Rollator 2.0

Smarte Gehhilfe – Der Rollator wird intelligent

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Der Rollator als Motivator

FriWalk ist kostengünstiger als ein Laufteppich und bietet eine umfassendere Datenqualität. Analog zu einem 24 Stunden EKG kann die Person längere Strecken mit dem Rollator fahren. Der Arzt kann dadurch Phänomene erkennen, die möglicherweise erst unter längerer Belastung auftreten.

„Unser Ziel ist eine Version des Rollators für Krankenhäuser und eine günstigere für Familien zu realisieren, die weniger als 2.000 Euro kostet“, sagt Projektleiter Luigi Palopoli von der italienischen Universität Trento. Abseits des medizinisch-diagnostischen Einsatzes, könnte FriWalk im Sinne eines persönlichen Trainers wirken.

Verwandte, enge Freunde oder der Nutzer selbst tragen Informationen über Gewohnheiten und Vorlieben in ein FriTablet ein. Anhand dieses Nutzerprofils schlägt FriWalk passende Bewegungsaktivitäten vor – zum Beispiel den Besuch einer Ausstellung oder einen Einkaufsbummel.

Primär werden die Interessen jedoch aus der Beobachtung vergangener Situationen abgeleitet, in welchen der körperliche und emotionale Zustand des Nutzers erfasst wurde. Dafür wird die mobile Gehilfe mit zusätzlichen Sensoren ausgestattet, die berührungslos die Herzfrequenz messen und in der Lage sind, Emotionen vom Gesichtsausdruck abzuleiten. Über Gestenerkennung wird das Gerät zudem benutzerfreundlich steuerbar sein.

Mit Robotern zum cyberphysischen sozialen Netzwerk

Auf Basis der gesammelten Gesundheitsdaten können Ärzte und Pflegepersonal Trainingsziele definieren. Während des Trainings dient FriWalk als Navigationshilfe und hilft dem Nutzer, mögliche Gefahren, etwa rutschige Stelle am Boden, und stressige Situationen wie überfüllte Plätze zu vermeiden.

Dafür werden Echtzeitinformationen, die von Sensoren aus der Umgebung und anderen FriWalkern stammen, verknüpft und über eine cloud-basierte Infrastruktur zugänglich gemacht. So kann das System unerwartete Situationen rasch identifizieren und den Nutzer über alternative Möglichkeiten informieren.

Ziel ist ein cyber-physisches soziales Netzwerk zu schaffen: Ein Kommunikationssystem, das Nutzergruppen mit ähnlichen Vorlieben miteinander vernetzt und anzeigt, wo gerade eine interessante Gruppenaktivität stattfindet.

„Die Technik darf Senioren dabei aber nicht überfordern“, sagt Birchbauer. „Wichtig daher ist, dass unser System sich optisch nicht von einer herkömmlichen Gehhilfe unterscheidet. Deshalb haben wir sämtliche Sensoren möglichst unauffällig montiert.“

Rund 100 Senioren in Spanien, Italien und England werden bis zum Ende des Projektes 2018 FriWalk testen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Datenschutz gelegt. ACANTO wird mit 4,3 Millionen Euro von der Europäischen Kommission gefördert.

Aus: Pictures of the Future, das Siemens Magazin für Forschung und Innovation

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