53 Jahre nach der Erfindung Uni Würzburg entwickelt neue Form von Laser

Redakteur: Peter Koller

Physiker der Uni Würzburg haben eine neue Form von Laser entwickelt. Der funktioniert nach einem anderen Prinzip als konventionelle Bauteile und verbraucht erheblich weniger Energie. Die Ankündigung kommt pünktlich zum 53. Geburtstag des Lasers.

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Schema des elektrisch betriebenen Polariton-Lasers
Schema des elektrisch betriebenen Polariton-Lasers
(Grafik: Arash Rahimi-Iman, Technische Physik, Uni Würzburg)

Der Polariton-Laser, den Physiker am Lehrstuhl für Technische Physik der Uni Würzburg in enger Zusammenarbeit mit einem internationalem Forscherteam hergestellt und nachgewiesen, haben, sendet Licht aus, dessen Wellen im Gleichtakt schwingen. Darin ähnelt er dem klassischen Halbleiter-Laser, wie er heute überall zu finden ist – vom Labor bis zum CD-Player im Wohnzimmer.

Grundlegend anders sind jedoch die physikalischen Prozesse, die in einem Polariton-Laser ablaufen. Sven Höfling, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl, erklärt den Entstehungsmechanismus: „Vereinfacht gesagt schicken wir Elektronen und Löcher durch das Anlegen einer elektrischen Spannung in einen Quantenfilm. Diese ziehen sich aufgrund der entgegengesetzten Ladung an und bilden gemeinsam ein sogenanntes Exziton. Durch die starke Licht-Materie-Kopplung dieser Exzitonen an eine Halbleitermikrokavität werden daraus Polaritonen. Diese zerfallen nach kurzer Zeit und dabei werden Photonen emittiert.“

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Der Laser feiert heute Geburtstag

Laser-Erfinder Theodore Maiman
Laser-Erfinder Theodore Maiman
( Wikimedia Commons )
Die Ankündigung der neuen Laser-Art kommt passend zum 53. Geburtstag des Lasers: Denn am 16. Mai 1960 demonstrierte Theodore Maiman (1927 - 2007) den ersten funktionfähigen Laser überhaupt, einen Rubinlaser.

Erstaunlicherweise waren anfangs viele Wissenschaftler davon überzeugt, dass es keine praktischen Anwendungen für die Erfindung gäbe. Maimans Arbeitgeber, der Luftfahrt-Konzern Hughes, untersagt ihm die weitere Forschung daran und Maiman selbst nannte den Laser "eine Lösung, die ein Problem sucht".

Das hat sich eindeutig geändert: Für 2012 wird der Umsatz mit Lasern auf rund 7,6 Milliarden US-Dollar geschätzt, so Laser Focus World

Höfling hat mit Christian Schneider und Arash Rahimi-Iman die entsprechenden Experimente durchgeführt. In der aktuellen Ausgabe von Nature stellen die Physiker ihre Arbeit vor.

Die entstandenen Photonen werden von den Spiegeln der Kavität in Richtung des Quantenfilms zurückgeworfen. Dort können die Photonen wieder absorbiert werden, wobei erneut Exzitonen erzeugt werden. „Im Bereich der starken Kopplung entstehen somit ein periodischer Energieaustausch und neue Quasiteilchen, die Polaritonen“, sagt Höfling. „Extrem klein ist die Masse eines Polaritons, annähernd so gering wie die eines Lichtteilchens in der Mikrokavität“, sagt Christian Schneider. Prinzipiell seien in einem Polariton jedoch die Eigenschaften von Exzitonen und Photonen gemischt. Welche von ihnen in welchem Grad ausgeprägt sind, können die Physiker durch den Aufbau ihres Experiments steuern.

Ewig zwischen den Spiegeln eingefangen bleiben die Polaritonen natürlich nicht. „Wir verwenden Spiegel mit einer endlichen Reflektivität“, erklärt Schneider. Das führt dazu, dass der Polariton-Laser ebenfalls kohärentes Licht – den Laserstrahl – emittiert. Das Ergebnis lässt sich anhand dieser Eigenschaft von dem eines konventionellen Lasers also kaum unterscheiden, auch wenn es auf einem gänzlich anderen Wirkmechanismus beruht. Allerdings benötigt ein Polariton-Laser für diesen Prozess deutlich weniger Energie; der Verbrauch sinke um ein bis zwei Größenordnungen, sagt Schneider.

Bereits 2007 hatte Sven Höfling die Idee zur Realisierung eines elektrisch betriebenen Polariton-Lasers; 2008 hat die Gruppe mit den Experimenten begonnen. Dann zeigte sich allerdings ein Problem: „Es ist extrem schwierig zu unterscheiden, ob man einen Polariton- oder einen normalen Laser hergestellt hat. Die Eigenschaften des emittierten Lichts sind normalerweise kaum unterscheidbar“, sagt Höfling.

Aus diesem Grund hat das internationale Forscherteam mit Partnern in den USA, Japan, Russland, Singapur, Island und Deutschland für einen eindeutigen Nachweis erste Experimente um eine weitere Komponente ergänzt. „Weil Materie sensibel auf ein Magnetfeld reagiert, haben wir unsere Messungen noch einmal durchgeführt und dabei die Probe unter einem Magnetfeld beobachtet“, erklärt Schneider. Das Ergebnis habe klar gezeigt, dass es sich tatsächlich um Polaritonen handelte.

Temperaturen von zehn Grad Kelvin – also minus 263 Grad Celsius – sind notwendig, damit der Würzburger Polariton-Laser funktioniert. Das wollen die Physiker ändern. Ihr Ziel ist es, den Prozess auch bei Raumtemperatur zum Laufen zu bringen. Das ist für sie noch aus einem weiteren Grund interessant: „Die Prozesse, die in einem Polariton-Laser ablaufen, sind eng verwandt mit denen in einem Bose-Einstein-Kondensat“, erklärt Christian Schneider.

Darunter verstehen Physiker ein Gebilde mit höchst merkwürdigen Eigenschaften. Man erhält es, wenn man Atome auf eine Temperatur sehr nahe an null Kelvin – also nahe dem absoluten Tiefpunkt – abkühlt. Dann geben die Atome ihre Eigenständigkeit auf und verhalten sich alle wie ein einziges Superatom.

Momentan freuen sich die Wissenschaftler über das bisher Erreichte: „Durch den elektrischen Betrieb bedeuten unsere Ergebnisse einen großen Schritt in Richtung des praktischen Nutzens von polaritonischen Lichtquellen“, sagt Sven Höfling. Und er ist zuversichtlich, dass mit den entsprechenden Materialien schon bald ein Polariton-Laser gebaut wird, der auch elektrisch bei Raumtemperatur funktioniert.

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