Edge-Architektur für autonome SystemeWie Embedded-Systeme die Hochverfügbarkeit von Verkaufsterminals gewährleisten
Von
Thomas Stanik*
5 min Lesedauer
Automatisierte Verkaufsumgebungen, Kiosk-Terminals und Micromarkets stellen hohe Anforderungen an Rechenleistung und Zuverlässigkeit. Eine große Herausforderung für Edge-Server, KI-fähige Plattformen und energieeffiziente Embedded-Boards.
Mini-STX K3921-N: Das Motherboard meistert Intels Core-i3- und N-Series-Prozessoren und kann mehrere Monitore mit Full-HD anbinden.
(Bild: Kontron)
Die eingesetzte Hardware von Verkaufsumgebungen und Terminals muss gleichzeitig Sensordaten erfassen, Bildanalysen ausführen, Transaktionen verarbeiten und mit Cloud-Plattformen kommunizieren, und das unter Bedingungen, die für klassische IT-Systeme kaum beherrschbar sind. Dauerlast, wechselnde Temperaturen und durchgängiger Betrieb verlangen industrielle Plattformen, die für Edge-Szenarien optimiert sind. Zentrale Rolle spielt der Edge-Server, der sämtliche lokale Prozesse koordiniert und Daten mit der Unternehmensinfrastruktur synchronisiert.
Kontrons µATX-Motherboard bildet das technische Rückgrat
Plattformen wie das µATX-Motherboard K3881-C mit Intels Xeon-E-2400- oder Xeon-6300-Prozessoren bilden hier das technische Rückgrat. Mehrere redundante Netzwerkinterfaces sichern die Kommunikation zwischen Peripherie und Cloud, der integrierte Intel-Chipsatz C266 stellt hohe Datenbandbreiten bereit. Der 5G-Support ermöglicht synchrone Datenübertragung selbst bei Ausfall kabelgebundener Verbindungen.
Auf dieser Ebene laufen alle Datenströme zusammen: Videostreams der Überwachungskameras, Logfiles aus dem Kassensystem, Sensordaten der Regale und Steuerbefehle für Digital Signage oder Energieverwaltung. Damit Analyseprozesse nicht durch Latenzzeiten beeinträchtigt werden, erfolgt ein Großteil der Verarbeitung lokal. Die Systeme analysieren in Echtzeit, priorisieren nach definierten Regeln und übertragen nur relevante Informationen in die Cloud. Das reduziert Datenvolumen, senkt Latenzen und ermöglicht eine autarke Betriebsweise bei Netzstörungen.
Edge-Systeme dieser Klasse sind für den Dauerbetrieb mit Verfügbarkeiten im Carrier-Grade-Bereich ausgelegt. Werte bis 99,9999 Prozent bedeuten Ausfallzeiten von nur wenigen Minuten oder Sekunden pro Jahr. Diese Hochverfügbarkeit wird durch redundante Netzwerkschnittstellen, robuste Stromversorgungen und ausfallsichere Firmware erreicht. On-Premises-Cloud-Systeme, auch als Fogs bezeichnet, können zusätzlich als lokale Sicherungsschicht dienen, falls die Verbindung zur zentralen Cloud unterbrochen ist.
Videoanalyse und Zutrittskontrolle
Die Überwachung unbemannter Umgebungen erfordert Systeme, die hochauflösende Bilddaten in Echtzeit erfassen und KI-gestützt auswerten. Das Micro-ATX-Motherboard K3841 ist für solche Anwendungen ausgelegt. Es unterstützt bis zu drei LAN- und sechs USB-Anschlüsse, was den gleichzeitigen Betrieb mehrerer Kameras erlaubt. Die Plattform nutzt Intel Core Prozessoren der 12. bis 14. Generation und lässt sich mit dedizierten KI-Beschleunigern erweitern.
Durch diese Architektur können Videoanalyse und Zutrittskontrolle unabhängig von zentralen Servern ausgeführt werden. Ereigniserkennung, Bewegungsanalyse oder biometrische Authentifizierung erfolgen unmittelbar am Ort der Datenerfassung. Zusätzlich bietet das System Optionen für redundante Speicheranbindung und Failover-Betrieb, um auch bei Teilausfällen der Infrastruktur eine lückenlose Aufzeichnung sicherzustellen.
Für den Betrieb in rauen Umgebungen sind Motherboards dieser Klasse auf Temperaturschwankungen, Staub und Vibrationen vorbereitet. Langlebige Bauelemente, validierte Spannungsregler und beschichtete Leiterplatten sichern eine konstante Leistung, auch in Kälte- oder Eingangsbereichen mit hoher Luftfeuchtigkeit. Hersteller garantieren Langzeitverfügbarkeit über mehrere Jahre und erweiterten Support, um Integratoren planungssichere Produktzyklen zu bieten.
Computing im Point of Interaction
Für kompakte Kiosk-Systeme oder Self-Checkout-Terminals sind platzsparende und energieeffiziente Lösungen erforderlich. Die Mini-ITX-Plattform K3931-N und ist für den 24/7-Dauerbetrieb konzipiert und unterstützt eine Vielzahl serieller und USB-Schnittstellen für Peripheriegeräte wie Scanner, Bezahlsysteme oder Drucker. Alle Varianten lassen sich lüfterlos betreiben, was den Wartungsaufwand verringert und die Ausfallsicherheit erhöht.
Die Rechenleistung geht über reaktive Benutzeroberflächen, Echtzeit-Transaktionsverarbeitung und parallele Aufgaben wie Ticketdruck oder Zahlungsabgleich hinaus und bietet somit Erweiterungsmöglichkeiten in der Zukunft. Die Integration von LVDS oder eDP ermöglicht die direkte Anbindung eingebetteter Displays ohne zusätzliche Adapter. Firmware und BIOS-Optionen sind auf langfristige Produktzyklen ausgelegt, was Migration und Ersatzteilstrategie vereinfacht.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Das K3931-N bietet zusätzlich die ccTALK-Schnittstelle für den Zahlungsverkehr. Damit lassen sich Kassensysteme und Geldverarbeitungsmodule direkt anbinden, ohne dass proprietäre Zusatzhardware erforderlich ist. Regelmäßige Sicherheitsupdates sichern den Manipulationsschutz, und der Energiebedarf bleibt so gering, dass sich auch lüfterlose POS-Terminals mit permanenter Verfügbarkeit realisieren lassen.
Digital Signage und Steuerungssysteme
Für die Ansteuerung mehrerer Displays oder interaktiver Informationssysteme ist das Mini-STX-Motherboard K3921-N konzipiert. Es unterstützt Intel Core i3 und N-Series Prozessoren, bietet USB-C- und DisplayPort-Schnittstellen sowie die Möglichkeit zum Dual-Display-Betrieb in Full-HD. Der lüfterlose Aufbau reduziert Geräuschentwicklung und verbessert die Energieeffizienz. Aufgrund der geringen Bauhöhe lässt sich das Board direkt hinter Bildschirmen oder in kompakten Gehäusen, beispielsweise dem Smartcase S501 verbauen.
In Kombination mit Edge-Servern können diese Systeme dynamische Inhalte verarbeiten, Werbedaten zeitabhängig austauschen oder Sensorinformationen zur Anpassung von Helligkeit und Energieverbrauch auswerten. Damit bilden sie die unterste Ebene einer mehrstufigen Edge-Architektur, die bis hin zur Cloud skalierbar bleibt.
Standardisierte Hardwarebasis
Die Integration verschiedener Systeme erfordert homogene Plattformen mit kompatiblen BIOS-Konfigurationen, Board-Support-Packages und APIs. Eine einheitliche Hardwarebasis senkt Komplexität und erhöht die Servicefähigkeit. Über Monitoring-Tools lassen sich Temperatur, Spannung, CPU-Last und Netzwerkstatus permanent überwachen. Watchdog-Timer sorgen für automatischen Neustart bei Fehlfunktionen, Remote-Management-Funktionen wie Intel Active Management Technology ermöglichen Fernwartung und Softwareupdates. Diese Kombination aus industrietauglicher Hardware und Remote-Management schafft eine Infrastruktur, die sich ohne physischen Eingriff betreiben und warten lässt. Für Anwendungen mit erhöhtem Sicherheitsbedarf lassen sich zusätzliche Schutzmechanismen wie TPM-Module oder Secure Boot implementieren.
Ein weiterer Vorteil der Standardisierung liegt in der Skalierbarkeit über unterschiedliche Applikationen hinweg. Systeme für Videoüberwachung, Digital Signage oder Checkout können mit identischen Komponenten ausgerüstet werden, wodurch Wartung, Ersatzteilhaltung und Zertifizierung erheblich vereinfacht werden. Das führt zu geringeren Total-Cost-of-Ownership und beschleunigt Rollouts bei Serienprojekten.
Integration von IoT und Robotik
Neben stationären Geräten rücken zunehmend Smart Robots und intelligente Regale in den Fokus. Sie erfassen Bestände, identifizieren Fehlmengen und melden Nachlieferbedarf in Echtzeit. Die Verbindung dieser Daten mit Verkaufs- und Checkout-Systemen ermöglicht eine präzise Steuerung des Warenflusses. Studien prognostizieren für In-Store-Robotik zwischen 2024 und 2030 ein jährliches Wachstum von rund 23 Prozent.
Zur technischen Umsetzung werden IoT-fähige Motherboards mit Mehrfachnetzwerk, seriellen Busprotokollen und erweiterbarer Sensorik benötigt. RFID-Reader, Bewegungssensoren und Kameras lassen sich über standardisierte Schnittstellen integrieren. In der Summe entsteht eine adaptive Edge-Infrastruktur, die Sensordaten, Videoanalyse und Prozesssteuerung in einem lokalen System zusammenführt.
Hybrid-Cloud und zukünftige Technologien
Zukunftsfähige Architekturen kombinieren lokale Edge-Systeme mit zentralen Cloud-Plattformen. Diese Hybrid-Cloud-Struktur ermöglicht die Verteilung von Workloads nach Bedarf: zeitkritische Prozesse laufen lokal, datenintensive Analysen zentral. Gartner benennt in seinem Hype Cycle for Retail Technologies 2024 mehrere Schlüsseltechnologien, die künftig in solche Infrastrukturen einfließen werden, darunter KI-optimierte Videoanalyse, Sensorfusion und adaptive Steuerungen.
Edge-Systeme dienen dabei als Brückenschicht zwischen den physischen Komponenten und den Cloud-Diensten. Sie übernehmen Echtzeitverarbeitung, Datenselektion und Synchronisation. Diese Architektur minimiert Latenzzeiten, reduziert Kosten und erlaubt den Einsatz auch in netzwerkkritischen Umgebungen.
Technische Kontinuität im Lebenszyklus
Entscheidend für die Planung solcher Systeme ist die Langzeitverfügbarkeit der Komponenten. Industrieplattformen wie die hier beschriebenen Boards sind auf Produktlaufzeiten von bis zu sieben Jahren ausgelegt und bieten erweiterten Herstellersupport. Damit lassen sich Projekte über den gesamten Lebenszyklus stabil betreiben, ohne dass durch Abkündigungen oder Hardwarewechsel neue Validierungen erforderlich werden. Die Kombination aus robuster Mechanik, standardisierten Schnittstellen, langfristig verfügbaren Komponenten und Remote-Wartung ergibt eine Infrastruktur, die für Dauerlast, Echtzeitverarbeitung und hohe Sicherheitsanforderungen ausgelegt ist.
Robuste Hardwarearchitekturen sind erforderlich
Die Digitalisierung verteilter Systeme erfordert robuste Hardwarearchitekturen, die Dauerbetrieb, Echtzeitverarbeitung und Sicherheit vereinen. Edge-Server, KI-fähige Plattformen und energieeffiziente Embedded-Boards bilden dabei die Grundlage für autonome Prozesse an dezentralen Standorten. Durch Standardisierung, Remote-Management und Langzeitverfügbarkeit entsteht eine technische Basis, die sich in unterschiedlichsten Szenarien einsetzen lässt, vom Retail-Bereich über Logistik und Fertigung bis hin zu sicherheitskritischen Infrastrukturen. (mk)
* Thomas Stanik ist Senior Sales & Business Development Manager bei Kontron.