Lieferkettenmanagement Wie Unternehmen Risiken in der Lieferkette rechtzeitig erkennen und beheben

Ein Gastbeitrag von Sophie Kieselbach* 4 min Lesedauer

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Ist eine Lieferkette aktuell effizient, heißt das nicht, dass sie auch zukünftigen Veränderungen standhalten wird. Deswegen sollten auch langjährige, etablierte Lieferantenbeziehungen regelmäßig geprüft werden, um auf Veränderungen rasch reagieren zu können. Wie, verrät dieser Beitrag.

Lieferkettenmanagement: Für Unternehmenserfolg ist eine transparente, flexible Lieferkette unerlässlich.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Lieferkettenmanagement: Für Unternehmenserfolg ist eine transparente, flexible Lieferkette unerlässlich.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die aktuell größten Herausforderungen in der Lieferkette für Unternehmen in Deutschland sind Lieferausfälle (81 Prozent), die Corona-Pandemie (72 Prozent) und die hohen Treibstoff- und Energiepreise (71 Prozent). Weiterhin haben drei von vier Industrieunternehmen mit Produktionsbehinderungen durch knappe Rohstoffe und Vormaterialien zu kämpfen. Doch wie können Unternehmen Risiken in der Lieferkette schneller erkennen und bewältigen?

1. Vereinheitlichung und Zentralisierung von Informationen

Um Risiken zu identifizieren und zu bewerten, ist eine transparente Lieferkette unerlässlich. Dafür müssen jedoch zunächst alle Informationen vereinheitlicht werden. Denn viele Unternehmen speichern ihre Daten in verschiedenen Systemen, die sich teilweise noch von Standort zu Standort unterscheiden. Durch eine Vereinheitlichung der Daten wird sichergestellt, dass alle Inhalte – von den Produktdaten bis zur Dokumentation – an einem sicheren und leicht zugänglichen Ort gespeichert sind. Auch wenn dies einen zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeutet, wird die Effizienz interner Vorgänge dadurch erhöht und der Verwaltungsaufwand reduziert.

Auch die Zentralisierung der Systeme ist von Bedeutung, um solche Datensilos zu vermeiden. Zu Beginn der Pandemie war dies beispielsweise mit Remote Work schwierig, da von jetzt auf gleich Tools zur Zusammenarbeit benötigt wurden, dadurch entstand teils ein Flickenteppich aus unterschiedlichen genutzten Anwendungen. In Deutschland zum Beispiel waren im Jahr 2021 25 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland zumindest gelegentlich im Homeoffice tätig. Unternehmen benötigen daher entsprechende Lösungen wie Kollaboration-Tools, mit denen alle Informationen an einem Ort gesammelt und mit dem Team geteilt werden können.

2. Das Sammeln und Integrieren von Lieferantendaten

Lieferketten sind in den vergangenen Jahren komplexer geworden. Sie bestehen heute aus vielen verschiedenen Ebenen, die horizontal und vertikal miteinander verbunden sind. Diese Struktur der Lieferanten bis hin zum Produzenten des Endproduktes wird auch Zulieferpyramide genannt. Das oberste Unternehmen beschafft von der ersten Ebene, den Systemlieferanten, Produkte. Der Systemlieferant bezieht seine Ware wiederum von Modullieferanten. Danach folgen die sogenannten Komponenten- und Teilelieferanten. Auch wenn viele Unternehmen über ein System verfügen, um die erste Ebene ihrer Lieferkette zu verwalten, ist dies jedoch meist nicht mehr für die unteren Ebenen der Fall, was zu Schwierigkeiten führen kann.

Oftmals sammeln Unternehmen Informationen manuell – mittels direkter Kontaktaufnahme mit den Lieferanten. Dies ist jedoch sehr ineffizient und unzuverlässig, weil dieser Prozess zu Fehlern und Ungenauigkeit führen kann. Unternehmen sollten daher KI und Knowledge-Graph-Technologie einsetzen, damit Lücken gefüllt und Prozesse zur Beschaffung von Informationen modernisiert werden können. Dadurch ist es möglich, Komponenten und Materialinformationen mit globalen Lieferanten abzugleichen, während Einblicke in tiefgreifende Informationen gewonnen werden können. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Risiken frühzeitig zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen, wie die Identifizierung alternativer Lieferanten, abzumildern.

3. Reibungsfreies Teamwork

Funktionierende Lieferketten basieren auf Teamwork – auch über mehrere Abteilungen und Unternehmen hinweg. Für folgende Prozesse ist eine reibungslose Zusammenarbeit essenziell – unabhängig von Abteilung und Rolle:

  • Echtzeit-Szenarioanalyse: Bewertung und Vergleich aktueller Prozesse und Alternativen
  • Entscheidungsanalysen mit mehreren Kriterien: Damit können Risiken identifiziert und die potenziellen Änderungen durch verschiedene Kriterien miteinander verglichen werden.
  • Unverzügliche Folgenabschätzung: Risiken zu identifizieren, geht normalerweise mit einer Veränderung einher. Damit können Teammitglieder einschätzen, inwiefern sich Veränderungen in der Lieferkette auf Aspekte in der Produktleistung auswirken – wie die Kosten, die Einhaltung von Vorschriften oder die Nachhaltigkeit.

4. Schnelle Reaktion durch vorausschauendes Arbeiten

Wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen wurden und der aktuelle Stand aufmerksam beobachtet wird, müssen verschiedene Szenarien durchgespielt werden, um sich auf die Konsequenzen vorzubereiten. Folgende Fragen sollten Unternehmen sich hierbei selbst beantworten:

  • Welche Änderungen ergeben sich für die Lieferkette, wenn sich für einen oder mehrere neue Lieferanten entschieden wird?
  • Was sind die Risiken, die bei einem Wechsel entstehen können (beispielsweise Compliance- oder rechtliche Risiken)?
  • Könnten bei bestimmten Materialien Engpässe auftreten? Könnte dies in Zukunft schlimmer werden?
  • Ein Beispiel für einen solchen Engpass war der durch den Ukraine-Krieg verursachte Speiseölmangel in Deutschland im März 2022. Ein Szenario, das keiner vorhergesehen hat und folglich auch nicht darauf vorbereitet war. Mit einem Krieg oder vergleichbarem Ereignis verbundene Herausforderungen können zwar nicht vollständig beseitigt werden, jedoch hätten in diesem Fall Unternehmen schon früher auf Hamsterkäufe reagieren können – oder müssen –, um die Versorgungsknappheit zu reduzieren.

5. Auch unwahrscheinliche Ereignisse berücksichtigen

Mit der COVID-19-Pandemie hat ebenfalls niemand gerechnet. Sie stellte sich als Weckruf für alle dar: Privatpersonen, Unternehmen und Politik. Wenige Monate nach Beginn der Pandemie waren bereits große Teile der Welt abgeschottet. Auch selten auftretende Wettereignisse wie riesige Waldbrände, Hurrikane oder globale Unruhen wie Schiffsunfälle oder der Ukraine-Krieg haben nicht zu unterschätzende Folgen. Es ist zwar fast unmöglich, diese Störfaktoren in der Lieferkette zu kontrollieren. Jedoch können Unternehmen versuchen, die potenziellen Auswirkungen auf ihre Lieferkette zu erkennen und einen entsprechenden Notfallplan zu erstellen. Angesichts der Ereignisse der vergangenen Jahre ist angeraten, sich auch auf bisher unwahrscheinlich erachtete Ereignisse vorzubereiten und eine Risikoabschätzung zu erstellen.

Das Identifizieren und Bewerten von Risiken in der Lieferkette ist unerlässlich, um das kurz- und langfristige Wohlergehen des Unternehmens zu sichern. Nur so kann eine transparente Lieferkette mit eingebauter Flexibilität bestehen, die es erlaubt, schnell zu reagieren und widerstandsfähig zu bleiben.  (mk)

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*Sophie Kieselbach ist Senior Implementation Engineer Sustainability bei Makersite

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