Mit der Übernahme der auf Elektronikentwicklung spezialisierten Unternehmensberatung Kugler Maag hat UL Solutions, eine weltweit operierende Organisation in der angewandten Sicherheitswissenschaft, ihr Engagement in der Automobilbranche weiter ausgebaut. Mary Joyce, Global Vice President und General Manager für Mobilität und kritische Systeme bei UL Solutions, erklärt im Interview, wie man den Wandel in der Automobilindustrie angehen muss.
Mary Joyce: „Was auch immer jemand sagt oder tut, gehe von einer positiven Absicht aus. Wenn man das befolgt, verändert man seine ganze Herangehensweise an eine Person oder ein Problem wirklich.“
(Bild: UL Solutions)
Frau Joyce, die Mobilitätsindustrie selbst ist eine Branche in Bewegung. Alle Gewissheiten in der Automobilindustrie werden gerade in Frage gestellt: Elektroantriebe, Konnektivität, autonomes Fahren, Serviceorientierung – gefühlt ändert sich gerade alles. Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für die Branche?
Mary Joyce: Das Akronym ACES fasst den Wandel gut zusammen: Autonomie, Konnektivität, Elektrifizierung und geteilte Mobilität. In all diesen Bereichen der Transformation besteht die Herausforderung für OEMs und Zulieferer darin, eine globale Belegschaft mit neuen Technologien, Fähigkeiten und Disziplinen aufzubauen. Dieser Wandel beginnt in der Forschung und Entwicklung, erstreckt sich aber auch weit über die Produktion hinaus auf digitale Dienste und den Flottenbetrieb. Ein Beispiel ist die Konnektivität: Die zunehmende Komplexität ergibt sich aus den verschiedenen Kommunikationsprotokollen. Diese bieten zahlreiche Angriffsvektoren und -flächen. Die Ingenieure müssen sich dessen bewusst sein. Schulungen sind unerlässlich. Aber auch die Entwicklungsprozesse müssen aufgesetzt und diszipliniert eingehalten werden. Zu diesem Zweck lehren wir auch den Umgang mit neuen Normen, Vorschriften und vor allem der guten Praxis.
Was braucht die Automobilindustrie, insbesondere die etablierten Hersteller, um mit diesen Veränderungen Schritt zu halten?
Glauben Sie, dass sie überhaupt schon wissen kann, was sie brauchen wird? Definitiv müssen sie die Art und Weise, wie sie entwickeln, ändern: durch Disziplin. Denn etliche testen immer noch Risikocode oder sie iterieren ohne Regressionstests… Um diese Fehler zu vermeiden, braucht man strenge Entwicklungsprozesse. Fachkräfte müssen qualifiziert sein, um mit den sich ständig ändernden Technologien und Vorschriften auf Augenhöhe zu bleiben. Letztendlich geht es immer um Fachkräfte? Sie brauchen die richtigen Leute, oder Sie brauchen die Hilfe der richtigen Leute, um sich die notwendigen Fähigkeiten ins Haus zu holen.
Warum können Hersteller und Zulieferer bei diesem Wandel von UL Solutions profitieren?
Traditionell wenden sich OEMs und ihre Zulieferer für physikalische Prüfungen an UL Solutions. Mehr und mehr wenden sie sich auch an UL Solutions als vertrauenswürdige Marke, um zusätzliche Hilfe für die komplexen Systeme zu erhalten, die sie entwickeln. Physische Prüfungen sind nach wie vor wichtig. Wir haben dies kürzlich in Florida nach dem Hurrikan gesehen: Elektrisch angetriebene Fahrzeuge, die mit Salzwasser überflutet wurden, fingen spontan Feuer. Aber das softwaredefinierte Auto erfordert mehr und mehr Validierung und Verifizierung als nur physische Tests. Das liegt daran, dass die Komplexität der Software über die physischen Teile des Fahrzeugs hinauswächst. Und die OEMs stellen fest, dass die traditionelle Art der Produktentwicklung viel zu teuer ist. Eine disziplinierte Entwicklung besteht im Wesentlichen aus strengen Prozessen. Hier verlangen die OEMs viel mehr Unterstützung im Vorfeld. Sie wollen einen zuverlässigen Partner, der ihnen hilft, von Anfang an sichere und zuverlässige Fahrzeuge in allen Betriebsumgebungen auf den Markt zu bringen.
Neben Kugler Maag hat UL Solutions unter Ihrer Führung zahlreiche weitere Unternehmen aus der Automobilbranche übernommen. Was hat der Kunde von dieser Bündelung der Kompetenzen unter dem Dach von UL Solutions?
Das Schöne an der Zusammenführung der Fähigkeiten von DTL, kVA, Method Park und Kugler Maag ist, dass wir der Branche bei ihren schwierigsten Problemen und den größten und komplexesten Fragen helfen können. Und wir folgen immer einer Mission, weil hinter uns eine Stiftung steht.
Was versprechen Sie sich von Kugler Maag, welche besonderen Fähigkeiten erwarten Sie von dieser Übernahme?
Vor der Übernahme wusste ich, dass Kugler Maag richtig gut ist, mit Fähigkeiten in den Bereichen Cybersecurity, funktionale Sicherheit, E/E-Architektur und allen komplexen Bereichen eines Fahrzeugs. Aber jeden Tag, wenn ich mit neuen Kollegen spreche, entdecke ich mehr und mehr Fähigkeiten. Und wenn ich mit ihnen spreche und höre, was sie tun, denke ich: Oh mein Gott, das ist fantastisch! Ich habe das Gefühl, dass Kugler Maag einen wirklich guten Weg gefunden hat, Fachwissen zu teilen, mit übergreifenden Communities of Practice. Meine Vision ist, dass wir diese Gemeinschaften auf weitere Themen und auf den gesamten Geschäftsbereich übertragen.
Diese Vielfalt an Fachwissen bei UL Solutions ist außergewöhnlich. Wie sind Sie persönlich zu UL Solutions und dieser besonderen Herausforderung gekommen, die mit Ihrer Position verbunden ist?
Vor drei Jahren war ich die vierte Mitarbeitende, die im Geschäftsbereich Automotive eingestellt wurde. Ich bin ein wenig unternehmerisch veranlagt, daher finde ich es sehr spannend, etwas von Grund auf neu aufzubauen. Außerdem mag ich die unterschiedlichen Kulturen der vielen kleinen Unternehmen auf der ganzen Welt. Jedes Unternehmen, in das man hineinkommt, hat seine eigene Kultur, die von der Mission und den Werten von UL geleitet wird. Mir gefällt das Konzept vieler verschiedener Kulturen und Menschen, über die ich alles lernen kann.
Stand: 08.12.2025
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Sie sind unter anderem Mitglied des Beirats eines Risikokapitalgebers, haben eine Volleyballmannschaft trainiert und betreuen Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Welche Energie geben Ihnen diese Aufgaben für Ihre Tätigkeit bei UL Solutions?
Ich bin Mitglied des Verwaltungsrats von Enertech Capital, einem Risikokapitalfonds, der in Start-ups investiert, die ziemlich am Anfang stehen. Das gibt mir die Möglichkeit, regelmäßig von innovativen Unternehmen zu hören, und hilft mir dabei, auf dem Laufenden zu bleiben, was auf uns zukommt. Und dann habe ich noch das Glück, mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen in Kontakt zu sein. Was ich aus diesem Engagement mitnehme, ist eine positive Einstellung. Mit einer positiven Einstellung kann ich einem Kollegen oder einem Kunden wirklich zuhören. Nur wenn ich sie als Menschen sehen kann, bin ich in der Lage, ihre Ideen, Konzepte und Bedürfnisse vollständig zu verstehen.
Welchen Rat haben Sie für junge Menschen, die eine aktive Rolle bei der Umgestaltung der Mobilitätsbranche spielen wollen?
Sie sollten sich wahrscheinlich auf kontinuierliches Lernen konzentrieren. Das liegt daran, dass sie anpassungsfähig sein müssen. Eine Möglichkeit, dies zu tun, besteht darin, dass sie versuchen, ihr Denken so weit wie möglich zu diversifizieren. Und zuhören. Manchmal hilft es, zuzuhören, bevor man spricht, um wirklich zu verstehen, was eine andere Person zur Vervollständigung des eigenen Bildes beitragen kann.