Photovoltaik-Forschung Solarzellen reparieren sich selbst von UV-bedingten Schäden

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

Australische Forscher haben erstmals die Selbstreparatur-Mechanismen von Silizium-Solarzellen auf molekularer Ebene in Echtzeit beobachtet. Die Erkenntnisse könnten Testverfahren grundlegend verändern und Herstellungskosten senken.

Silizium-Solarzellen können UV-bedingte Schäden auf molekularer Ebene selbst reparieren. Dies konnten Forscher der University of New South Wales in Australien beobachten.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Silizium-Solarzellen können UV-bedingte Schäden auf molekularer Ebene selbst reparieren. Dies konnten Forscher der University of New South Wales in Australien beobachten.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Wissenschaftler der University of New South Wales (UNSW) haben mit einer UV-Raman-Spektroskopie-Methode einen Mechanismus entschlüsselt, der Photovoltaik-Experten schon lange bekannt war: Solarzellen können sich unter Sonnenlicht von UV-bedingten Schäden selbst erholen. Diese Selbstreparatur erfolgt durch atomare Materialumstrukturierung und ermöglicht es den Zellen, ihre ursprüngliche Leistung wiederzuerlangen.

Molekulare Reparaturmechanismen im Detail

I-V-Kennlinien und Photolumineszenz-Bildgebung von TOPCon-Zellen nach 60-minütiger UV-Bestrahlung (UVID) und anschließender Selbstheilung durch Lichteinwirkung (LSIR).(Bild:  Energy & Environmental Science (2026). DOI: 10.1039/d5ee05078b)
I-V-Kennlinien und Photolumineszenz-Bildgebung von TOPCon-Zellen nach 60-minütiger UV-Bestrahlung (UVID) und anschließender Selbstheilung durch Lichteinwirkung (LSIR).
(Bild: Energy & Environmental Science (2026). DOI: 10.1039/d5ee05078b)

Bei UV-Bestrahlung zerstören hochenergetische Photonen chemische Bindungen zwischen Wasserstoff-, Silizium- und Bor-Atomen nahe der Zelloberfläche. Diese Schäden schwächen die Passivierungsschichten, die das Silizium-Material schützen, und führen zu Leistungsverlusten. Unter normaler Sonnenlichtbestrahlung migrieren Wasserstoffatome jedoch zurück zur Oberfläche und gebrochene Bindungen formieren sich neu. Das Material kehrt dabei teilweise in seinen ursprünglichen Zustand zurück. Entscheidend für Elektronikentwickler ist dabei, dass dieser Erholungsprozess lediglich 10 bis 20 Minuten Sonnenlichtexposition benötigt.

Die UNSW-Forscher entwickelten eine ultraviolette Raman-Spektroskopie, die als zerstörungsfreie Analysemethode funktioniert. Dabei wird das Material mit einem Laser bestrahlt und anschließend die Lichtstreuung analysiert. Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass molekulare Schwingungen und chemische Bindungsänderungen in Echtzeit sichtbar werden. Die Innovation dieser Methode besteht in der Möglichkeit, zwischen reversibler und permanenter Degradation zu unterscheiden, ohne dabei die Probe zu zerstören.

„Diese Technik funktioniert ein bisschen wie eine Kamera. Anstatt nur zu messen, wie viel Strom die Zelle produziert, können wir direkt sehen, wie sich das Material selbst in Echtzeit verändert. Normalerweise können wir nur die Stromausgangsleistung messen. Das wurde bereits von vielen Leuten beobachtet, aber mit dieser neuen Methode erklären wir auch den Mechanismus und können die Veränderung auf Materialebene sehen“, sagt Dr. Liu, Co-Autor der Studie.

Diese anschauliche Beschreibung verdeutlicht den fundamentalen Unterschied zu herkömmlichen Testverfahren: Während bisherige Methoden nur das Ergebnis der Degradation messen konnten, macht die neue Technik die zugrundeliegenden physikalischen Prozesse direkt sichtbar.

Bedeutung für die Elektronikentwicklung

Herkömmliche beschleunigte UV-Tests weisen erhebliche Nachteile auf, da sie eine Demontage der Zellen erfordern und nur indirekte elektrische Messungen über Tage oder Wochen liefern. Die neue Lösung hingegen ermöglicht es, UV-Empfindlichkeit binnen Sekunden zu detektieren, was sie für die Fertigungsqualitätskontrolle besonders geeignet macht.

„Diese neue Methode kann direkt in der Produktionslinie verwendet werden, um schnell zu prüfen, wie gut Solarzellen UV-Schäden widerstehen, was sie für zukünftige Qualitätskontrollen in der Fertigung nützlich macht“, erklärt Prof. Hao, der die Forschungsarbeit leitete. Das stellt einen erheblichen Fortschritt gegenüber bisherigen Testverfahren dar, die zeitaufwendig und oft ungenau waren.

Aktuelle UV-Testprotokolle überschätzen möglicherweise langfristige Leistungsverluste, da sie Degradationsmodi induzieren, die unter realen Außenbedingungen selbst reparieren. Dies führt zur Vermeidung von Over-Engineering bei Solarpanels, reduzierten Herstellungskosten und präziseren Lebensdauer-Prognosen. Hersteller können damit ihre Produktauslegung optimieren und gleichzeitig Kosten einsparen.

Technische Implementierung

Für Produktentwickler sind dabei mehrere Parameter von besonderer Relevanz. Die Regenerationszeit beträgt lediglich 10 bis 20 Minuten unter Standardbeleuchtung, während die Detektionsgeschwindigkeit auf Sekunden statt Wochen reduziert wird. Der Anwendungsbereich erstreckt sich auf Silizium-basierte Photovoltaikzellen, wobei die Messgenauigkeit bis zur atomaren Auflösung der Bindungsänderungen reicht.

Die Raman-Spektroskopie lässt sich als Non-Destructive Testing (NDT) in bestehende Fertigungslinien integrieren. Dabei wird eine Inline-Qualitätskontrolle möglich, ohne dass eine Probenentnahme erforderlich ist. Zudem besteht Kompatibilität mit bestehenden UV-Testständen, was die Implementierung in vorhandene Produktionsumgebungen erleichtert. (heh)

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