Neue Norm ISA-112 SCADA-Referenzarchitektur mit 11-Schichten-Modell für die Automatisierung

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

Die International Society of Automation (ISA) hat mit der ANSI/ISA-112.00.01-2025 den ersten Teil eines umfassenden, herstellerneutralen Standards für SCADA-Systeme veröffentlicht. Mit elf Schichten und einem standardisierten Lebenszyklus sollen Systemintegration und Modernisierungen massiv vereinfacht werden.

Strukturierte Automatisierung: Das neue 11-Schichten-Referenzmodell der ISA-112 soll Ordnung in komplexe SCADA-Architekturen bringen und die Integration von Feldgeräten bis hin zur Cloud vereinheitlichen.(Bild:  Nano Banana / KI-generiert)
Strukturierte Automatisierung: Das neue 11-Schichten-Referenzmodell der ISA-112 soll Ordnung in komplexe SCADA-Architekturen bringen und die Integration von Feldgeräten bis hin zur Cloud vereinheitlichen.
(Bild: Nano Banana / KI-generiert)

SCADA-Systeme (Supervisory Control and Data Acquisition) in kritischen Infrastrukturen (KRITIS) wie Wasser, Abwasser, Energie oder Verkehr sind oft über Jahrzehnte historisch gewachsen. Das Resultat für Anlagenbetreiber und Systemintegratoren sind häufig komplexe, schwer wartbare Architekturen. Bei Modernisierungen, Erweiterungen oder der Implementierung von Cybersecurity führt diese mangelnde Standardisierung regelmäßig zu massiven Kosten- und Zeitüberschreitungen. Genau dieses Problem soll der neue Standard angehen.

Elf Schichten für mehr Klarheit

Der frisch veröffentlichte Teil 1 der ANSI/ISA-112 („Lifecycle, Diagrams and Terminology“) führt erstmals ein standardisiertes Vokabular und einen strukturierten Management-Lebenszyklus für SCADA-Projekte ein. Das Herzstück des Dokuments ist eine herstellerneutrale Referenzarchitektur.

Diese Architektur unterteilt komplexe SCADA-Systeme in elf logische Schichten (Ebenen), von den physikalischen Geräten im Feld bis hin zur Unternehmensleitebene und Cloud-Anbindung. Das schafft eine einheitliche Basis für das Systemdesign, unabhängig davon, welche Hard- und Software-Lieferanten später zum Einsatz kommen.

Das Fundament für die IEC 62443

Auch für den DACH-Markt, der stark von IEC- und DIN-Normen geprägt ist, besitzt die amerikanische ANSI/ISA-Veröffentlichung hohe Relevanz. Besonders der Security-Aspekt sticht hervor: Eine strukturierte, sauber segmentierte Netzwerk- und Systemarchitektur, wie sie die ISA-112 nun definiert, ist die essenzielle Voraussetzung, um Security-Konzepte nach der etablierten Normenreihe ISA/IEC 62443 überhaupt erfolgreich über Bestandsanlagen legen zu können.

Standardisierung senkt Integrationskosten

Darüber hinaus bietet der Standard handfeste wirtschaftliche Vorteile im Projektgeschäft. Durch die einheitliche Terminologie und klar definierte Systemdiagramme lassen sich Pflichtenhefte und Ausschreibungen künftig präziser formulieren. Endanwender, Systemintegratoren und Komponentenhersteller sprechen künftig sprichwörtlich wieder dieselbe Sprache, was Missverständnisse und Reibungsverluste minimiert.

Die ANSI/ISA-112.00.01-2025 bildet das Fundament einer neuen Normenfamilie. Die ISA-Standardisierungsgremien arbeiten bereits an weiteren Teilen, die künftig detaillierte Workflows, branchenspezifische Best Practices und konkrete Design-Richtlinien für SCADA-Systeme umfassen werden.

 (mc)

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