Recycling

Rohstoffquelle Elektroschrott

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Kunststoffe wiederverwerten

Kupfer, Aluminium, Eisen- und Edelmetalle aus alten Elektrogeräten werden bereits schon jetzt oft wiederverwertet. Anders sieht es allerdings bei Kunststoffen aus. "Bisher gibt es noch kaum Lösungen, um etwa die Gehäuse von Fernsehern oder Ähnliches hochwertig zu recyceln", erklärt Schischke. Meist wird das Plastik nur energetisch verwertet – sprich verbrannt. Das will CloseWEEE ändern. Kunststoffe aus alten elektrischen und elektronischen Geräten sollen wieder in die Gehäusefertigung zurückfließen.

Das Potenzial ist groß: Pro Jahr landen mit Fernsehern, PC, Kühlschränken und Tablets etwa 175.000 Tonnen Kunststoffe im Müll. Doch diese Ressource zu nutzen, ist nicht einfach. Denn die Hersteller setzen eine Vielzahl von Mixturen ein, die untereinander oft nicht kompatibel sind. Das erschwert den Recyclingprozess. Geschreddert und dann gepresst, landen die unterschiedlichen Kunststofftypen alle zusammen in einem Container – oftmals verunreinigt mit Resten von Metall. Eine weitere Herausforderung sind die Flammhemmer in den Kunststoffen. Viele der ausgemusterten Elektrogeräte enthalten umweltschädliche Bromverbindungen.

Die Idee der CloseWEEE-Experten: Sie wollen hochwertige Kunststoffmischungen aus Polycarbonaten und Acrylitril Butadien Styrol (PC/ABS) gewinnen. Daran arbeitet das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising unter der Leitung von Dr. Martin Schlummer.

Im eigens entwickelten ›CreaSolv‹-Prozess testet das Team unterschiedliche Verfahren, um die gewünschten Kunststoffe aus Stoffgemischen zu extrahieren. Die Experten nutzen Lösungsmittel, um die verschiedenen Kunststofftypen voneinander zu trennen und von umweltschädlichen Flammhemmern sowie weiteren Verunreinigungen zu befreien. Als Nebenprodukt wird dabei auch Antimon aus dem Abfall zurückgewonnen, ein wirtschaftsstrategisch wichtiges Metall für den Standort Europa. Das spanische Forschungsunternehmen Gaiker erprobt Detektions- und Sortierverfahren, um die Kunststoffe zu sortieren. Umgesetzt wird schließlich das Verfahren, das sich als wirtschaftlich erfolgreicher erweist.

Die gewonnenen Polymere sollen schließlich an den Projektpartner TP Vision gehen, der daraus Gehäuse für seine Fernsehgeräte fertigen lässt. Damit setzt CloseWEEE auf eine geschlossene Kreislaufwirtschaft.

Aus alt mach neu


Mit knapp sechs Millionen Euro wird CloseWEEE von der Europäischen Union durch das Forschungsprogramm ›Horizon 2020‹ gefördert. Ziel ist es, die Kreislaufwirtschaft bei Elektroaltgeräten zu verbessern und wertvolle Ressourcen – wie den Kunststoff – hochwertig zu recyceln. Die Laufzeit des Projekts beträgt vier Jahre.

Die Projektteilnehmer von CloseWEEE sind:

  • Accurec Recycling GmbH, Deutschland / Batterierecycling
  • Argus Additive Plastics GmbH, Deutschland / Additiv-Masterbatches
  • Sitraplas GmbH, Deutschland / Kunststoffcompounds
  • Coolrec B.V., Niederlande / Demontage und Recycling
  • Demontage und Recycling-Zentrum, Österreich / Online-Datenbank
  • Exergy Ltd, England / Umwelt-Consulting
  • Fraunhofer IVV, Deutschland / CreaSolv-Prozess
  • Fraunhofer IZM, Deutschland / Projekt- und wissenschaftliche Koordination
  • GAIKER Centro Tecnológico, Spanien / Sensortechnik
  • IFixit GmbH, Deutschland / Online-Datenbank
  • Tecnalia, Spanien / Materialwissenschaft
  • TP Vision Europe B.V., Belgien / Abnehmer
  • Vertech Group, Frankreich / Umwelt-Consulting

Originalveröffentlichung: Fraunhofer-Magazin weiter.vorn, Ausg. 1/2016, S.24 ff

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