Siemens-Studie zur Energiewende Stromnetze sollen sich mit KI, Software und Daten selbst stabilisieren

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Die Siemens-Studie Infrastructure Transition Monitor 2025 zeigt einen klaren Trend: Die Energiebranche investiert stärker in KI und autonome Netztechnologien, um komplexere Stromnetze zu steuern. Viele Unternehmen sehen darin den Schlüssel für mehr Resilienz und weniger Emissionen.

Siemens-Studie: KI als Motor für die nächste Phase der Energiewende.(Bild:  © Michael Malorny)
Siemens-Studie: KI als Motor für die nächste Phase der Energiewende.
(Bild: © Michael Malorny)

Die Untersuchung basiert auf einer Befragung von 1.400 Führungskräften in 19 Ländern, darunter 241 Entscheider aus dem Energiesektor. Sie beschreibt ein Spannungsfeld: Die Unternehmen wollen Tempo aufnehmen, stoßen aber auf Netze, die für die nächste Ausbaustufe der Energiewende nicht gerüstet sind. 65 Prozent halten Elektrifizierung für den direktesten Weg in Richtung Netto-Null, doch 73 Prozent bremsen unzureichende Netzkapazitäten aus. Fast ebenso viele warnen vor Investitionshemmnissen durch politische und wirtschaftliche Unsicherheiten.

Digitale Netze rücken in den Mittelpunkt

Trotz dieser Hürden erkennen die Unternehmen deutliche Fortschritte seit 2023. Der Ausbau erneuerbarer Energien, große Speicherprojekte und der Abschied von fossilen Energieträgern kommen schneller voran. Gleichzeitig verschiebt sich die Prioritätensetzung: Eine stabile Energieversorgung steht inzwischen an erster Stelle – noch vor Speichertechnologien und erneuerbaren Kapazitäten.

Um diese Stabilität zu sichern, setzen viele Unternehmen auf autonome Systeme. 59 Prozent planen steigende Investitionen, 68 Prozent sehen darin einen der wichtigsten Hebel zur Emissionsreduktion. 72 Prozent rechnen damit, dass KI innerhalb der nächsten drei Jahre ihre Geschäftsprozesse spürbar verändert. Besonders hoch ist die Erwartung an digitale Zwillinge, die Netzbetreiber mit Echtzeitdaten aus smarten Zählern und Sensoren versorgen sollen.

Erreichtes Infrastrukturziel 2025 2023 Differenz
Nationale Energieunabhängigkeit 52 % 27 % +25 %
Ausbau großskaliger Energiespeicher 54 % 28 % +26 %
Ausstieg aus fossilen Energieträgern 49 % 26 % +23 %
Ausbau großskaliger erneuerbarer Energien 54 % 31 % +23 %
Senkung der Energiepreise 55 % 39 % +16 %
Proaktives Management von Klimarisiken 57 % 41 % +16 %
Stärkere Vernetzung regionaler Energienetze 51 % 36 % +15 %
Sicherstellung einer widerstandsfähigen Energieversorgung 53 % 38 % +15 %
Ausbau und Transformation der Stromübertragungsnetze 52 % 41 % +11 %
Dekarbonisierung der Schwerindustrie 42 % 37 % +5 %
Schutz von Biodiversität und Ökosystemen 43 % 43 % +0 %

„Im Vergleich zu 2023 geben mehr Befragte an, dass sie hinsichtlich der Ziele für den Infrastrukturwandel bereits weit fortgeschritten oder sogar schon ausgereift sind.“

Quelle: Siemens Infrastructure Transition Monitor, Seite 3 (PDF)

„Software wird zum Nervensystem des Netzes“

Sabine Erlinghagen, CEO von Siemens Grid Software, warnt im Rahmen der Studie vor den Folgen eines zu langsamen Digitalumbaus: „Veraltete Netzinfrastruktur stellt eine ernsthafte Bedrohung für die saubere Energiewende dar. Indem digitale Technologien eingesetzt werden, um autonome Netze zu entwickeln, lässt sich die Netzkapazität steigern und gleichzeitig die Zuverlässigkeit und Widerstandsfähigkeit erhöhen. Daher müssen auch Regulierungen mit der Digitalisierung und Innovationen Schritt halten. Denn nur so lässt sich sicherstellen, dass unsere Energiesysteme für die Anforderungen einer sauberen Energiezukunft gerüstet sind.“

Gerade in den unteren Spannungsebenen fehlt es weiterhin an Transparenz. Viele Verteilnetze lassen sich kaum aktiv managen, obwohl dort der Großteil neuer flexibler Verbraucher und Erzeuger entsteht – Wärmepumpen, Ladepunkte, Photovoltaik. Erlinghagen beschreibt den digitalen Wandel als Schlüsselfaktor: Software werde „zum Nervensystem“ des Stromnetzes, weil nur sie die Vielzahl an Variablen beherrschbar mache.

Die Branche sieht Chancen, aber auch Strukturprobleme

Die Studie zeigt eine Branche, die technisch vorankommt, aber organisatorisch und regulatorisch gebremst wird. Auf dem Papier herrscht Zustimmung: 74 Prozent glauben, dass KI die Resilienz kritischer Infrastrukturen stärkt, 62 Prozent halten ihre Region für bereit, autonome Systeme einzusetzen. Doch ohne Reformen bei Marktregeln, Investitionsanreizen und Datenstandards bleiben viele Projekte Stückwerk.

Der Siemens Infrastructure Transition Monitor erscheint alle zwei Jahre und soll politischen Entscheidungsträgern wie Energieversorgern Orientierung geben. Klar ist: Die nächste Phase der Energiewende hängt weniger am Ausbau von Wind- und Solaranlagen, sondern daran, wie schnell die Stromnetze digital erwachsen werden. (mc)

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