SETI Russische Radioastronomen empfangen starkes Signal aus dem All

Redakteur: Franz Graser

Das Radioteleskop RATAN-600 in Südrussland hat ein Signal aufgefangen, das von einer Zivilisation aus dem All stammen könnte. UPDATE: Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur TASS wurde das Signal von einem militärischen Satelliten der Sowjetzeit erzeugt.

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Luftaufnahme des Radioteleskops RATAN-600 bei Selentschukskaja im südrussischen Kaukasus.
Luftaufnahme des Radioteleskops RATAN-600 bei Selentschukskaja im südrussischen Kaukasus.
(Bild: Radioteleskop RATAN-600 / Aleksandr S. Kawkas/Wikimedia Commons / BY 3.0)

Hat uns eine außerirdische Zivilisation vom Stern HD164595 eine Botschaft geschickt? Das Signal, welches das russische Radioteleskop RATAN-600 am 15. Mai vergangenen Jahres auffing, kam aus der Richtung des 94,4 Lichtjahre entfernten Gestirns, das etwa die Größe unserer Sonne aufweist.

Der Stern besitzt mindestens einen Planeten, der auf etwa 16 Erdenmassen geschätzt wird. Damit wäre er fast so groß wie der Planet Neptun in unserem Sonnensystem. Doch während Neptun unsere Sonne in einem großen Abstand umkreist und 164 Jahre für einen Umlauf braucht, benötigt der Planet HD164595b lediglich 40 Tage für einen Umlauf um sein Zentralgestirn.

Das Signal selbst wies eine Wellenlänge von 2,7 Zentimetern auf (11 Gigahertz), die Signalstärke betrug 750 Millijansky. Sowohl traditionelle Medien als auch Blogger ziehen bereits Vergleiche zum sogenannten Wow!-Signal, das am 15. August 1977 von Big-Ear-Radioteleskop der Ohio State University aufgefangen worden war.

Allerdings wies das Wow!-Signal, das als bisher wahrscheinlichster Kandidat für einen außerirdischen Kommunikationsversuch gehandelt wird, eine Frequenz von 1420 Megahertz auf. Diese Frequenz liegt in der Nähe der sogenannten Wasserstofflinie, also der Radiostrahlung neutralen Wasserstoffs. Die 21-Zentimeter-Wellenlänge gilt unter SETI-Forschern (SETI: Suche nach extraterrestrischen Intelligenzen) als vielversprechendste Frequenz für die Kontaktaufnahme außerirdischer Zivilisationen, da Wasserstoff das am weitesten verbreitete Element im Universum darstellt.

Obwohl das in Russland aufgefangene Signal bereits vor über einem Jahr registriert wurde, erhielt die Fachwelt erst am vergangenen Wochenende Kenntnis davon. Der SETI-Forscher Claudio Maccone von der Universität Turin hatte einen Vortrag der russischen Wissenschaftler besucht, die das Signal analysiert hatten, und seinen Inhalt an den Wissenschaftsautor Paul Gilster weitergeleitet, der das Blog Centauri Dreams betreibt.

Wie der britische Guardian schreibt, ist die Entdeckung des russischen Radioteleskops mit einer gehörigen Portion Skepsis verbunden. Unter anderem ist es ungewöhnlich, dass die russischen Forscher mit ihrer Entdeckung über ein Jahr lang hinter dem Berg hielten. In der SETI-Community sei es eher üblich, dass Radioastronomen, die ein interessantes Signal entdecken, ein anderes Observatorium anriefen und ihnen die Position am Himmel mitteilten, sagte der Astronom Seth Shostak vom SETI Institute dem Guardian.

Der Italiener Claudio Maccone und der russische Forscher Nikolai Bursov setzten sich nun dafür ein, dass der betreffende Himmelssektor weiter intensiv überwacht wird, falls das Signal wieder auftaucht. Es gibt jedoch auch Skeptiker: Der Astronom Nicholas Suntzeff von der Texas A&M University hält es für möglich, dass es sich bei der Frequenz um ein militärisch genutztes Frequenzband handelt.

UPDATE: Diese Vermutung wurde inzwischen von russischen Astronomen bestätigt. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur TASS sagte die Wissenschaftlerin Julija Sotnikowa, die Analyse des Signals habe ergeben, dass es sich um eine terrestrische Reflexion gehandelt habe. Alexander Ipatow von der Russischen Akademie der Wissenschaften gab an, ein militärischer Satellit aus der Sowjetzeit habe das Signal emittiert. Der Satellit sei aus Geheimhaltungsgründen in keinem Himmelskörper-Katalog verzeichnet gewesen.

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