Sie Interesse an der vollen Umfrageauswertung haben, dann sollten Sie EMS Scout diesbezüglich kontaktieren.

Zufriedenheit mit Einschränkungen

Die Mehrheit der befragten OEMs gibt an, mit ihren EMS-Partnern grundsätzlich zufrieden zu sein. Auf dieser sollte sich allerdings nicht ausgeruht werden, denn sie ist nicht gleichbedeutend mit reibungslosen Abläufen. Vielmehr zeigt die Umfrage ein differenziertes Bild: Während Qualität und technische Kompetenz vielfach als solide eingeschätzt werden, geraten operative Aspekte stärker in den Fokus der Kritik.

Genauer: Kommunikation stellt ein zentrales Problemfeld dar. OEMs bemängeln im Rahmen der Umfrage unter anderem eine mangelnde Transparenz bei Lieferterminen, unzureichende proaktive Information bei Verzögerungen sowie Abstimmungsprobleme bei Änderungen im laufenden Projekt. Gerade in einem Umfeld volatiler Lieferketten und kurzfristiger Anpassungen gewinnt dieser Aspekt enorm an Bedeutung, wenn es um die eigene Liefersicherheit geht.

Flexibilität und Lieferfähigkeit unter Druck

Eng damit verbunden sind Themen wie Flexibilität und Terminzuverlässigkeit. Viele OEMs erwarten von ihren EMS-Partnern eine höhere Reaktionsfähigkeit bei kurzfristigen Bedarfsänderungen sowie ein belastbares Beschaffungs- und Lieferzeitmanagement. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Erwartungen nicht immer erfüllt werden können. Das geschieht weniger aus mangelndem Willen, sondern aufgrund struktureller Herausforderungen entlang der Lieferkette.

In diesen Kontext fällt auch der Blick auf Digitalisierung und KI. Beide Faktoren spielen in den Investitionsüberlegungen der OEMs durchaus eine Rolle. Der Handlungsdruck wird jedoch überwiegend als mittel- bis langfristig eingeschätzt und konkrete Anforderungen an ein erweitertes Leistungsportfolio der EMS-Dienstleister formuliert bislang nur eine Minderheit der OEMs. Der Anspruch an technologische Weiterentwicklung wächst dennoch.

Box-Building bleibt Randthema

Ein weiteres, interessantes Ergebnis der Umfrage zeigt, dass komplettes Box-Building weiterhin nur von einem vergleichsweise kleinen Teil der OEMs an EMS-Dienstleister vergeben wird. Für viele EMS-Anbieter bleibt dieser Bereich damit ein Differenzierungsmerkmal, jedoch kein flächendeckender Marktstandard.

Event-Tipp

Das Managementtreffen für die EMS-Branche

Der EMS-Tag gilt als eines der wichtigsten Managementtreffen der Branche, bei dem aktuelle Veränderungen, erfolgversprechende Strategien, generelle Managementfragen und wichtige technologische Entwicklungen in der Elektronikwelt analysiert und diskutiert werden. Das Programm bietet praxisorientierte Vorträge und interessante Einblicke in den EMS-Markt.

Wechselbereitschaft als Warnsignal

Trotz der insgesamt positiven Grundstimmung signalisiert rund ein Drittel der Befragten, dass sie es für wahrscheinlich halten, innerhalb der nächsten sechs Monate einen neuen EMS-Partner zu suchen. Diese Wechselbereitschaft steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zur geäußerten Zufriedenheit und verweist darauf, dass operative Schwächen langfristig die Stabilität von Kundenbeziehungen gefährden können.

Geopolitische Faktoren hingegen spielen aus Sicht der befragten OEMs derzeit eine untergeordnete Rolle. Knapp 80 Prozent sehen keinen oder nur geringen Einfluss der aktuellen US-Politik auf ihre Geschäftsbeziehungen zu EMS-Dienstleistern. Die Ergebnisse der EMS-Scout-Umfrage zeichnen das Bild einer Branche, die aus OEM-Sicht solide arbeitet, sich aber zunehmend an höheren Maßstäben messen lassen muss. Kommunikation, Transparenz und Flexibilität entwickeln sich zu entscheidenden Kriterien für die Zusammenarbeit und damit zu zentralen Stellschrauben für EMS-Anbieter, die ihre Kundenbeziehungen langfristig sichern wollen. (sb)

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