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Jeder trägt auf seine Weise Verantwortung
Wer hat nun die Verantwortung für eine Entscheidung, welcher Weg einzuschlagen ist? Wenn es einen „Leithammel“ gibt, der autoritär sagt wo es langgeht, ist die Verantwortung für Entscheidungen klar. Er bezahlt seine Entscheidungsmacht mit uneingeschränkter Verantwortlichkeit für das Schicksal der Gruppe. Die Gruppe trägt allerdings die Verantwortung dafür, dass sie dieser Führungsperson wie eine Herde Lämmer folgt. Das ist ja auch eine Entscheidung.
Die andere Möglichkeit besteht darin, dass sich eine Person mit der Gruppe berät, um dann die Entscheidung zu treffen. Die Verantwortung für die Entscheidung liegt nun bei ihr, die Verantwortung für die Entscheidungsgrundlage bei der ganzen Gruppe. Moderiert eine Person den Entscheidungsprozess, bis ein Konsens in der Gruppe gefunden ist, so übernimmt sie die Prozessverantwortung. Die Verantwortung für das Ergebnis liegt in diesem Fall bei der gesamten Gruppe.
Wie immer es auch laufen mag, die Verantwortung, ob und wie Entscheidungen fallen, liegt immer bei der gesamten Gruppe, solange eine realistische Wahlfreiheit für die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe besteht. Die einen tragen die Verantwortung für ihre Entscheidungen, die anderen die Verantwortung für ihr Nicht-entscheiden-müssen, Nicht-entscheiden-wollen oder Nicht-entscheiden-können. Alle Verantwortung loszuwerden ist also bei genauer Betrachtung in der Praxis sehr schwierig.
Macht ist die Fähigkeit, Sicherheit oder Unsicherheit zu erzeugen
Was bedeutet in diesem Zusammenhang Macht? Die Macht einer Person über andere wächst in dem Maße, wie sie für diese Menschen Unsicherheit in Sicherheit verwandeln kann. Leider gilt auch das Umgekehrte. Ihre Firma hat die Macht, Ihre finanzielle Sicherheit zu verbessern, aber auch die Macht, Ihnen diese Sicherheit unter bestimmten Bedingungen wieder zu entziehen.
Auf unsere Wanderer bezogen bedeutet das, dass die Person mit der besten Ortskenntnis große Macht besitzt. Sie kann die Sicherheit von Entscheidungen erhöhen oder durch die Drohung, die Gruppe zu verlassen, hohe Unsicherheit erzeugen.
Oft wird Macht zu sehr mit Hierarchie in Verbindung gebracht. Die disziplinarische Macht in Unternehmen ist aber nur eine unter vielen. Wenn wir Macht als das Potential sehen, durch Herbeiführen einer Entscheidung Unsicherheit in Sicherheit zu verwandeln, eröffnen sich viele Möglichkeiten der konstruktiven Machtausübung oder Einflussnahme: Transparenz, Klarheit und Verständnis schaffen, Entscheidungen treffen, Konflikte lösen, etc. Unglücklicherweise kommt auch die destruktive Variante, Sicherheit in Unsicherheit zu verwandeln, zum Einsatz: Intransparenz, Blockade, Intrigen, etc. Mit wem würden Sie gerne Wandern gehen? Wem würden Sie Ihr Vertrauen und Ihr volles Engagement schenken?
Ich hoffe, ich habe Ihnen jetzt durch meine Überlegungen nicht die Lust am Wandern verdorben. Mein Tipp: Nehmen Sie sich eine eigene Karte und Ihren Kompass mit. Dann können Sie jederzeit selbst entscheiden, wie viel Macht Sie anderen über Ihr Schicksal überlassen wollen.
Ich überlasse es nun Ihrer Entscheidung und Verantwortung, diese Zusammenhänge auf Projekte, Arbeitsteams und Unternehmen zu übertragen. Natürlich tragen Sie dafür das volle Risiko. Ich bin ja nur ein einfacher Kolumnenschreiber.
Falls Sie sich für das Thema Entscheidungen und andere interessante Zusammenhänge in Projekten interessieren, besuchen Sie doch mein Seminar auf dem ESE Kongress 2017. Ich freue mich auf Ihren Besuch.
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