Radioaktivität US-Forscher verwandeln Smartphones in Strahlungsmesser

Redakteur: Franz Graser

Wissenschaftler des Idaho National Laboratory haben eine Applikation für Android-Smartphones entwickelt, die die Handykamera zur Entdeckung von Gammastrahlung verwendet.

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Für Radioaktivität besitzt der Mensch kein Sinnesorgan. Eine Applikation für Smartphones nutzt die Eigenschaften der eingebauten Kamera, um die Intensität radioaktiver Strahlung in der Umgebung zu ermitteln.
Für Radioaktivität besitzt der Mensch kein Sinnesorgan. Eine Applikation für Smartphones nutzt die Eigenschaften der eingebauten Kamera, um die Intensität radioaktiver Strahlung in der Umgebung zu ermitteln.
(Bild: Public Domain)

Wie der Technikblog ExtremeTech berichtet, lässt sich der digitale Bildsensor einer Handykamera tatsächlich sehr leicht dazu nutzen, Gammastrahlen aufzuspüren. Wenn ein Photon ein Pixel des CMOS-Bildsensors trifft, dann fließt elektrischer Strom, der gemessen werden kann.

Bei Gammastrahlen ist es ähnlich. ExtremeTech vergleicht Gammastrahlen mit hochenergetischen Photonen. Sie können ebenfalls mit den Pixeln auf dem Bildsensor interagieren. Problem Nummer 1: Sichtbares Licht überlagert die Gammastrahlen. Deshalb muss die Linse der Handykamera abgedeckt werden, damit kein Licht eindringt.

Problem Nummer 2: Aufgrund von Leckströmen oder Wärmeeinflüssen erzeugen die Sensoren von Handykameras erzeugen vergleichsweise viel Bildrauschen, das ebenfalls ausgefiltert werden muss. Eine Möglichkeit ist es, eine sogenannte Noisemap zu erzeugen. Dabei handelt es sich um eine Momentaufnahme des Bildsensors, wenn er weder sichtbarem Licht noch einer Gammastrahlenquelle ausgesetzt ist. Vergleicht man diese Noisemap mit dem Istzustand, wenn das Handy in Kontakt mit Radioaktivität kommt, dann kann man die auftreffenden Gammastrahlen relativ leicht ermitteln.

Diese Methode ist zwar nicht sonderlich genau. Sie kann aber dazu benutzt werden, um die Strahlungsdosis in etwa zu berechnen und dem Benutzer anzuzeigen, ob die Strahlenbelastung in einem kritischen Bereich liegt. Das kann unter anderem für First Responder nützlich sein, die an einem Unfallort ankommen und möglicherweise keine ausgefeilte Ausrüstung zur Strahlungsmessung dabei haben. Zudem könnten private Nutzer (zum Beispiel Vielflieger) die Applikation nutzen, um zu sehen, wie hoch die Strahlenbelastung in ihrer Umgebung ist.

Die Applikation wurde auf mehreren Android-Smartphones getestet. Das zeigte, dass die Methode geräteübergreifend funktioniert. Natürlich ist die App einem spezialisierten Strahlungsmesser unterlegen. Das ist aber immer noch besser, als überhaupt keine Möglichkeit zu haben, das Strahlenrisiko zu ermitteln.

Leider ist die Applikation mit dem Namen CellRad derzeit auf keinem der einschlägigen App-Marktplätze zum Download erhältlich. Da das Programm aber von einer staatlichen Institution mit Steuermitteln entwickelt wurde, hofft ExtremeTech, dass es bald öffentlich verfügbar sein wird.

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