Hacking Türschlösser in Hotels sind beängstigend leicht zu knacken

Redakteur: Franz Graser

Ein elektronisches Gerät auf Arduino-Basis erlaubt es, die in Hotels weit verbreiteten Kartenschlösser des Herstellers Onity auszulesen und zu öffnen. Die dafür nötige Hardware kostet nicht mehr als 30 Euro, der potenzielle Schaden ist immens.

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Ein typisches Türschloss, wie es weltweit millionenfach in Hotels zu finden ist: Wie amerikanische Medien berichten, sind diese Kartenschlösser beängstigend leicht zu knacken.
Ein typisches Türschloss, wie es weltweit millionenfach in Hotels zu finden ist: Wie amerikanische Medien berichten, sind diese Kartenschlösser beängstigend leicht zu knacken.
(Bild: United Technologies Fire & Security)

Zwischen vier und fünf Millionen Hotelzimmer sind mit Türschlössern der amerikanischen Firma Onity, einer Tochter des Konzerns United Technologies, ausgestattet. Normalerweise lassen sich diese Schlösser nur durch eine Schlüsselkarte mit einem Magnetstreifen öffnen. Hacker demonstrierten jedoch diesen Sommer, dass es möglich ist, sich auch ohne Karte Zugang zu den damit verschlossenen Hotelzimmern zu verschaffen. Und im texanischen Houston wurde jetzt ein Einbrecher gefasst, der sich möglicherweise genau diese Methode zunutze gemacht hat.

Die Schwachstelle der Onity-Schlösser liegt darin, dass sie an ihrer Unterseite einen Gleichstromausgang besitzen. Über diesen Ausgang lassen sich aber auch die Daten der elektronischen Schließanlage auslesen. Die Problematik lag bisher darin, dass es zu auffällig war, diese Informationen zum Beispiel mit einem Laptop auszulesen.

Im Sommer des laufenden Jahres stellte jedoch der amerikanische Programmierer und Hacker Cody Brocious ein Lesegerät vor, das sich einfach in der Hosentasche verbergen lässt. Inzwischen, so berichtet das US-Wirtschaftsmagazin Forbes, lässt sich die notwendige Elektronik sogar in einem Gehäuse unterbringen, das die Größe eines dicken Filzstifts hat.

Brocious, der unter anderem für Mozilla programmiert, hat die Details seines elektronischen Dietrichs auf seiner Website veröffentlicht. Hardwareseitig sind neben einem Mikrocontroller vom Typ Arduino Mega 128 nur wenige Bauteile notwendig. Durch das Auslesen des Speichers der Schließanlage ist es sehr einfach, dem Schloss den Befehl zu übermitteln, die Tür zu öffnen.

Der Schließanlagenhersteller Onity hat bereits angekündigt, sich der Problematik anzunehmen und die Schwachstelle durch ein Firmware-Update zu beseitigen. Nach Ansicht von Cody Brocious würde dies jedoch dem Austausch der Leiterplatten in allen betroffenen Türschlössern bedeuten, da ein reines Software-Update der Schließanlagen nicht möglich sei. Vor dem Schritt, die Elektronik der Schlösser auszutauschen, dürften viele Hotels zurückschrecken, mutmaßt Brocious.

Eine andere – eher vorübergehende – Lösung findet dagegen die Zustimmung des Hackers, und zwar das Einsetzen einer Abdeckung des Gleichstrom-Ports auf der Innenseite. Unverwundbar würde das Schloss dadurch zwar nicht, aber der Aufwand, an den Port heranzukommen, würde dadurch steigen. Das Risiko für den Einbrecher, erwischt zu werden, würde größer. Einige Hotels haben vorerst die Löcher mit Kitt verklebt.

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