Digitalisierung des Gesundheitswesens „Veraltete Gesetze und föderale Strukturen dürfen nicht zum Bremsklotz werden“

Ein Gastkommentar von Marten Neubauer* 3 min Lesedauer

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Krankenhäuser müssen in erster Linie erstklassige Arbeit für die medizinische Versorgung leisten. IT-Kompetenz gehört nicht dazu. Wer klinische Daten verarbeiten will, braucht viel Know-how in Sachen Datenschutz. Hier hilft ein Dienstleister.

Sensible Patientendaten in Krankenhäusern sollten von einem erfahrenen IT-Dienstleister verarbeitet werden.(Bild:  Gerd Altmann  /  Pixabay)
Sensible Patientendaten in Krankenhäusern sollten von einem erfahrenen IT-Dienstleister verarbeitet werden.
(Bild: Gerd Altmann / Pixabay)

Die Bundesregierung drückt bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens auf die Tube: Bis 2025 sollen 80 Prozent der gesetzlich Versicherten über eine elektronische Patientenakte verfügen. Theoretisch ist längst klar: Ohne moderne IT-Technologien, mit deren Hilfe sich Verwaltungsprozesse automatisieren, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten verbessern und die Versorgung einer alternden Gesellschaft sicherstellen lassen, wird der Druck weiter steigen.

Doch wer beim Thema Digitalisierung immer nur an visionäre Anwendungsszenarien denkt, übersieht das Dilemma, vor dem die Krankenhäuser in Deutschland heute stehen: Operationen per Telemedizin, Herzen aus dem 3D-Drucker oder Pflegeroboter mögen die künftige Antwort auf viele Herausforderungen sein – an anderer Stelle wird der digitale Fortschritt ausgebremst. Wenn die IT-Infrastruktur nicht reibungslos funktioniert, wackelt das Fundament jeder Digitalisierungsstrategie. Angesichts knapper Budgets und fehlender IT-Experten haben jedoch fast alle Kliniken Probleme, den IT-Betrieb adäquat aufrechtzuerhalten.

IT ist nicht die Kernkompetenz von Krankenhäusern

„Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist notwendig und gleichzeitig komplex, ein erfahrener IT-Dienstleister kann hier wertvolle Unterstützung leisten“, sagt Marten Neubauer, Field Director Healthcare bei Dell Technologies in Deutschland.(Bild:  Dell Technologies)
„Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist notwendig und gleichzeitig komplex, ein erfahrener IT-Dienstleister kann hier wertvolle Unterstützung leisten“, sagt Marten Neubauer, Field Director Healthcare bei Dell Technologies in Deutschland.
(Bild: Dell Technologies)

Hier stellt sich die Frage: Muss das Gesundheitswesen jedes IT-Problem selbst lösen? Nein, Krankenhäuser sollten sich auf eine erstklassige medizinische Versorgung konzentrieren und in der IT auf die Disziplinen, die einen Mehrwert für den Klinikalltag liefern. Server zu administrieren bringt keinen Nutzen und kostet das IT-Team viel Zeit – Zeit, die zum Beispiel für die Weiterentwicklung der Krankenhausinformationssysteme fehlt.

Warum trotzdem? Heute ist es in fast allen Bundesländern verboten, medizinische Daten außerhalb der Klinik zu verarbeiten – es sei denn, es geht um die administrative Abwicklung der Behandlung. Nun ist das Gesundheitswesen zu Recht einer der am stärksten regulierten Bereiche. Allerdings sind die Landeskrankenhausgesetze, die die Beauftragung eines externen Dienstleisters nahezu unmöglich machen, nicht mehr zeitgemäß.

Für grundlegende IT-Aufgaben ist ein spezialisierter Managed Service Provider die bessere Wahl. Zumindest Bayern hat das Verbot zum 1. Juni 2022 aufgehoben und damit den Weg für eine moderne, IT-gestützte Patientenversorgung geebnet.

Ein Managed Service Provider ist die bessere Wahl

Wie das aussehen kann, zeigt ein Blick nach Frankreich: Wer dort klinische Daten verarbeiten will, muss einen hohen technischen Reifegrad in Sachen Datenschutz und Datensicherheit nachweisen. Das Krankenhaus kann, muss aber nicht. Die meisten Kliniken in unserem Nachbarland vertrauen lieber einem Managed Service Provider, und das kann die örtliche Universität, das regionale Universitätsklinikum, der Anbieter der PACS-Lösung oder ein klassischer IT-Dienstleister sein.

Dieser Ansatz trägt auch der Tatsache Rechnung, dass IT heute anders betrieben wird als noch vor einigen Jahren – nämlich nach dem Prinzip der Economies of Scale. Ein Managed Service Provider betreibt IT-Infrastrukturen allein aufgrund seiner Größe effizienter und gibt die daraus resultierenden Kostenvorteile an seine Kunden weiter.

Zudem betreut er Dutzende oder gar Hunderte von Installationen und hat damit Experten für ganz spezielle Aufgaben. Und er sorgt dafür, dass es zu keinen Rechts- oder Compliance-Verstößen kommt. So haben die IT-Mitarbeiter vor Ort Zeit, sich um die strategische Weiterentwicklung klinisch relevanter Anwendungen zu kümmern.

Daten nicht an Google weitergeben

Veraltete Gesetze und föderale Strukturen dürfen nicht zum Bremsklotz werden. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist notwendig und gleichzeitig komplex, ein erfahrener IT-Dienstleister kann hier wertvolle Unterstützung leisten. Die Datensouveränität darf dabei nie in Frage gestellt werden – sonst erleben wir, was vor einigen Jahren in Großbritannien passiert ist. Nach der Öffnung des Gesundheitswesens für Hyperscaler musste so mancher feststellen, dass Google & Co. medizinisch mehr über ihn wissen, als ihm lieb ist.

* Marten Neubauer ist Field Director Healthcare bei Dell Technologies in Deutschland.

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