Auf dem 2. World Ethical Electronics Forum sprachen wir mit Prof. Dr. Stefan Heinemann über ethisches Verhalten von Unternehmen und die Verantwortung der Menschen in unserer Elektronikbranche.
Prof. Dr. Stefan Heinemann im Interview mit EP-Chefredakteur Johann Wiesböck auf den WEEF 2022 während der electronica.
(Bild: Elektor)
Prof. Dr. Stefan Heinemann ist Professor für Wirtschaftsethik an der FOM Hochschule für Angewandte Wissenschaften und unterstützt das World Ethical Electronics Forum seit dem Start 2021. Auf der electronica sprachen wir mit ihm über die Bedeutung ethischen Verhaltens von Unternehmen.
Wann sind Sie zum ersten Mal bewusst mit Ethik in Berührung gekommen? Und wann haben Sie sich entschieden, Ethik-Professor zu werden?
Ich bin sicher, wie bei den meisten Menschen, wurde moralisches Verhalten in meiner frühen Erziehung geformt. Das ist mir vor allem in meinen eigenen biographischen Fehlern sehr bewusst geworden; Ich wurde nicht als moralisches Genie geboren. So viel zu den tatsächlichen Taten. Die Reflexion über diese Aktion, mein sehr intensives Studium der Philosophie und Theologie haben sicherlich auch dazu beigetragen, sowie gute Freunde, Partnerschaften, Erfahrungen im Geschäftsleben und der akademischen Gemeinschaft.
Wie wichtig ist ethisches Verhalten von Organisationen und Unternehmen?
Geschäfte ohne ethisches Fundament sollen nicht sein und wenn, dann nicht langfristig erfolgreich sein. In einer Zeit, in der die Polykrise vielleicht das Langfristigste ist, was wir haben, ist die Verantwortung der Wirtschaft wieder ins Bewusstsein gerückt und meiner Meinung nach von zentraler Bedeutung. Denn wenn es nicht gelingt, saubere, nachhaltige und gute Geschäftsmodelle zu entwickeln oder dort weiterzuentwickeln, wo sie bereits existieren, entscheidet glücklicherweise am Ende ein Wettbewerb von Systemen, die keinen Fortschritt darstellen. Zumal auf der Ebene des einzelnen Unternehmens und des einzelnen Stakeholders an einer ethischen Einordnung des Unternehmens als Teil der Gesellschaft aus ethischen, wie auch aus ökonomischen Gründen letztlich kein Weg vorbeiführt.
Was raten Sie Unternehmen, die ihr ethisches Verhalten weiterentwickeln wollen?
Seien Sie mutig zu investieren und sehen Sie Ethik nicht nur als Kosten und Aufwand, sondern als echte Chance, für neue Generationen attraktiver zu werden, morgen für die Kunden von heute attraktiver zu werden und Ihr regulatorisches Risiko gering zu halten. Öffnen Sie Ihre Organisation für ethische Erkenntnisse, anstatt viel Geld dafür ausgeben zu müssen, die Organisation für Missbrauch zu schließen.
Welchen Nutzen könnten Organisationen und Unternehmen aus ethischem Verhalten ziehen?
Ethik ist autark, aber sie wirkt in der Welt und tut dies in der Wirtschaft. Nachhaltiges Wirtschaften lohnt sich aus der Nachhaltigkeit selbst. Es geht nicht mehr um Wachstum als Selbstzweck, sondern um verantwortungsvolle Gewinne, die jedes Unternehmen haben sollte und darf, die aber nicht mehr der eigentliche Mittelpunkt der Steigerung sind. Nachhaltigkeit der Gewinne ist der entscheidende Gewinn.
Welche ethischen Fragen und welche Verantwortung sehen Sie bei den Mitarbeitern?
Als wichtiger Akteur im Unternehmen haben die Mitarbeiter eine klare moralische Verantwortung. Sowohl als Führungskraft als auch als Fachkraft und über alle Hierarchieebenen hinweg. Denn am Ende sind sie es, die die Zukunft gestalten. Und die professionelle Wahrnehmung dieser Verantwortung ist gleichzeitig eine Absicherung der eigenen Zukunft, denn diese Verantwortungsübernahme ist durch Algorithmen auf Dauer nicht möglich und selbst wenn, wäre dies auch ethisch problematisch.
Wie sehen Sie das kommende deutsche Lieferkettengesetz?
Zu viel Bürokratie darf übrigens niemand aus ethischen Gründen wollen, denn das ist Verschwendung. Aber auch die freiwillige Selbstverwaltung und Selbstverpflichtung der zentralen Anliegen der SCDDA hat nicht funktioniert. Es komme zwar zu einem richtigen Projekt, komme aber zunächst zu spät und zunächst nur für größere Unternehmen ab etwa 3000 Mitarbeitern, wobei der Effekt für kleinere und mittelständische Unternehmen als Zulieferer natürlich spürbar sein werde. Damit sind derzeit rund 900 Unternehmen in Deutschland direkt vom Lieferketten-Sorgfaltspflichtgesetz betroffen. Ab 2024 werden die gesetzlichen Regelungen deutlich und deutlich auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten ausgeweitet. Damit wären dann insgesamt rund 4.800 deutsche Unternehmen regulatorisch mit an Bord. Ethisch gibt es zu solchen Projekten keine Alternative.
Wie unterstützt die EU Ethik und Nachhaltigkeit in Industrie, Handel und Unternehmen?
Stand: 08.12.2025
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Die EU setzt Rahmenbedingungen, Richtlinien und bietet viele Möglichkeiten, sich als Interessenvertreter zu beteiligen. Die Hauptidee, dass ethische Märkte Wettbewerbsvorteil auf globaler Ebene haben, ist richtig.
Welche anderen Botschaften oder Ratschläge haben Sie für Menschen in der Elektronikindustrie?
Erfolg hat vier Buchstaben, Do it! Gerade die Elektronikindustrie trägt so viel Verantwortung, weil sie mit ihren sehr heterogenen Unternehmen einen wesentlichen Beitrag zur Digitalisierung im nachhaltigen Sinne leisten kann und soll. Im globalen Wettbewerb und in der Einbindung in entsprechende Lieferketten, die, wie wir in den letzten Jahren wieder lernen durften, nicht einfach ewig entspannt weitergehen, ergeben sich viele neue Herausforderungen, aber auch echte Chancen für die, die es wollen sich dem Thema Nachhaltigkeit, Ethik, Menschenrechte und Co. nicht verschließen oder irgendwie versuchen, es so zu managen, dass es möglichst wenig Ärger macht, sondern es aktiv auf die Agenda setzen und mutig weiterentwickeln.
Worüber machen Sie sich derzeit am meisten Sorgen?
Offensichtlich haben auch viele Menschen wie ich unterschätzt, wie stark Macht und Irrationalität noch in unserer Welt wirken. Pandemiekrieg und Klimazerstörung bringen uns an einen Punkt, an dem es keine Alternative mehr gibt, als das Richtige zu tun, und das kann nur bedeuten, verantwortungsvoll zu wirtschaften und im Sinne der Menschenrechte zu regieren. Aus der so wichtigen ethischen Verantwortung für nachfolgende Generationen wird schon jetzt eine Ethik für die lebenden Generationen auch für die Älteren unter uns wie mich, denn auch uns wird es alle noch zu Lebzeiten treffen, die wir mittlerweile merken.
Wir sind alle zusammen die letzte Generation, die noch etwas herumreißen kann. Wenn wir es nicht tun, wird es für alle späteren Generationen unendlich viel schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich. Und da mag sich jeder Einzelne und ich ganz selbstkritisch auch für Sie persönlich fragen, ob die tollen Jahrzehnte, die wir jetzt hatten, nicht ausreichen, um sich ganz klar und verantwortungsbewusst auf Möglichkeiten und Chancen zu konzentrieren, unseren Kindern und ihren Kindern noch tolle Jahrzehnte zu ermöglichen.
Außerdem soll all jenen Menschen geholfen werden, die einfach kein tolles Jahrzehnt hinter sich haben, sondern in Armut, Hungerkrieg und unter schrecklichen Bedingungen leben mussten und müssen. Ich bleibe Optimist, aber es fällt mir von Jahr zu Jahr schwerer. Umso wichtiger ist es, immer wieder neue Impulse zu bekommen, die zeigen, dass es Hoffnung gibt, die Gründe nennt.
Hintergrund Prof. Dr. Heinemann
Prof. Dr. Stefan Heinemann ist Professor für Wirtschaftsethik an der FOM Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Sprecher des Ethics Ellipse Smart Hospital an der Universitätsmedizin Essen und beschäftigt sich mit der ökonomischen und ethischen Perspektive der digitalen Medizin und der Gesundheitswirtschaft. Er ist wissenschaftlicher Leiter des HAUPTSTADTKONGRESS Lab (Springer Medicine, Wiso) sowie Leiter der Forschungsgruppe „Ethik der digitalen Gesundheitsökonomie & Medizin“ am Institut für Gesundheit & Soziales der FOM Hochschule, Mitglied der „Arbeitsgruppe KI in der Inneren Medizin“ innerhalb der Kommission „Digitale Transformation der Inneren Medizin“ und Fachberaterin in verschiedenen Forschungs- und Bildungseinrichtungen.
World Ethical Electronics Forum und Award-Gewinner
WEEF-Arena auf electronica 2022
(Bild: Messe München GmbH)
Das World Ethical Electronics Forum (WEEF) inspiriert deutsche und europäische Elektronikunternehmen sowie globale Innovatoren mit offenen Diskussionen und Veröffentlichungen über Ethik und nachhaltige Entwicklungsziele. Besuchen Sie www.worldethicalelectronicsforum.com, um sich inspirieren zu lassen und teilzunehmen.
Im Rahmen der zweiten Veranstaltung auf der electronica wurde erstmals der WEEF-Award verliehen an Personen, deren Aktivitäten und Unternehmen besondere Verantwortung für Nachhaltigkeit und Ethik zeigen. Für den deutschsprachigen Raum erhielten den WEEF-Award für das Jahr 2022 Frank Stührenberg, CEO von Phoenix Contact, und Sven Krumpel, CEO und Owner von CODICO. Ihr persönlicher Einsatz und ihr soziales Handeln waren aus der Sicht der WEEF-Jury herausragend. (jw)