Cheyenne Supercomputer Supercomputer zum Superpreis: Cheyenne wurde versteigert

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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2016 gehörte der Supercomputer Cheyenne zu den Top 20 der leistungsstärksten Computer, zum November 2023 war die „Maschine“ schon nicht mehr unter den Top 150 zu finden. Der Betreiber des 5,34-Petaflop-Systems, das National Center for Atmospheric Research, versteigert Cheyenne.

Einblicke in den Cheyenne Supercomputer.(Bild:  GSA Auctions)
Einblicke in den Cheyenne Supercomputer.
(Bild: GSA Auctions)

Wollten Sie immer mal einen Supercomputer in Ihrem Keller stehen haben, ausgestattet mit Technik, die 5,34 Billiarden Berechnungen pro Sekunde durchführen kann? Dann sollten Sie ein paar Hunderttausend US-Dollar auf der hohen Kante haben, den Keller schon einmal ausmessen und zusätzlich schnell sein. Aktuell und noch bis zum 4. Mai 2024 um 01:11 Uhr unserer Zeit wird der Cheyenne Supercomputer des National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Cheyenne, Wyoming versteigert. 

Cheyenne wurde 2017 beim NCAR in Betrieb genommen, passend zum 150. Geburtstag der gleichnamigen Stadt, und vornehmlich für die Untersuchung von Phänomenen verwendet, die von Wetter und Klima über Waldbrände und seismische Aktivitäten bis zu Windpark-Luftströmungen reichen. Galt Cheyenne im Jahr 2016 noch als Anwärter für die Top 20 der weltweit leistungsstärksten Systeme, so ist das 5,34-Petaflop-System inzwischen wohl in die Jahre gekommen.

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313.344 GB Arbeitsspeicher, aber keine Kabel

Auf der Webseite von GSA Auctions, einer Plattform, die von der General Services Administration (GSA) der Vereinigten Staaten betrieben wird, lassen sich einige der Specs von Cheyenne ablesen – neben Hinweisen, dass der Supercomputer von einer Transportfirma abgeholt werden sollte. GSA Auctions versteigert verschiedene Arten von Vermögenswerten, die von Bundesbehörden nicht mehr benötigt werden.

  • Installierte Konfiguration: SGI ICE XA
  • E-Cells: 14 Einheiten mit einem Gewicht von je etwa 680 Kilogramm
  • E-Racks: 28 Einheiten, alle wassergekühlt
  • Nodes: 4.032 Dual-Socket-Einheiten, konfiguriert als Quad-Node-Blades
  • Prozessoren: 8.064 Einheiten E5-2697v4 (18 Kerne, 2,3 GHz Basisfrequenz, Turbo bis zu 3,6 GHz, 145 W TDP)
  • Kerne insgesamt: 145.152
  • Speicher: DDR4-2400 ECC single-rank, 64 GB pro Knoten, mit 3 High Memory E-Cells mit 128 GB pro Knoten, insgesamt 313.344 GB
  • Topologie: EDR Enhanced Hypercube
  • IB-Schalter: 224 Einheiten

Enttäuschend: Die Glasfaser- und CAT5/6-Verkabelung ist von der Auktion ausgeschlossen, aber immerhin werden die DAC-Kabel jeder Zelle ausgezeichnet und sorgfältig verpackt. Warum die Leute von NCAR Cheyenne loswerden wollen, erklären sie dem künftigen Besitzer fairerweise ebenfalls. Denn die Reparatur- und Wartungsanforderungen sind mittlerweile zu anspruchsvoll geworden.

Warnung vor dem Spritzwasser

„Das System unterliegt aufgrund von fehlerhaften Schnellkupplungen, die zu Spritzwasser führen, Wartungseinschränkungen“, wird dem künftigen Besitzer mitgeteilt. „In Anbetracht der Kosten und Ausfallzeiten, die mit der Behebung dieses Problems in den letzten sechs Betriebsmonaten verbunden waren, wird es als nachteiliger angesehen als die erwartete Ausfallrate der Rechenknoten. Bei etwa 1 % der Knoten kam es in diesem Zeitraum zu Ausfällen, die in erster Linie auf DIMMs mit ECC-Fehlern zurückzuführen sind, die nicht repariert werden können. Außerdem wird das System einer Kühlmittelentwässerung unterzogen.“ Die Kühlmittel, rund zehn Gallonen pro E-Cell, sind ebenfalls Teil der Auktion.

Am Abend des 2. Mai 2024 lag das Höchstgebot bei etwa 120.000 US-Dollar für die knapp 12.000 Kilogramm schwere Konstruktion. Der Startpreis lag bei läppischen 2.500 US-Dollar; scheinbar hatten die Verkäufer dabei schon im Hinterkopf, dass der Transport von Cheyenne teuer werden könnte. Läppisch erscheint das Startgebot dennoch, denn die in Cheyenne verbauten DRAM-Riegel allein, so schätzen die Autoren von Tom's Hardware, könnten einen Wert von rund 350.000 US-Dollar haben. Es ist also damit zu rechnen, dass die Bietenden nicht unbedingt planen, Cheyenne wirklich zu betreiben, sondern eher auszuschlachten.

Ein Update vom 6. Mai 2024 um 09:00 Uhr: Die Auktion ist mittlerweile beendet und zum Abschluss stiegen die Gebote auf knapp über 480.000 US-Dollar. Der Anschaffungspreis für Cheyenne ist zwar nicht öffentlich bekannt, dennoch ist davon auszugehen, dass er um ein Vielfaches höher lag. (sb)

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