Anbieter zum Thema
Zeit sparen durch Überlappung
Je nach Umfang der anzupassenden Software können beide Phasen viel Zeit in Anspruch nehmen. Zeit, die aber aus naheliegenden Gründen kostbar ist. Das Produkt soll ja möglichst nahtlos das vorhandene ersetzen und den Absatz schützen.
Daher liegt es nahe, die beiden Phasen Reverse Engineering und Redesign zu überlappen und damit schneller mit dem aufgefrischten Produkt am Markt zu sein.
Es werden also bestimmte Funktionen bzw. Einheiten abgegrenzt, dem Reverse Engineering zugeführt und die daraus gewonnenen Ergebnisse direkt im Redesign verarbeitet.
Dadurch kann das Redesign nicht erst nach Beendigung des Reverse Engineering beginnen, sondern bereits nach einer vergleichsweise kurzen Anlaufphase.Nach unseren Erfahrungen läßt sich durch eine solche Überlappung bis zu 40% der Zeit sparen, die für das Gesamtprojekt veranschlagt werden muss (siehe Bildergalerie Bild 2 und 3).
Dieses Vorgehen erfordert allerdings sehr gut definierte und eingespielte Entwicklungsprozesse. Da bei der herkömmlichen Methode des Nacheinanders die Anforderungen und Spezifikationen zu Beginn des Redesigns sehr genau vorliegen, kann hier mit den bekannten Entwicklungsmethoden (z.B. Waterfall) gearbeitet werden.
Bei der Überlappung jedoch werden im Laufe der Zeit die Spezifikationen in einer Reihenfolge bereitgestellt, die sich von grob nach fein entwickelt. Diese Reihenfolge ist notwendig, um dem Redesign möglichst früh eine Gesamtübersicht über die Software zu vermitteln, aufgrund dessen die Architektur definiert werden kann.
Daher bieten sich bei dieser Vorgehensweise agile Methoden an (Scrum, continous integration). Diese ermöglichen nicht nur, dass an dem zuerst vorhandenen Gerüst kontinuierlich gearbeitet werden kann, sie stellen auch die ständige Testbarkeit sicher.
Da sich das aufgefrischte Produkt ja genauso verhalten soll wie das bisherige, sind Äquivalenztests notwendig, die genau dieses Verhalten untersuchen. Dazu, wie bei jeder anderen Entwicklung auch, müssen die normalen Tests absolviert werden.
Je nach dem Einsatzzweck des Produktes gilt es auch die regulatorischen Anforderungen der Entwicklung zu berücksichtigen (z.B. Medizintechnik, funktionale Sicherheit).
Die Überlappung der Phasen stellt also durchaus eine hohe Anforderung an die eigene Entwicklungsabteilung dar. Der Zeitgewinn rechtfertigt diesen Aufwand allerdings meist, zumal bei unvorhergesehenen Ereignissen Zeit der limitierende Faktor ist.
Partner für Outsourcing suchen
Hier wird allerdings ein weiteres Dilemma deutlich: Die Auffrischung des Produktes bindet die eigenen Entwicklungsressourcen, die ja eigentlich an dem Nachfolgeprodukt arbeiten sollten.
Denn die Verlängerung des Produktlebenszyklus verhindert nicht, dass das Produkt eines Tages in die Abschwungphase kommt und durch ein Nachfolgeprodukt ersetzt werden muss.
Hier kann man über Outsourcing nachdenken und einen erfahrenen Partner suchen. Normalerweise ist es oft schwierig, Teilprojekte sauber abzugrenzen und an einen Entwicklungspartner zu geben.
Hier jedoch ist das Gesamtprojekt klar umgrenzt und es sind lediglich Hard- und Softwareentwicklungen durchzuführen.
Fachlich bleibt die Funktion des Produktes ja erhalten, hier kommen die Entwicklungen in der Regel dem Nachfolgeprodukt zugute. Diese Vorgehensweise lässt der eigenen Entwicklungsabteilung genug Spielraum, um den Nachfolger rechtzeitig und marktreif zu entwickeln.
* Thomas Schmalfeld ist Business Development Manager bei Comtrade Software Solutions in München
(ID:43645772)