Zukunftsprojekte beim Systemanbieter Rittal Regelbruch als Strategie für den wirtschaftlichen Erfolg

Redakteur: Kristin Rinortner

Der Weltmarktführer bei Industrieschaltschränken, IT-Gehäusen und System-Klimatisierung Rittal ist in vielen Bereichen so auch in der Brennstoffzellenentwicklung, bei Bio-Kunststoffen oder RFID-Systemen für Schaltschränke aktiv. Wir sprachen mit Geschäftsführer Dr. Thomas Steffen, verantwortlich für F&E, Qualitätsmanagenent und Service, über strategische Ziele, Innovationen und Zukunftsprojekte des Mittelständlers.

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Herr Dr. Steffen, in den Anfangszeiten hatte Rittal den Schrank, den der Kunde morgen braucht, gestern schon gebaut und abrufbereit auf Lager. Welche Rolle spielen Visionen für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens?

Der Begriff Visionen ist aus meiner Sicht im Zusammenhang mit Innovationen etwas schwer zu handhaben. Ich würde eher von strategischen Zielen sprechen. Norbert Müller (ehemals Vorsitzender der Geschäftsführung bei Rittal, A.d.R.) hat dies einmal als Regelbrüche bezeichnet. Regelbruch als klare Strategie. Der erste war, diesen Schaltschrank in definierten Abmessungen auf Lager zu haben.

Das nächste Ziel war es, den Erfolg in Deutschland weltweit abzubilden. Viele haben daran nicht geglaubt, das Konzept ist dennoch erfolgreich geworden. Das dritte strategische Ziel war, das Produktprogramm sukzessive zu erweitern und auch in andere Bereiche zu gehen. Wir haben neben dem Schaltschrankgeschäft mittlerweile fünf weitere Produktbereiche im Portfolio, in denen wir z.B. bei der Schaltschrank-Klimatisierung Weltmarktführer sind, bei der IT, also Server-Racks und Netzwerkschränke, ebenfalls.

Und das vierte strategische Ziel, das wir ansteuern, ist unser Weg vom reinen Produktanbieter zum Systemanbieter. Das ist eine große Herausforderung für das gesamte Unternehmen, da viele organisatorische Änderungen und ein Umdenken z.B. in der Auftragsabwicklung, im Vertrieb, im Projektmanagement etc. erforderlich sind.

Auf der Hannover Messe 2007 haben Sie u.a. Projekte zur Mensch-Maschine-Interaktion wie Augmented Reality, den iPoint Explorer und ein akustisches Keyboard präsentiert. Was davon ist aus heutiger Sicht Erfolg versprechend?

Der iPoint Explorer und das akustische Keyboard sind Themen, mit denen wir uns weiterhin beschäftigen und die wir auch mit unseren Kunden diskutieren. Für uns ist es wichtig, im Bereich Bediensysteme die richtigen zukunftsweisenden „Verpackungen“ anzubieten und zu sehen, wo die Reise hingeht. Diese beiden Themen sind jedoch noch nicht bis zum Durchbruch gelangt.

Etwas anders sehen wir das bei Augmented Reality. Diesen Bereich verfolgt Rittal auch im Rahmen öffentlicher Forschungsprojekte weiter. Unser Ziel ist es, diese Ansätze in der internen Abwicklung zu nutzen. Dabei geht es darum, über dieses Konzept und die dahinter liegenden Datenbankmodelle eine schnellere und flexiblere Auftragsabwicklung zu implementieren. Auch in der Montage kann Augmented Reality sinnvoll genutzt werden. Dies haben wir bei unserer Brennstoffzellenfertigung anhand von Montagehinweisen getestet. Hier existieren erste Prototypen, die gemeinsam mit der Fraunhofer Gesellschaft entwickelt wurden.

Das, was man in der Montage aufbaut, kann man in ähnlicher Weise auch im Service nutzen. Eine internationale Serviceorganisation steht immer vor der Schwierigkeit, wie man Produktschulungen und Hinweise gestaltet, was wie instand zu setzen, zu reparieren ist. Hier ist Augmented Reality ein hervorragender Ansatz, den wir auch konsequent weiter verfolgen wollen.

Was denken Sie, wann Augmented Reality in großem Maßstab eingesetzt wird?

Es gibt heute bereits Applikationen. Wir kooperieren z.B. mit einem Unternehmen, das die geeignete Hardware zur Verfügung stellt: einen speziellen Helm und eine Jacke. Mit diesem Equipment lädt sich etwa ein Servicetechniker über einen kleinen Bildschirm, der in der Nähe des Auges angebracht ist, Informationen aus dem Internet herunter, die für seine Aufgabe wichtig sind. Auch der Support aus der Zentrale kann über das System erfolgen. Die am Helm installierte Kamera zeichnet den Bereich auf, den der Servicetechniker bewusst anschaut. Dieses Bild wird an die Zentrale gesendet, wo ein weiterer Techniker ebenfalls den Defekt erkennt. Wir arbeiten außerdem in einem Verbundprojekt u.a. mit VW zusammen, in dem diese Ansätze sehr konkret angewendet werden.

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