Roboter in der Raumstation Weltraumroboter soll ab 2027 auf der ISS arbeiten

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Ein fliegender Helfer mit zwei Armen bricht bald ins All auf, um der Besatzung der ISS lästige Handgriffe abzunehmen. Das Startup Icarus Robotics und der Partner Voyager Technologies testen damit, wie Maschinen die Logistik in der Schwerelosigkeit autonom bewältigen.

Mission Joyride: Der frei fliegende Roboter (hier im Rendering) soll die ISS-Besatzung ab 2027 mit seinen zwei mechanischen Armen bei Logistikaufgaben entlasten.(Bild:  Icarus Robotics)
Mission Joyride: Der frei fliegende Roboter (hier im Rendering) soll die ISS-Besatzung ab 2027 mit seinen zwei mechanischen Armen bei Logistikaufgaben entlasten.
(Bild: Icarus Robotics)

Die Arbeit auf der Internationalen Raumstation ISS besteht längst nicht nur aus spektakulären Außeneinsätzen oder bahnbrechenden Experimenten. Ein Großteil der Zeit verbringen Astronauten mit Logistik: Sie suchen Ausrüstung, öffnen Frachtbehälter, sortieren Taschen oder inventarisieren Vorräte. Das soll sich bald ändern. Das in New York ansässige Start-up Icarus Robotics hat einen Vertrag mit dem erfahrenen Missionsdienstleister Voyager Technologies geschlossen, um einen spezialisierten Roboter ins All zu bringen. Die Demonstration unter dem Namen „Joyride“ ist für Anfang 2027 geplant.

„Joy“ ist eine frei fliegende Plattform, die sich optisch deutlich von bisherigen Systemen unterscheidet. Während frühere Roboter auf der Raumstation meist wie fliegende Kameras oder Monitore agierten, ist Joy für das Zupacken konstruiert. Der Roboter bewegt sich mithilfe von Ventilatoren durch die Module der ISS und verfügt über zwei mechanische Arme. Diese Hardware ermöglicht es der Maschine, physische Aufgaben zu übernehmen, die bisher menschliche Hände erforderten. Voyager Technologies übernimmt dabei die komplexe Rolle des Integrators. Das Unternehmen koordiniert den Start, kümmert sich um die strengen Sicherheitszertifizierungen der Nasa und unterstützt die Mission in Echtzeit vom Boden aus.

Ein mechanischer Assistent für das Frachtmanagement

Die technische Herausforderung in der Schwerelosigkeit ist gewaltig. Joy muss nicht nur präzise manövrieren, ohne gegen empfindliche Instrumente zu stoßen, sondern auch die Kraft beim Greifen genau dosieren. In der ersten Phase der Mission wird das System ferngesteuert agieren. Die dabei gesammelten Daten dienen als Grundlage, um die künstliche Intelligenz des Roboters zu trainieren. Langfristig soll Joy autonom durch die Station navigieren, Fracht identifizieren und eigenständig an ihren Bestimmungsort bringen.

Autonome Logistik im Orbit: Angetrieben von Ventilatoren navigiert der Assistenzroboter Joy künftig schwerelos durch die Raumstation.(Bild:  Icarus Robotics)
Autonome Logistik im Orbit: Angetrieben von Ventilatoren navigiert der Assistenzroboter Joy künftig schwerelos durch die Raumstation.
(Bild: Icarus Robotics)

Bisherige Systeme wie der würfelförmige Astrobee der Nasa oder der europäische Cimon dienten primär der Überwachung oder als interaktive Begleiter. Joy schließt eine Lücke, indem sie aktiv in die Logistikkette eingreift. „Es schließt sich ein Kreis, wenn wir uns revanchieren und eine Roboterplattform bereitstellen, die dabei hilft, die ISS und künftige kommerzielle Stationen wie Starlab intelligenter zu machen – autonom, frei fliegend und einsatzbereit dort, wo Menschen nur schwer hinkommen“, erklärt Icarus-Mitgründer Ethan Barajas in der offiziellen Mitteilung von Voyager Technologies. Die Fähigkeit, Taschen zu öffnen und Ausrüstung zu verteilen, klingt banal, spart im Weltraum jedoch wertvolle Ressourcen.

Hohe Kostenersparnis durch automatisierte Routine

Hinter dem Projekt steht ein massives wirtschaftliches Interesse. Die Zeit eines Astronauten ist eine der teuersten Ressourcen der Menschheit. Während die Nasa für kommerzielle Partner einen subventionierten Tarif von etwa 130.000 US-Dollar pro Stunde berechnet, liegen die tatsächlichen Kosten für den Betrieb und die Versorgung eines Besatzungsmitglieds laut verschiedenen Analysen zwischen 417.000 und über einer Million Dollar pro Stunde. Jede Minute, die ein Roboter mit dem Sortieren von Proviant verbringt, können die Forscher an Bord für wissenschaftliche Experimente nutzen, die nur Menschen durchführen können.

Das Team hinter Icarus Robotics bringt für diese Aufgabe viel Erfahrung mit. Die Gründer Ethan Barajas und Jamie Palmer tauchten bereits 2025 auf der Forbes 30 Under 30-Liste auf. Barajas arbeitete zuvor bei der Nasa und an Mond-Rovern, während Palmer seine Expertise aus dem Roam Lab der Columbia University und dem Formel-1-Team von Mercedes-AMG Petronas mitbringt. Diese Kombination aus Luft- und Raumfahrttechnik sowie Hochleistungsrobotik überzeugte auch Investoren wie Soma Capital und XTAL Ventures, die das Vorhaben finanzieren. Wenn Joy Anfang 2027 ihre Ventilatoren startet, beginnt für die Logistik im Orbit ein neues Kapitel. (mc)

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