Die EMV in kritischen Anwendungen, Teil 2 Wie sich die EMV in praktischen Beispielen umsetzen lässt
Im zweiten Teil unserer Serie zeigen wir drei konkrete Anwendungsbeispiele und wie sich wirtschaftlich sowie technisch sinnvolle Lösungen in Bezug auf die EMV umsetzen lassen.
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Viele EMV-Dichtungen beginnen ihr konstruktives Dasein zunächst als reine Umweltdichtungen. Erst im Laufe der weiteren Entwicklung – oder des Produktlebenszyklus – kommen EMV-Anforderungen hinzu. Inwieweit lässt sich eine bestehende Konstruktion EMV-mäßig ertüchtigen oder ist eine Neu-Konstruktion sinnvoller?
Fall 1: Rahmendichtung aus EPDM
Sofern es sich um eine geometrisch große Dichtung handelt ist es in der Regel kein technisches Problem, eine bestehende Konstruktion EMV-mäßig zu ertüchtigen, sondern nur eine Kostenfrage.In der Bildmitte ist eine Lösung aus EPDM mit einem leitfähigen Textil zu sehen, wie sie in Schaltschränken für Bahnanwendungen zum Einsatz kommt: zwei getrennte Dichtlippen für EMV- und Umweltanforderungen. Sinnvollerweise wird in diesem Fall die Umweltdichtung nach außen gelegt, um die Metallkontakte der EMV-Dichtung vor Umweltbelastungen zu schützen.
Fall 2: 3-D-Dichtungen aus Fluorsilikon zum Schutz vor EMV
Wird es platzmäßig eng und geometrisch anspruchsvoll, wird es schwieriger. Ist die Umgebung dazu noch gekennzeichnet von extremem Temperaturverhalten und aggressiven Chemikalien, müssen für die Dichtungen spezielle Materialien verwendet werden.
Im zweiten Bild ist eine Kombi-Dichtungen aus einem speziellen Fluor-Silikon mit einer Füllung aus Silber dargestellt, um auch höchsten HF-Anforderungen zu genügen. Im Fertigungsprozess des Kunden wird die Dichtung auf ein Metallteil aufgebracht. Damit sich die Dichtung im weiteren Verlauf nicht wieder ablöst, sind an der Dichtung Noppen angebracht, die in entsprechende Vertiefungen des Metallteils greifen. Genau abgestimmte Geometrien erlauben es, dass die eingesetzte Dichtung passt und eine reibungslose Großserienfertigung garantiert ist. Die Dichtung wird in eine Mehrfachform gegossen, wodurch die Wirtschaftlichkeitsanforderungen des Kunden erfüllt werden konnten.
Fall 3: TFT-Displays vor EMV abschirmen
Eine wiederkehrende Aufgabe ist die Abschirmung von optischen Anzeigen. Das können entweder klassische Computer-Bildschirme oder die immer häufiger werdenden Touch-Screens sein. In beiden Fällen kann eine leitfähig beschichtete transparente Folie das EMV-Problem lösen. Die Folie muss rundum mit der Bildschirm- oder der Gehäusemasse verbunden sein. Ein Anpressen auf den Metallrahmen reicht dabei völlig aus. Mit dem richtigen Material werden auch erhöhte Anforderungen wie beispielsweise die Abhörsicherheit im militärischen oder nachrichtendienstlichen Bereich erfüllt.
* Jürgen Leistner ist in der Geschäftsführung bei Infratron in München.
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