Kosten nach der Anschaffung Wartungsarmer Traum? E-Autos unter der Lupe

Von Oliver Taskin* 5 min Lesedauer

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Sie galten als das Versprechen für emissionsfreien Individualverkehr – doch werden Elektroautos ihrem Ruf gerecht? Erste Hinweise auf die reale Lebensdauer und die Wartungsanfälligkeit lassen Zweifel aufkommen. So sauber wie der Ruf der E-Autos auch ist, so teuer kann es werden, wenn sie Probleme bereiten.

Elektrofahrzeugen wird nachgesagt, dass sie weniger oft zur Wartung müssen. Stimmt das tatsächlich?(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Elektrofahrzeugen wird nachgesagt, dass sie weniger oft zur Wartung müssen. Stimmt das tatsächlich?
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Wartungsarm, emissionsarm und auf dem Siegeszug: Im Straßenbild nehmen die Elektrofahrzeuge immer mehr zu. Zusätzlich dazu werben manche Hersteller explizit damit, dass die E-Autos eigentlich nie in die Wartung müssen. Bei Tesla etwa ist „Zero Service“ das ausgeschriebene hohe Ziel. Doch das scheint wohl nur ein Traum zu bleiben, denn der Ruf der E-Autos als weniger wartungsanfällig bröckelt zusehends: Aktuelle Studien und Erfahrungsberichte skizzieren diverse Schwierigkeiten.

Dazu kommen noch die Herausforderungen im Umgang mit der verhältnismäßig neuen Technologie. Eine aktuelle Studie von J.D. Power zeigt auf, dass neu gekaufte Elektroautos häufiger wegen Problemen in die Werkstatt müssen als Verbrenner. In den ersten 90 Tagen taten sich bei Verbrennern 180 Probleme pro 100 Fahrzeuge auf, während Elektroautos sogar auf 266 kamen. Zudem zeigte auch die Begleitung von Autofahrern über den Zeitraum eines Jahres eine höhere Notwendigkeit von Werkstattbesuchen. So mussten 24 Prozent der Elektroautobesitzer innerhalb eines Jahres wegen technischer Mängel einen Werkstattbesuch absolvieren – also beinahe jeder Vierte. Bei Verbrennerfahrzeugen hingegen waren es nur neun Prozent.

Fehleranfällig war besonders das Zusammenspiel zwischen Fahrzeug und den begleitenden Apps oder dem Infotainmentsystem. Viele Fahrerinnen und Fahrer benötigen eine natürliche Lernphase, die dazu führt, dass sie in den ersten Monaten ihres E-Auto-Daseins häufiger als gedacht die Hilfe von Fachleuten in Anspruch nehmen müssen. Aber auch die flächendeckende Versorgung mit Lademöglichkeiten ist bisher nur ein frommer Wunsch. Um die Elektroautos gleichwertig mit den Verbrennern nutzen zu können, braucht es auch Einheitlichkeit. Unterschiedliche Anschlüsse und teils komplizierte Lade-Apps machen es den Besitzern zusätzlich schwer. Hier haben die Anbieter und die Bundesrepublik im Allgemeinen noch viel Nachholbedarf.

Teuer und aufwendig

Wenn E-Autos zur Wartung müssen, dann geht dies ausschließlich in spezialisierten Werkstätten. Denn nicht jede Werkstatt und nicht jeder Mechaniker darf die modernen Fahrzeuge reparieren. Dafür braucht es speziell geschultes Fachpersonal, das sich im Hinblick auf Hochvolttechnik auskennt. Daher ist der Aufwand für freie Werkstätten beträchtlich – kaum eine bietet den Service für E-Autos an. Bei den modernen Fahrzeugen ist alles so verbaut, dass nur das fachkundige Personal herankommt, und das hat seinen Grund: Ein Arbeiten bei solch einer Spannung erweist sich als gefährlich und erfordert spezielle Maßnahmen wie Spezialwerkzeuge und Schutzmaterial.

Zudem sind die einzelnen Komponenten recht verschachtelt; allen voran die komplizierte Vernetzung von Hard- und Software. Die Batterie benötigt beispielsweise verschiedene Kühl- und Wärmekreisläufe, Wandler, Pumpen und viele Sensoren. Gehen dann Teile kaputt, sieht sich der Besitzer meist einer recht hochpreisigen und langwierigen Instandsetzung gegenüber. Reparaturkosten von E-Autos fallen im Durchschnitt um etwa ein Drittel höher aus als bei konventionellen Fahrzeugen. Im schlimmsten Fall muss die Batterie, das Herzstück eines Elektroautos, ausgetauscht werden. Solch eine Reparatur sprengt schnell mal den Kostenrahmen – Rechnungen im fünfstelligen Bereich sind keine Seltenheit.

Sparkurs der Industrie?

Schon länger ist die Vorherrschaft um den E-Auto-Markt umkämpft: Die Konkurrenz aus China drückt den Preis und vor allem europäische Anbieter müssen mitziehen. Solch eine Gemengelage führt oftmals zu Sparkursen in der Industrie, denn jeder versucht zu haushalten, wo es nur irgendwie geht. Qualitätsprobleme könnten die viel befürchtete Folge sein.

Besonders bei Tesla ist das in letzter Zeit auffällig: Im letzten TÜV-Report 2024 bleibt der Tesla Model 3 hinter allen zurück und schließt mit den meisten Mängeln ab. Kurios: Das E-Auto wird sogar schlechter bewertet als Dauerverlierer Dacia Logan. Besonders auffällig waren bei dem Test die Bremsen und die Achsenaufhängung. Dabei zeigten sich die Bremsscheiben fast viermal öfter defekt als die im Schnitt aller getesteten Modelle. Eigentlich nicht zu erwarten, denn bei einem E-Auto kommen die Bremsen normalerweise weniger zum Einsatz. Der Motor bremst nämlich in seiner Funktion als Generator bereits dann, wenn Fahrerinnen und Fahrer den Fuß vom Gas nehmen.

Doch genau da ist der Haken: Die seltenere Nutzung führt dazu, dass die Bremsen früher Rost ansetzen. Volkswagen hat dieses Problem bereits erkannt und schützt die Teile mit einem speziellen Bremsbelag. Auch Fahrwerk, Achsenaufhängung und die Reifen sind bei E-Autos höheren Belastungen ausgesetzt. Wie sich diese Tatsache allerdings auf die generelle Lebensdauer auswirkt, scheint jetzt bisher nicht absehbar. Grundsätzlich wird es auf die Hersteller ankommen, wie sie mit dem Konkurrenzdruck umgehen und ob sie den Sparkurs zur Normalität werden lassen.

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Über die Steel Seal Germany GmbH

Seit der Gründung im Jahr 2015 spezialisiert sich die Steel Seal Germany GmbH auf Produkte für die Fahrzeugreparatur und -wartung – sowohl im privaten Do-it-yourself- als auch im gewerblichen Bereich. Als Aushängeschild und Namensgeber des Unternehmens gilt das Produkt Steel Seal; eine bewährte Alternative zum Tausch einer defekten Zylinderkopfdichtung, die in flüssiger Form in das Kühlsystem eines Verbrennungsmotors eingefüllt wird. Das Produkt wirkt dank patentierter, faserfreier Formel zielgenau und dauerhaft durch thermisches Bonden bei allen Arten von wasserseitigen Leckagen und Haarrissen im Motor. Das Unternehmen bietet eine kostenfreie Produktberatung sowie eine Geld-zurück-Garantie. Steel Seal können Privatpersonen und freie Werkstätten online und im stationären Handel erwerben.

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Ende des „Schrauberlandes“?

Oliver Taskin, Geschäftsführer der Steel Seal Germany GmbH.(Bild:  Steel Seal Germany GmbH)
Oliver Taskin, Geschäftsführer der Steel Seal Germany GmbH.
(Bild: Steel Seal Germany GmbH)

Vor allem für den deutschen Markt interessant fällt bei E-Fahrzeugen der DIY-Aspekt völlig weg. Hierzulande kennen es viele Besitzerinnen und Besitzer gar nicht anders, als kleinere Wartungsarbeiten und Reparaturen selbst durchzuführen. Ob Kühlwasser nachfüllen, Ölwechsel oder das Austauschen von Zündkerzen: Viele Hobbyschrauber kennen sich gut aus mit der Materie und sorgen so für eine lange Lebensdauer ihres fahrbaren Untersatzes.

Heutzutage lassen sich selbst komplexere Probleme wie eine defekte Zylinderkopfdichtung schon als Laie mit einfachen Hilfsmitteln lösen. Bei Elektrofahrzeugen fällt diese Möglichkeit komplett weg; selbst Autoaffine sind auf eine Werkstatt angewiesen. All diese Herausforderungen werfen zumindest die Frage auf, ob der Ruf von Elektroautos als besonders wartungsarme Fahrzeuge tatsächlich gerechtfertigt ist. Zweifelsohne bringt E-Mobilität einige Vorteile mit sich, doch der Traum von wartungsfreiem Auto wird sich zeitnah nicht erfüllen. Wo die E-Autos in Bezug auf Langlebigkeit und Wartungsanfälligkeit wirklich stehen, wird sich erst im Langzeittest auf deutschen Straßen zeigen. (sb)

* Oliver Taskin ist gelernter Volkswirt und hat schon seit seiner Kindheit die Kfz-Welt hautnah erlebt – sein Vater besaß eine Werkstatt. Als Geschäftsführer von Steel Seal Germany vertreibt er ein Produkt, das eine defekte Zylinderkopfdichtung ohne Tausch reparieren kann. Dieses findet man beispielsweise landesweit bei A.T.U., kfzteile24, Wütschner Fahrzeugteile und vielen anderen. Reparieren statt Demontieren ist sein Motto und Nachhaltigkeitsansatz, um die Umwelt und den Geldbeutel der Kunden zu schonen.

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