Die meisten Industrieunternehmen in Deutschland planen zusätzliche Automatisierung. Laut des „RobCo Automation Readiness Index“ arbeitet fast ein Drittel bereits mit hohem Reifegrad, mehr als in den USA. Doch hohe Investitionen und Fachkräftemangel setzen enge Grenzen.
RobCo-Studie: Deutschland ist in Sachen Automatisierung vor den USA.
(Bild: RobCo GmbH)
Die deutsche Industrie legt bei der Automatisierung Tempo vor: 30 Prozent der befragten Unternehmen geben an, einen hohen Reifegrad erreicht zu haben, weitere 25 Prozent befinden sich auf mittlerem Niveau. Zum Vergleich: In den USA rangiert mit 56 Prozent der Großteil der Unternehmen noch auf den unteren Reifestufen.
88 Prozent der deutschen Befragten wollen in den nächsten ein bis drei Jahren weitere Lösungen einführen. Zugleich blickt die Branche nüchtern auf ihre Hürden: 52 Prozent nennen den Fachkräftemangel als größtes Problem, 49 Prozent die hohen Investitionskosten.
„Unsere Studie zeigt jedoch auch, dass sich viele Industriebetriebe das Vorankommen unnötig erschweren“, sagt Roman Hölzl, CEO und Mitgründer von RobCo. „Dass der Fachkräftemangel für viele Unternehmen aktuell eine der größten Herausforderungen darstellt, ist kaum überraschend. Diese Problematik wird sich auf absehbare Zeit nicht entschärfen – ganz im Gegenteil. Automatisierung sollte in diesem Zusammenhang nicht als zusätzliche Hürde, sondern als wesentlicher Teil der Lösung betrachtet werden.“
Unterschiede nach Branche und Technologie
Die Reifegrade streuen stark. Zehn Prozent stehen noch am Anfang ihrer Reise, neun Prozent melden bereits weitgehend automatisierte Prozesse. In der Breite herrscht Inselautomatisierung vor: Viele Betriebe haben einzelne oder mehrere Prozesse automatisiert, eine End-to-End-Automatisierung bleibt die Ausnahme. Softwarebasierte Automatisierung liegt vorn: Mehr als die Hälfte nutzt sie bereits, weitere 29 Prozent testen. Physische Robotik folgt, 26 Prozent fahren aktuell Pilotprojekte. KI-basierte Automatisierung ist weniger etabliert, doch 36 Prozent experimentieren damit.
RobCo Automation Readiness Index 2025: Status der Automatisierung
(Bild: RobCo)
Die Fertigungsindustrie führt in allen drei Bereichen, während sich die Lebensmittelbranche zurückhaltender zeigt. Gleichwohl testen dort etwa ein Drittel der Unternehmen Robotik sowie software- und KI-basierte Lösungen. Unternehmen, die bereits automatisieren, kombinieren im Schnitt zwei Technologien – besonders häufig KI-basierte Lösungen (56 Prozent) und softwarebasierte Prozessautomation (54 Prozent). Mobile Robotik und automatisierte Intralogistik verbreiten sich langsamer, weil Einstiegskosten und Integrationsaufwand höher liegen.
Makrolage und Personal: die großen Bremsen der Automatisierung
Neben dem Personalmangel lasten wirtschaftliche Unsicherheit und steigende Produktionskosten auf den Planungen. Die Hälfte der Betriebe verweist auf das konjunkturelle Umfeld, 48 Prozent auf Kosten für Energie und Personal. Unternehmen berichten zudem von Unsicherheiten durch sich wandelnde Gesetzesrahmen, vom Mindestlohn über erweiterte Nachhaltigkeitsberichte bis zum EU-Regelwerk für KI.
Beim Personal wird der Druck in den kommenden Jahren zunehmen: Der demografische Wandel führt viele Fachbereiche in Engpässe. In Logistik und Transport nennen 63 Prozent den Mangel an qualifizierten Kräften als größte Sorge.
Automatisierung wirkt bereits messbar. 49 Prozent der Unternehmen senkten operative Kosten, ähnlich viele steigerten ihre Produktivität. 42 Prozent reduzierten manuelle Fehler, 46 Prozent steigerten ihre Qualität. Zudem berichten 50 Prozent, dass Abfälle reduziert und Ressourcen effizienter genutzt werden. Besonders profitieren Automobilhersteller (64 Prozent) und Logistikunternehmen (53 Prozent), die bereits automatisiert haben oder dies planen.
Investieren, aber mit kürzeren Wegen
88 Prozent planen zusätzliche Automatisierung in ein bis drei Jahren, häufig flankiert von Rückverlagerungs- oder Onshoring-Strategien. Gleichzeitig empfinden 56 Prozent die Automatisierungskosten als hoch, 13 Prozent sogar als extrem hoch. Besonders die Automobilbranche investiert überdurchschnittlich (74 Prozent), um international konkurrenzfähig zu bleiben. Auch große Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten zeigen überdurchschnittliche Investitionsbereitschaft (68 Prozent).
Wer Automatisierung abteilungsübergreifend verantwortet, kommt schneller voran. Unternehmen ohne neue Maßnahmen haben häufiger eine zentrale Stelle als einzigen Treiber benannt. Die Studie legt nahe: Zentralisierung erzeugt Engpässe, während breit verankerte Verantwortung Silos aufbricht und Tempo bringt.
Robot-as-a-Service: Finanzierung neu denken
Klassische Kaufmodelle und Förderprogramme dominieren und verlängern die Vorlaufzeit. Beide Modelle hätten ihre Nachteile. Der klassische Kauf binde Kapital und mache unflexibel. Förderprogramme seien oft langwierig und abhängig von politischen Entscheidungen, erklärt Hölzl. Viele Unternehmen streben Amortisationszeiten von ein bis zwei Jahren an, geraten aber durch lange Bewilligungsprozesse ins Hintertreffen.
Stand: 08.12.2025
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Alternativen wie Robot-as-a-Service und Umsatzbeteiligungen senken die Einstiegshürde, werden bislang jedoch erst von Minderheiten genutzt. Im Schnitt setzen 35 Prozent auf Leasingmodelle und 25 Prozent auf Revenue-Share-Modelle. Unter kleinen Betrieben mit weniger als 250 Mitarbeitenden sinken die Werte auf 20 beziehungsweise 18 Prozent.
Die Daten basieren auf einer im August 2025 durchgeführten Befragung des Marktforschers Sapio im Auftrag von RobCo. Befragt wurden jeweils 250 Entscheiderinnen und Entscheider in Deutschland und den USA, die in ihren Unternehmen für die Automatisierung virtueller und maschineller Prozesse verantwortlich sind. (mc)