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Als Hauptargumente werden meist genannt: Die Übersetzung ist zu aufwändig oder man agiert schließlich als Global Player. Meine zugegebenermaßen etwas gehässigen Gegenargumente: Wer so viel Text auf seine Folien gequetscht hat, dass die Übersetzung zu aufwändig ist, hat den Sinn der Projektion nicht verstanden. Denn sie dient nicht dazu, den Zuhörer in einen Zuleser zu verwandeln, sondern sie ergänzen, verstärken und unterstützen das Gesagte durch visuelle Eindrücke.
Zwingen Sie Ihr Publikum nie dazu, sich zwischen Hören und Sehen entscheiden zu müssen mit der Gefahr, dass ihnen beides vergeht. So gesehen sind fremdsprachliche Schlüsselwörter zum muttersprachlichen Vortrag ein erträglicher Kompromiss, wenn die sprachlichen Grenzen ohnehin verwischt sind. Doch der lässt sich nicht schließen, wenn der Sprecher mangels Fachkenntnis oder aus Unsicherheit zum Ablesen gezwungen ist. Dabei entpuppt sich die der Sprachwechsel zwischen Lesen und Reden häufig als tückischer Stolperstein.
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte?
Vergessen wir kurz die Worte, denn Bilder sagen ja mehr als 1000 Worte. Doch wenn sie aufwändig animiert aus vielen erscheinenden, heranfliegenden oder spiralförmig einschwebenden Details entstehen, verschlägt es dem verwirrten Betrachter die Sprache. Das Ganze wird dann noch mit einer avantgardistischen Geräuschkulisse hinterlegt und durch großzügige Anwendung der verfügbaren Form- und Farbpalette aufgepeppt. Gehirne, die mitdenken wollen, müssen nun erst einmal das Wesentliche aus dem sensorischen Chaos herausfiltern. In der Zeit, in der diese kleinen Actionwunderwerke geschaffen werden, hätte man sich auch eine Darstellung ausdenken können, die ohne autistische Begabung begreifbar ist.
Die interessante, spannende oder unterhaltsame Geschichte
Bevor ich mich nun weiter ereifere, komme ich zum letzten Teil meiner Zauberformel: die interessante, spannende oder unterhaltsame Geschichte. Selbstverständlich sind auch alle drei Eigenschaften kombinierbar. Die besten Geschichten schreibt das Leben, und am besten erzählen wir die eigenen Erlebnisse. Menschen sind sehr an Geschichten interessiert, weil sie damit ihren eigenen Erfahrungshorizont ohne persönliche Risiken erweitern können.
Nicht von ungefähr sind Tratsch, Klatsch, Tragödien und Anekdoten so beliebt. Sie sind die beste Quelle für Informationen, weil sie Fakten und Emotionen miteinander verbinden. Tatsächlich gewinnen Fakten erst durch Emotionen ihre wahre Bedeutung. Welche Gefühle auch immer wirken, ob Begeisterung, Überzeugung, Euphorie, Furcht, Wut, Freude, Trauer - sie sind es erst, mit denen Fakten beeindrucken.
Mein wichtigster Tipp: Am Anfang einer erfolgreichen Präsentation steht der Wunsch des Redners, andere Menschen auch an den Gefühlen teilhaben zu lassen, die er beispielsweise mit einem Erlebnis, einem Ziel oder einer Aufgabe verbindet. Der Rest ergibt sich aus dieser Motivation fast von selbst. Sollte diese Voraussetzung fehlen, wird es schwer. Wenn Sie begeistern wollen, haben Sie nur die Wahl, ein Thema zu wählen, das Sie begeistert, oder herauszufinden, was Sie an einem Thema begeistert.
(mh)
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