Der Abschied vom Verbrenner ist beschlossen. Doch damit das Fahren von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen tatsächlich umweltfreundlich ist, muss die Energie aus Sonne, Wind und Wasser kommen. Und dann ist noch das Problem mit der Ladeinfrastruktur.
Mehr Elektroautos: Doch aus welcher Quelle stammt die notwendige Energie zum Laden der Akkus?
Nach Audi und VW kündigte nun Daimler an, ab 2025 alle Modelle auf Elektromobilität umzustellen. Im Falle von Mercedes schätzt man, dass die letzten Autos mit Verbrennungsmotoren wohl noch vor 2035 komplett ausgedient haben – spätestens dann will die EU-Kommission nur noch die Neuzulassung von emissionsfreien Autos erlauben. Abgesehen vom Gebrauchtwagenmarkt, wird es über kurz oder lang keine andere Wahl mehr haben, als auf Elektroautos umzusteigen.
Die Bundesregierung rechnet in den nächsten zehn Jahren mit bis zu elf Millionen neuen E-Autos. Die Diskussion, ob E-Auto oder Verbrennungsmotor, wird daher langfristig gesehen nicht mehr relevant sein. Eine viel interessantere Frage ist, ob fossile oder erneuerbare Energien genutzt werden, um die zukünftigen Autos anzutreiben.
Erneuerbare Energiequellen für eine bessere Energiebilanz
Denn rein elektrisch betriebene Fahrzeuge stoßen zwar beim Fahren kein CO2 aus, für die Energiebilanz sollte der genutzte Strom aber aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Nur so können die Fahrzeuge dazu beitragen, die CO2 zu senken. Andernfalls zahlt sich das Konzept mit der Elektromobilität im Hinblick auf Klimaneutralität nicht aus.
Bislang ist es aber eher ein Strommix, der die Elektroautos versorgt. Der besteht teilweise aus erneuerbaren Quellen, teilweise aus fossiler Stromerzeugung sowie Atomkraft. Spätestens 2038 soll der Ausstieg aus der Kohle komplett vollzogen sein. Das Ziel ist nachvollziehbar, aber reicht der Strom aus erneuerbaren Energien für den erhöhten Stromverbrauch, der durch den vermehrten Einsatz von Stromern auf uns zukommt?
Atomkraft vs. Wind und Sonne?
In einer Umfrage von reichelt elektronik sollten die Befragten genau zu diesem Thema Stellung beziehen: 27 Prozent gaben an, dass man darüber nachdenken sollte, die Atomkraftwerke nicht abzuschalten. 57 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass mehr in den Ausbau von Windkraftanlagen und Solarstrom investiert werden solle.
Windkraft ist aktuell der größte grüne Energieträger Deutschlands; Solarenergie auf Platz zwei. Aber gerade der Ausbau in Windkraft ist in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten: Lange Genehmigungsverfahren scheiterten am Ende oft an Klagen oder den verschärften Abstandsregeln von Windrädern zu Wohnsiedlungen, was in vielen Teilen Deutschlands das Aus für diese Art von Stromerzeugung bedeutet.
Mythen rund um das Elektroauto und was die Deutschen glauben.
(Bild: reichelt elektronik)
Auch wenn der Strom komplett aus Wind, Wasser und Sonne käme, fehlt es in Deutschland an genügend Ladestationen im privaten wie öffentlichen Raum. Die Bundesregierung plant zwar mit der Förderinitiative „Ladeinfrastruktur vor Ort“ einen Ausbau öffentlicher Ladestationen auf Parkplätzen von Supermärkten und Restaurants. Die Frage, ob dieser Strom dann rein grüner Natur ist, wird damit aber noch nicht beantwortet.
Auch bei den privaten Haushalten stärkt die Bundesregierung die Installation von Ladestationen. Das ist aber nicht immer einfach. Denn laut der Umfrage von reichelt elektronik, verfügen 27 Prozent der Befragten über keine Möglichkeit, ein Elektroauto am heimischen Parkplatz aufzuladen. Über ein Viertel gibt an, dass das Nachrüsten einer heimischen Lademöglichkeit nur mit zusätzlichem Aufwand wie zum Beispiel der Legung eines neuen Stromanschlusses verbunden wäre.
Mit der Ankündigung, von Verbrenner auf E-Autos umzusatteln, schieben Automobilhersteller die Mobilitätswende in Deutschland kräftig an. Richtig grün werden die Elektroautos davon aber noch nicht. Ein Schub für regenerative Quellen wie Windkraft, ein schneller wie unkomplizierter Ausbau von öffentlichen und privaten Ladestationen sind nur Teilaufgaben, die auf der Agenda für die Mobilitätswende stehen.
Sofern der Mehrbedarf an Strom nicht zulasten der Netzstabilität und Versorgungssicherheit gehen soll, muss das Stromnetz perspektivisch auf die zusätzliche Belastung durch das Laden von Elektroautos angepasst werden. Smarte Lade-Möglichkeiten wie bidirektionales Laden in Form von Vehicle-to-Grid (V2G) und Vehicle-to-Home (V2H) können ein Ansatz sein, der ebenfalls dazu beiträgt, dass eine bessere Versorgung herrscht.
Dabei sollen geparkte Elektrofahrzeuge, die an eine Ladestation oder Wallbox angeschlossen sind, auch als flexible Stromspeicher genutzt werden und in Phasen besonders hoher Nachfrage nach elektrischer Energie zusätzlichen Strom wieder ins Netz einspeisen. Das Aufladen der Hochvoltbatterien soll dann vornehmlich in Zeiten erfolgen, in denen der allgemeine Strombedarf niedriger ausfällt.
Stand: 08.12.2025
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Bei allen Bemühungen um eine geeignete Energiequelle, ist es schlussendlich immer ein Konsens, der dazu beiträgt, die Elektromobilität in Deutschland voranzutreiben – auch daran wird noch gearbeitet. Immerhin sind 47 Prozent der Befragten überzeugt, dass Elektroautos umweltfreundlicher sind, als herkömmliche Fahrzeuge.
* Jan-Christoph Pakusa ist Produktmanager bei reichelt elektronik.