Speichermarkt Warum Legacy-Speicher knapp sind – und neue bisher nicht voll verfügbar

Ein Gastkommentar von Nikolaos Florous* 2 min Lesedauer

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Auf dem Speichermarkt herrscht seit Ende 2025 spürbare Unsicherheit. Am Spotmarkt steigen die Preise für Legacy-Speicher deutlich, während sich der Hochlauf moderner Speichertechnologien verzögert. Daraus entsteht eine strukturell neue Marktsituation, erklärt Nikolaos Florous von Memphis Electronic.

Wir erleben eine paradoxe Situation: Die alten Speicher sind knapp, weil sie nicht mehr produziert werden, und die neuen Speicher sind knapp, weil sie noch technische Probleme haben.(Bild:  Memphis Electronic)
Wir erleben eine paradoxe Situation: Die alten Speicher sind knapp, weil sie nicht mehr produziert werden, und die neuen Speicher sind knapp, weil sie noch technische Probleme haben.
(Bild: Memphis Electronic)

Der weltweite Speichermarkt befindet sich aktuell in einem grundlegenden Wandel. Was wir erleben, ist kein gewöhnlicher Zyklus, sondern eine dauerhafte Entkopplung zwischen zwei kapitalintensiven Bereichen: Legacy-Speicher und modernen Speichern. Beide sind knapp – allerdings aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Legacy-Speicher werden rasant zurückgefahren

Noch 2023 liefen die Fabriken mit herkömmlichen Speichern und produzierten DDR2, DDR3, DDR4, LPDDR4 sowie Flash-Speicher wie MLC und eMMC rund. Doch schon 2025 wurde die Produktion um etwa 60 Prozent zurückgefahren und nun erreichen die meisten dieser älteren Technologien 2027 beziehungsweise 2028 ihr faktisches Lebensende. Dann werden nur noch geringe Stückzahlen für spezielle Anwendungen in Industrie, Automotive oder Verteidigung produziert. Die Wafer-Produktion für diese Speicher wird um 80 bis 90 Prozent unter dem Niveau von 2023 liegen. Nicht, weil die Nachfrage fehlt, sondern weil Fabriken, Maschinen und Entwicklungsbudgets auf KI-Technologien umgestellt werden.

Legacy-Speicher verschwinden also nicht, sondern werden zu einer Art Spezialprodukt. Denn wenn es um Investitionsentscheidungen geht, fließen die Gelder in moderne Fertigungsmethoden wie EUV-Lithografie, Hybrid Bonding oder komplexes Packaging. Deshalb bleiben die Preise für Legacy-Speicher dauerhaft hoch, selbst wenn die Nachfrage stabil bleibt.

Moderne Speicher sind bisher nicht bereit

Gleichzeitig sind moderne Speicher wie DDR5, LPDDR5X, LPDDR6, GDDR7 und HBM4E aus anderen Gründen knapp. Sie benötigen fortgeschrittene DRAM-Strukturgrößen, EUV, TSVs (Through Silicon Via), Hybrid Bonding und fortschrittliches Packaging – allesamt Technologien, die aktuell nicht weit verbreitet sind und eine vergleichsweise niedrige Ausbeute erzielen. Ein einzelner HBM-Stack bindet ein Vielfaches an Fertigungs- und Packaging-Kapazität im Vergleich zur Herstellung von Dutzenden herkömmlicher DRAM, und dennoch ist die Ausbeute gering. Selbst mit den neuen angekündigten Fabriken wird die Produktion voraussichtlich erst ab 2028 wirtschaftlich sein.

Das Ergebnis

Wir erleben eine paradoxe Situation: Die alten Speicher sind knapp, weil sie nicht mehr produziert werden, und die neuen Speicher sind knapp, weil sie noch technische Probleme haben.

Zwischen 2026 und 2028 entsteht also so eine doppelte Knappheit:

  • Legacy-Speicher fehlen, weil nicht mehr in sie investiert wird.
  • Moderne Speicher stoßen an physikalische Grenzen, und Ausbeute sowie das Packaging müssen optimiert werden.

Die Folgen sind weitreichend: Speicher sind kein klassisches Massenprodukt mehr, sondern werden zu einem strategischen Gut. Für Hersteller aus der Industrie heißt das: Umdenken und, wie die Luft- und Raumfahrtindustrie, lebenslange Vorratskäufe und garantierte Zuteilungen für die benötigten Komponenten vereinbaren. Für KI, Cloud und Hyperscaler wird moderner Speicher zum geopolitischen und logistischen Engpass, der an wenige Fabriken, EUV-Maschinen und begrenzte Packaging-Kapazitäten gebunden ist.

Die Gewinner der kommenden Jahre werden nicht diejenigen sein, die auf günstige Spotpreise setzen, sondern diejenigen, die sich frühzeitig ihre Speichertechnologien, Zuteilungen und Partnerschaften sichern. (sb)

* Nikolaos Florous ist Global Product Marketing bei Memphis Electronic.

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