Mehr Leistung für mehr Geld?

Wie Belohnungen zur Falle werden

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Sieben Tipps: Wie sich Belohnungen lohnen

Tipp 1: Finden Sie heraus, ob unter den gegebenen Umständen eine Leistungssteigerung realistisch ist. Wenn das Ergebnis der Überlegungen ist, dass es nicht zu schaffen ist, dann nutzen auch alle Anreize nichts.

Tipp 2: Erkennen Sie erbrachte Leistung unabhängig von der Erreichung des Ziels an. Ehrliche und respektvolle Anerkennung, Freundschaft oder Kollegialität sollten nicht nur vom Ergebnis abhängig sein, sondern auch vom gezeigten Einsatz. Wenn Ziele nicht erreicht werden, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass zu wenig Leistung erbracht wurde. Es kann ja auch an den Zielen liegen.

Tipp 3: Nur angemessene Belohnungen können Anreize schaffen. Es gibt zwei sinnvolle Wahlmöglichkeiten: Entweder eine marktgerechte materielle Entlohnung oder eine angemessene immaterielle Gegenleistung. Jeder Versuch, billig davon zu kommen, birgt die Gefahr, dass die Leistungsbereitschaft sinkt. Als Prüfstein kann die Frage dienen, unter welchen Umständen Sie selbst bereit wären, mehr Leistung zu erbringen.

Tipp 4: Menschen lieben unerwartete Geschenke. Belohnen Sie außergewöhnliche Leistungen, nachdem sie erbracht wurden, durch überraschende großzügige Sonderleistungen wie Sonderzahlungen, Urlaub, Gutscheine, etc. Diese Anerkennungen schaffen Anreize, die auf die Folgeprojekte wirken.

Tipp 5: Vorsicht, Zuckerbrot kann wie eine Peitsche wirken. Überlegen Sie (s. Umzugsbeispiel) bevor Sie mit einer Belohnung „drohen“ genau, welche Gefühle Sie dadurch auslösen. Ist die Leistungsbereitschaft bereits hoch, wirken Belohnungen eher als Vorwurf oder Spaßbremse. In diesem Fall ist das Geld besser investiert, die Fähigkeiten der Mitarbeiter so weiterzuentwickeln, dass sich ihre Leistungsbereitschaft in immer besseren Ergebnissen niederschlägt und dann den Punkt 4) oder 7) zu beherzigen.

Tipp 6: Benutzen Sie keine Belohnungen, um Systemfehler zu beheben. Wenn die Leistungsbereitschaft so gering ist, dass man mit Belohnungen nachhelfen muss, dann stellt sich die Frage, ob nicht ein grundlegender Fehler im System Leistung und Gegenleistung vorliegt. Es wird möglicherweise versucht, unangemessen niedrige Löhne, schlecht kommunizierte Ziele, unangenehmes Betriebsklima, etc. durch Belohnungen zu kompensieren. D.h. aber, dass normalerweise eine zu geringe Leistung erbracht wird. Hier wäre das Geld besser für Maßnahmen investiert, die diese schlechten Randbedingungen auch tatsächlich beheben.

Tipp 7: Vorsicht, Belohnungen wirken Eigeninitiative entgegen. Bei Menschen, die großen Wert auf Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit legen, wirken Belohnungen als Motivationsbremse, weil sie das Gefühl vermitteln, dass diese positiven Eigenschaften entweder nicht erkannt oder nicht geschätzt werden. Die Form der Belohnung sollte diesen persönlichen Ansprüchen gerecht werden, z.B. Beteiligung an den Einnahmen aus Patentrechten oder Erfolgsbeteiligung. In diesem Fall ist die Belohnung die Wirkung von erbrachter Leistung und nicht die Ursache dafür. Damit bleibt das Gefühl der Eigenverantwortlichkeit erhalten.

Diese Kolumne entstand in Anlehnung an ein Kapitel zum Thema Motivation aus dem neuen Buch von Peter Siwon, das voraussichtlich im Dezember 2010 mit dem Titel „Die menschliche Seite des Projekterfolgs“ erscheinen wird.

*Peter Siwon, der im Management des Trainingsanbieters MicroConsult tätig ist, beschäftigt sich gerne mit der menschlichen Seite des Projekterfolgs. Er hat sich mittlerweile mit Vorträgen und Publikationen einen Namen gemacht. Seine Kolumne ist als Buch unter dem Titel „Denkanstöße für den Projekterfolg“ im Vogel Buchverlag erschienen. Weitere Informationen: www.die-menschliche-seite.de Kontakt: denkanstoss@miroconsult.de

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